Die Wall Street startet die Woche mit einem vorsichtigen Optimismus – und der Blick richtet sich nach Washington. Dort treffen Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping am Donnerstag zu einem Gipfel zusammen, dem ersten Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten in Trumps zweiter Amtszeit. Die Terminfestlegung allein reicht offenbar aus, um Futures anzuschieben.
S&P-500-Futures legten am Sonntagabend um 0,25 Prozent zu, Nasdaq-100-Futures um 0,33 Prozent. Bereits am Freitag hatte der Index moderat zugelegt und mit 7.650,50 Punkten geschlossen, nach einem Wochenverlauf, der die Nasdaq um 0,7 Prozent nach oben und den Dow um 1,7 Prozent nach unten schickte. Der S&P 500 selbst bewegte sich auf Wochensicht kaum – ein Minus von 0,1 Prozent.
Handelsgespräche vor dem großen Termin
Vor dem eigentlichen Gipfel haben US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vize-Ministerpräsident He Lifeng bereits erste Gespräche in New York aufgenommen. Der bestehende Handelswaffenstillstand zwischen den beiden Ländern läuft Anfang November aus, weshalb Zollfragen neben KI-Regulierung zu den zentralen Themen des Donnerstagstreffens zählen dürften. Der positive Ton beider Seiten im Vorfeld stützt die Stimmung an den Terminmärkten.
Parallel dazu sorgt die Nahost-Lage für Nervosität. Die USA und Iran tauschten über das Wochenende Drohungen aus, nachdem die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen ihre Offensive gegen Saudi-Arabien mit Angriffen auf Riad verschärft hatten. Trump warnte Teheran vor „schwerwiegenden wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen“, sollte kein Abkommen zustande kommen – Iran drohte im Gegenzug mit anhaltenden Vergeltungsschlägen.
Ölmarkt als Belastungsfaktor
Die Ölpreise blieben über der Marke von 100 Dollar pro Barrel, nachdem eine wichtige Pipeline Saudi-Arabiens durch Angriffe beschädigt wurde. Rohstoffanalysten schätzen, dass die globalen Öl- und Produktvorräte bei anhaltender Störung binnen fünf bis zehn Wochen aufgebraucht sein könnten – deutlich früher als noch vor zwei Wochen angenommen. Diese Verknappung könnte den Druck auf Washington erhöhen, mit Iran zumindest eine Teilöffnung der Straße von Hormus auszuhandeln.
Zusätzliche Unterstützung erhielten Technologiewerte durch die anhaltende Nachfrage nach Chips für Künstliche Intelligenz. Der IPO-Aufschub von Anthropic auf November – das Unternehmen soll laut Berichten eine Bewertung von zwei Billionen Dollar anstreben – wird als Zeichen gewertet, dass sich das Unternehmen mehr Zeit für belastbare Quartalszahlen verschaffen will, um sich gegenüber Konkurrent OpenAI zu behaupten.
Die Woche bündelt damit gleich drei Risikofaktoren: den China-Gipfel am Donnerstag, die Eskalation im Nahen Osten und die Frage, wie belastbar die KI-Rally noch ist. Wie der S&P 500 diese Gemengelage verarbeitet, dürfte sich spätestens mit dem Treffen zwischen Trump und Xi entscheiden.
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