SoftBank-Aktien springen an diesem Freitag um 4,83 Prozent auf 28,20 Euro. Der Sprung folgt auf einen schwachen Donnerstag mit Schlusskurs bei 26,90 Euro. Auf Monatssicht bleibt die Aktie dennoch mit 10,05 Prozent im Minus. Die Frage, die sich Anleger stellen: Ist das eine Trendwende oder nur eine Verschnaufpause in einem nervösen Abwärtstrend?
Der Grund für die Schwankungen liegt in Masayoshi Sons schuldenfinanzierter Wette auf OpenAI. Rund 65 Milliarden Dollar hat SoftBank dem KI-Unternehmen zugesagt. Um das zu stemmen, braucht der Konzern frisches Fremdkapital – und genau darum dreht sich gerade alles.
Die Finanzierungsschlacht läuft auf zwei Ebenen
Am 27. Juli hat SoftBank die Aufstockung eines Brückenkredits abgeschlossen, der die OpenAI-Beteiligung absichert. 21 neue Kreditgeber sind eingestiegen, darunter First Abu Dhabi Bank, Singapurs GIC und Standard Chartered. Sie bringen zusätzlich rund 7 Milliarden Dollar ein. Das Gesamtvolumen des Kredits liegt nun bei 40 Milliarden Dollar, fällig im März 2027, mit einem Zinsaufschlag von etwa 250 Basispunkten über SOFR – effektiv rund 6,14 Prozent.
Schwieriger läuft es bei einem zweiten, kleineren Baustein: einem Lombardkredit, der direkt durch die OpenAI-Anteile besichert werden soll. SoftBank wollte hier ursprünglich mindestens 10 Milliarden Dollar einsammeln, musste das Ziel wegen zögerlicher Banken aber auf rund 6 Milliarden Dollar senken. Anfang Juli hat der Konzern die höhere Summe erneut ins Spiel gebracht und bietet den Banken nun eine Garantie an. Sollten die verpfändeten Aktien an Wert verlieren, haftet SoftBank selbst dafür. Wie groß der Kredit am Ende wird, steht noch nicht fest.
Diese Unsicherheit trifft auf ein ohnehin nervöses Umfeld. Bereits in diesem Jahr war die Aktie um mehr als 12 Prozent eingebrochen, nachdem die New York Times berichtet hatte, OpenAI könnte seinen Börsengang auf 2027 verschieben. Berater sollen vor Volatilität an den Tech-Märkten gewarnt haben, die die Nachfrage nach der Emission schwächen könnte. Jede weitere Verzögerung würde die Phase verlängern, in der SoftBank seine KI-Schulden ohne klares Verwertungsereignis bedienen muss.
Die entscheidende Frage
Alles hängt an einem Punkt: Kann SoftBank den 40-Milliarden-Dollar-Brückenkredit bis März 2027 refinanzieren und zurückzahlen – gestützt auf die Arm-Beteiligung und künftige OpenAI-Erlöse? Oder zwingt ein weiter verschobener Börsengang den Konzern in teurere, verwässernde Finanzierungswege? SoftBank selbst hat erklärt, die Rückzahlung solle „durch die Nutzung bestehender Vermögenswerte und andere Finanzierungsmaßnahmen“ erfolgen.
Das optimistische Szenario
Für Optimisten spricht die schiere Nachfrage der Kreditgeber. Dass sich souveräne Fonds und internationale Banken an der Aufstockung des Brückenkredits beteiligt haben, zeigt: Die Kreditmärkte sind weiterhin bereit, Sons KI-Ambitionen in großem Stil zu finanzieren.
Hinzu kommt die Wertentwicklung der zugrunde liegenden Beteiligung. SoftBanks Vision Fund verzeichnete in den zwölf Monaten bis zum 31. März Investitionsgewinne von rund 46 Milliarden Dollar – fast ausschließlich getrieben durch die steigende Bewertung der OpenAI-Anteile. Der Fair Value der gesamten OpenAI-Position erreichte zum Jahresende 79,6 Milliarden Dollar, bei kumulierten Investitionskosten von 34,6 Milliarden Dollar. Bleibt diese Lücke bestehen oder wächst sie weiter, verbessert das die Sicherheiten für neue Kredite – unabhängig vom Zeitpunkt des Börsengangs.
Das Risiko-Szenario
Die Gegenposition: Keine dieser Finanzierungsrunden löst das eigentliche Problem, nämlich die fehlende Liquidität der OpenAI-Beteiligung. Die Zurückhaltung der Banken beim Lombardkredit ist gut dokumentiert. Ursprünglich sollte der Kredit ausschließlich durch die OpenAI-Anteile besichert werden. Die Banken lehnten das ab, weil sie im Fall eines Wertverlusts keinen Zugriff über die Aktien hinaus gehabt hätten – SoftBank wäre schlicht nicht zur Rückzahlung verpflichtet gewesen.
Dass der Konzern die Bedingungen nun mit einer Konzerngarantie nachbessern musste, zeigt, wie dünn die Marktnachfrage nach privat bewerteten KI-Sicherheiten tatsächlich ist. Dazu kommt das Timing-Risiko beim Börsengang. Favorisieren OpenAIs Berater weiterhin eine Verschiebung gegenüber einer niedrigeren Bewertung, wächst der Druck auf SoftBank, die Frist im März 2027 über „andere Finanzierungsmaßnahmen“ zu stemmen. Das könnte neue Schuldtitel, Verkäufe von Vermögenswerten oder weitere Lombardkredite auf die Arm-Beteiligung bedeuten – in einem Umfeld, in dem die Tech-Stimmung fragil bleibt. Die annualisierte Volatilität der Aktie liegt derzeit bei hohen 74,86 Prozent, ein Zeichen für die Nervosität am Markt.
Ausblick
Solange die Syndizierung des Brückenkredits neue Geldgeber anzieht und die Arm-Bewertung als Sicherheit hält, spricht mehr dafür, dass SoftBank die Rückzahlung im März 2027 ohne Notverkäufe stemmen kann. Sollten die Verhandlungen um den OpenAI-Lombardkredit erneut ins Stocken geraten oder sich der Börsengang weiter Richtung Ende 2027 verschieben, ohne dass ein klarer Finanzierungsersatz steht, dürfte sich der Druck auf die Aktie verschärfen. Der RSI von 42,1 signalisiert bereits jetzt einen Markt, der seine Richtung noch sucht.
Die nächsten konkreten Marker: die finale Größe des OpenAI-besicherten Lombardkredits, die weiterhin offen ist, und jedes neue Signal zum Zeitpunkt des OpenAI-Börsengangs. Davon hängt ab, ob SoftBanks schuldenfinanzierte KI-Wette zu einem kurzfristigen Liquiditätsereignis wird – oder zu einem langen Wartespiel.
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