OpenAI hat vertraulich einen IPO-Antrag eingereicht. Für SoftBank könnte das der entscheidende Wendepunkt sein — oder zumindest ein dringend benötigter Stabilisator.
OpenAI-Börsengang als Bewertungsanker
Der Schritt kommt zur rechten Zeit. SoftBank hat mehr als 60 Milliarden Dollar in OpenAI investiert — rund 30 Prozent des gesamten Portfolios. Ein erfolgreicher Börsengang würde erstmals eine öffentlich nachprüfbare Bewertung liefern.
Das ist nicht trivial. Kreditgeber haben zuletzt Skepsis gegenüber privaten Vermögenswerten gezeigt. Ein geplanter Margin-Kredit über 6 Milliarden Dollar, besichert durch SoftBanks OpenAI-Anteil, kam deshalb nicht zustande. Konkrete Bewertungsmarken aus einem IPO-Prozess könnten diese eingefrorenen Kreditlinien wieder öffnen.
Beim letzten Mitarbeiter-Tender-Offer wurde OpenAI mit rund 852 Milliarden Dollar bewertet.
Schuldenmanagement unter Druck
SoftBank hat am Mittwoch die vorzeitige Rückzahlung von USD-Anleihen aus dem Jahr 2021 abgeschlossen. Das zeigt, dass das Management aktiv an der Bilanz arbeitet. Allerdings bleibt eine 40-Milliarden-Dollar-Brückenfinanzierung bestehen, die Anfang 2027 fällig wird.
Die Aktie spiegelt die Nervosität wider. Sie notiert bei 35,00 Euro — ein Minus von über 22 Prozent in sieben Tagen. Auslöser waren ein globaler Tech-Ausverkauf und steigende Großhandelspreise in Japan, die den Nikkei 225 belasteten. Der RSI liegt bei 47,5, also im neutralen Bereich.
„Physical AI“ als langfristige Wette
CEO Masayoshi Son hält an seiner Vision fest. SoftBank hat 75 Milliarden Euro für den Aufbau von KI-Rechenzentren in Frankreich zugesagt. Das Konzept verbindet Arm-Chip-Architekturen mit OpenAI-Sprachmodellen und industrieller Robotik.
Konkret: In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll die Serienproduktion humanoider Industrieroboter in bayerischen Werken anlaufen. Das wäre der erste echte Umsatzbeitrag aus dem „Physical AI“-Ökosystem.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 110 Prozent. Das beschreibt das Profil dieser Aktie treffend: hohe Chancen, hohes Risiko, wenig Mitte. Ob der OpenAI-IPO tatsächlich die Kreditklemme löst, entscheidet sich in den kommenden Monaten — parallel zum Anlaufen der Roboterproduktion.
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