Die SoftBank Group setzt ihre weitreichende Strategie im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) mit einem bedeutenden Kapitalmarktschritt fort. Die Tochtergesellschaft SB Energy hat am Mittwoch offiziell den Antrag für einen Börsengang an der Technologiebörse Nasdaq unter dem Kürzel SBE eingereicht.
Das Unternehmen zielt dabei Berichten zufolge auf eine Bewertung von rund 50 Milliarden US-Dollar ab und plant, durch die Emission neuer Aktien zwischen 5 und 7 Milliarden US-Dollar einzunehmen.
Massive Kapazitäten und prominente Unterstützung
SB Energy positioniert sich als zentraler Infrastrukturpartner für die KI-Industrie, obwohl das Unternehmen derzeit noch keine operativen Rechenzentren betreibt. Laut den Einreichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC verfügt die Gesellschaft jedoch über vertraglich gesicherte Kapazitäten von 8,8 Gigawatt.
Der Auftragsbestand wird mit einer Summe von etwa 439 Milliarden US-Dollar beziffert, wovon der Großteil auf den Bereich der Rechenzentren entfällt. Ein signifikanter Teil dieser Kapazitäten ist für prominente Partner reserviert: So plant das Unternehmen zwei Standorte in Texas, von denen einer exklusiv für OpenAI vorgesehen ist.
Die enge Verflechtung mit führenden KI-Akteuren zeigt sich auch in der Finanzierungsstruktur. OpenAI fungiert nicht nur als Mieter, sondern hält auch Optionsscheine an SB Energy im Wert von schätzungsweise 5,5 Milliarden US-Dollar. Nvidia unterstützt das Vorhaben ebenfalls massiv.
Der Chiphersteller plant eine Investition von 1,5 Milliarden US-Dollar und stellt zudem eine Kreditabsicherung in Höhe von 105 Milliarden US-Dollar bereit. Trotz dieser ambitionierten Wachstumsaussichten spiegeln die aktuellen Geschäftszahlen die hohen Aufbaukosten wider.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte SB Energy einen Umsatz von 138,7 Millionen US-Dollar, verbuchte jedoch gleichzeitig einen Nettoverlust von 3,21 Milliarden US-Dollar.
Portfolio-Bereinigung und Liquiditätssicherung
Parallel zum geplanten Börsengang der Energietochter treibt die SoftBank Group die Monetarisierung bestehender Beteiligungen voran. Am gestrigen Mittwoch veräußerte der Konzern einen Anteil von 1,5 Prozent an der indischen E-Commerce-Plattform Meesho. Der Verkauf erfolgte im Rahmen eines Block-Deals und umfasste 70 Millionen Aktien zu einem Preis von 205 Rupien pro Stück, was einem Gesamtvolumen von etwa 1.435 Crore Rupien entspricht.
Diese Desinvestition erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die operative Lage bei Meesho stabilisiert. Das indische Unternehmen konnte seinen Nettoverlust im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf 132,8 Crore Rupien mehr als halbieren, während der Umsatz um 48 Prozent auf 3.712,8 Crore Rupien stieg. Für SoftBank stellt dieser Teilverkauf eine weitere Maßnahme dar, um Kapital für neue Investitionen im KI-Sektor freizusetzen.
Fokus auf den Anleihemarkt und Kursentwicklung
Um die ambitionierte Expansionsstrategie finanziell abzusichern, plant die SoftBank Group zudem eine großvolumige Emission von Anleihen für Privatanleger. In Japan bereitet der Konzern die Ausgabe von Papieren im Wert von einer Billion Yen vor. Damit zeichnet das Unternehmen für fast die Hälfte des gesamten geplanten Emissionsvolumens japanischer Firmen im laufenden Fiskaljahr verantwortlich.
Hintergrund dieser massiven Kapitalaufnahme sind die erwarteten Zinserhöhungen der japanischen Notenbank, denen SoftBank durch eine frühzeitige Refinanzierung begegnen möchte.
An der Börse reagierte das Papier zuletzt verhalten auf die Nachrichtenflut. Am gestrigen Mittwoch verzeichnete der Wert im deutschen Handel einen Rückgang von 1,8 Prozent und schloss bei 27,21 Euro. Damit setzt sich die schwächere Tendenz der vergangenen Wochen fort; über einen Zeitraum von 30 Tagen steht ein Minus von 12 Prozent zu Buche.
Anleger bewerten derzeit offenbar das Spannungsfeld zwischen den hohen Verlusten der Tochtergesellschaften und den enormen Bewertungspotenzialen durch die KI-Partnerschaften neu. Das Bankenkonsortium für den SB-Energy-Börsengang wird von Schwergewichten wie J.P. Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley angeführt.
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