Ein Kurssprung von 29,95 Prozent auf ein Tageslimit – so etwas hatte SK Hynix seit 2015 nicht mehr erlebt. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.718.000 Won, nachdem der südkoreanische Leitindex Kospi den größten Tagesgewinn seiner Geschichte verzeichnet hatte. Bemerkenswert: Noch am Vortag hatte SK-Group-Chairman Chey Tae-won eigene Aktien des Speicherchip-Herstellers gekauft – kurz bevor der Kurs explodierte.
Rekordrally nach Rekordabsturz
Der Kospi legte am Freitag um 17,91 Prozent auf 6.595,45 Punkte zu, der größte prozentuale Tagesgewinn in der Geschichte des Index. Ausgelöst wurde die Bewegung durch überraschend starke Quartalszahlen von Microsoft und bekräftigte KI-Investitionspläne von Amazon, die eine breite Chip-Rallye an den US-Börsen anstießen. Ausländische Investoren kauften koreanische Aktien netto für über 7,2 Billionen Won, während einheimische Privatanleger im Rekordumfang von rund 8,27 Billionen Won verkauften. Neben SK Hynix erreichte auch Samsung Electronics mit einem Plus von 26,81 Prozent auf 262.500 Won ein Rally-Hoch.
Der Freude ging ein heftiger Einbruch voraus. Der Kospi war am Dienstag um 10,84 Prozent eingebrochen, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen griffen automatische Handelsunterbrechungen. Am Donnerstag türmten sich Zwangsliquidationen von Margin-Konten auf 103,8 Milliarden Won auf, den höchsten Stand seit 14 Handelstagen. Leveraged-ETFs und Kreditgeschäfte hatten die Ausschläge in beide Richtungen verstärkt. Die aktuellen Kennzahlen spiegeln diese Nervosität: Über die vergangenen 30 Tage steht bei SK Hynix trotz der Freitagsrally ein Minus von 32,89 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch bei 2.987.000 Won aus dem Juni trennen die Aktie noch immer 42,48 Prozent.
Konzernchef setzt ein Signal
Vor diesem Hintergrund erhält der Aktienkauf von Chey Tae-won besonderes Gewicht. Der SK-Group-Chairman erwarb am Donnerstag 3.620 SK-Hynix-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 1.353.677 Won, insgesamt rund 4,9 Milliarden Won – sein erster persönlicher Kauf dieser Art. Nur einen Tag später, mit dem Sprung auf das Tageslimit, verzeichnete das Paket einen Buchgewinn von etwa 1,3 Milliarden Won. Chey hatte bereits bei einem Forum am 17. Juli erklärt, Speicherchips würden ständig benötigt, weshalb sich der Wert über die Zeit nach oben entwickle, und dazu geraten, die Aktie ruhig zu halten statt zu handeln.
Auch bei Samsung Electronics zog die Führung nach: DX-Chef Roh Tae-moon kaufte am selben Tag 3.045 Aktien für rund 700 Millionen Won und hält nun 124.280 Anteile. Beobachter werteten beide Käufe als Signal „verantwortungsvoller Führung“ in einer Phase erhöhter Marktvolatilität – just zu einem Zeitpunkt, an dem viele Privatanleger durch Nachschusspflichten unter Druck standen.
Zwischen Gewinnrekord und chinesischem Konkurrenzdruck
Die fundamentale Ausgangslage bleibt zweigeteilt. SK Hynix hatte im zweiten Quartal einen operativen Rekordgewinn von 60,5 Billionen Won ausgewiesen – blieb damit aber unter der Konsensschätzung von 64 Billionen Won, weil Lieferverzögerungen die möglichen DRAM-Preissteigerungen begrenzten. Das Unternehmen schloss zugleich rund zehn langfristige Lieferverträge mit Anzahlungen ab, was auf anhaltend hohe Nachfrage nach Speicherchips für KI-Infrastruktur hindeutet. Die Analysten von DS Investment & Securities sehen angesichts historischer Muster – SK-Hynix-Kurshochs liefen in der Vergangenheit dem eigentlichen Gewinnhoch typischerweise voraus – noch Potenzial bis in die erste Hälfte 2027, zumal die DRAM-Preise im dritten Quartal stärker steigen dürften als bislang erwartet.
Langfristig wächst jedoch der Druck aus China. Der Speicherchip-Hersteller CXMT hat seinen Marktanteil im DRAM-Geschäft binnen eines Jahres von 3 auf 8 Prozent gesteigert und will die Fertigungskapazität bis 2028 verdoppeln. SK Hynix hält aktuell 29 Prozent Marktanteil, Samsung 38 Prozent – Analysten rechnen damit, dass CXMT bis Ende kommenden Jahres auf 15 bis 24 Prozent zulegen könnte. Parallel dazu prognostizieren die Analysten von UBS, dass Samsung SK Hynix im Markt für High-Bandwidth-Memory-Chips 2027 mit einem Anteil von 41 Prozent überholen könnte, nachdem SK Hynix dort 2026 noch mit 48 Prozent führt. SK Hynix reagiert darauf mit steigenden Ausrüstungsinvestitionen im oberen zweistelligen Billionen-Won-Bereich und einer zusätzlichen Bestellung von Bonder-Anlagen im Wert von 42,2 Milliarden Won. Mit einem RSI von 44,7 zeigt der Titel derzeit weder überkaufte noch überverkaufte Signale – ein Hinweis darauf, dass der Markt die widersprüchlichen Nachrichten aus Rally, Gewinnverfehlung und Konkurrenzdruck erst noch verarbeitet.
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