SK Hynix hat binnen weniger Handelstage die ganze Bandbreite seiner extremen Schwankungsbreite gezeigt. Am Donnerstag schoss die Aktie in Seoul um 4,86 Prozent auf 1.919.000 Won nach oben, getragen von einer generellen Rally des südkoreanischen Leitindex KOSPI, der um 4,40 Prozent auf 7.096,89 Punkte kletterte. Schon am Freitag drehte die Stimmung: Der KOSPI rutschte unter die Marke von 7.000 Punkten auf 6.886,56 Zähler, ein Minus von 2,96 Prozent, SK Hynix verlor dabei 3,60 Prozent. Auslöser waren eskalierende Spannungen im Nahen Osten – US-Präsident Trump erwägt einem Bericht der Seoul Economic Daily zufolge einen Angriff auf den Iran, während Huthi-Rebellen das Rote Meer blockieren. Der Analyst Kiwoom Securities rechnet dennoch mit einer teilweisen Erholung bei Halbleiterwerten.
Der Kurssprung vom Donnerstag zeigt sich auch in der mittelfristigen Bilanz: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 4,18 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich die Aktie um 195,37 Prozent verteuert. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch vom 25. Juni 2026 bei 2.987.000 Won fehlen der Aktie aber weiterhin 35,75 Prozent – ein Beleg dafür, wie heftig der Rücksetzer der vergangenen Wochen ausgefallen ist. Zum 50-Tage-Durchschnitt von rund 2,2 Millionen Won liegt der Kurs noch 12,77 Prozent im Rückstand, während die annualisierte Volatilität von 116,07 Prozent die anhaltend hohe Nervosität rund um den Titel unterstreicht.
Rückenwind von Alphabets Investitionsoffensive
Der eigentliche Kurstreiber der vergangenen Handelstage kam aus den USA: Alphabet hob seine Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar an, nachdem zuvor 180 bis 190 Milliarden Dollar veranschlagt waren. Google Cloud steigerte den Quartalsumsatz um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar. Die Nachricht ließ die in New York gelistete SK-Hynix-Hinterlegungsscheine deutlich zulegen – Berichte sprechen von Kurssprüngen zwischen 4,5 und 6,7 Prozent im vorbörslichen sowie regulären Handel. Morgan Stanley kommentierte, die Knappheit bei Speicherchips und Rechenleistung bleibe bestehen, der KI-Infrastrukturzyklus stehe noch am Anfang. Auch Micron und SanDisk profitierten von der Rotation der Anleger in Speicherwerte, während Tesla nach enttäuschenden Zahlen um bis zu 14 Prozent einbrach und Alphabet trotz starker Geschäftszahlen wegen des erstmals negativen freien Cashflows zeitweise über 7 Prozent verlor.
ADR-Prämie und Blick auf die Quartalszahlen
Die im Juli in New York gelisteten Hinterlegungsscheine von SK Hynix handelten zuletzt mit einer Prämie von rund 34,5 Prozent gegenüber den Stammaktien in Seoul, nachdem die Umwandlungsobergrenze von 2,5 Prozent erreicht wurde und das Angebot damit limitiert blieb. Der Börsengang vom 10. Juli 2026 spülte dem Unternehmen rund 26,5 Milliarden Dollar in die Kasse und gilt als größter ADR-Börsengang eines ausländischen Unternehmens in den USA; das Volumen war den Berichten zufolge siebenfach überzeichnet. Anleger richten den Blick nun auf den 29. Juli, wenn SK Hynix seine Quartalszahlen vorlegt. Der Analystenkonsens erwartet einen Gewinn je Aktie von 71.211 Won, ein Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber der Schätzung vom Vormonat.
Margin Calls und strukturelle Nachfrage
Der scharfe Rücksetzer der Aktie in den Wochen zuvor hatte auch hausgemachte Ursachen: Berichten zufolge verlor SK Hynix binnen zweier Handelstage im Juli mehr als 20 Prozent, weil in Südkorea in großem Stil kreditfinanzierte Positionen aufgelöst wurden. Rund zwölf Millionen private Anleger im Land erhielten Nachschussforderungen, was mehr als drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung entspricht. Die Marginverschuldung hatte im Mai mit umgerechnet 1,42 Billionen Dollar einen Rekordwert erreicht, ein Plus von 53,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Fundamental bleibt das Bild für SK Hynix positiv: Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 52,6 Billionen Won, fast eine Verdreifachung, bei einer operativen Marge von 72 Prozent; der Nettogewinn legte um 398 Prozent zu. Nach Daten von Counterpoint hält SK Hynix einen Marktanteil von 58 Prozent bei High-Bandwidth-Memory-Chips, dem zentralen Speichertyp für KI-Beschleuniger. Das Management rechnet damit, dass die Nachfrage nach HBM das Angebot noch für drei Jahre übersteigen wird, während Nomura ein jährliches Wachstum der Rechenzentrums-Investitionen von rund 48 Prozent bis 2030 prognostiziert. Das Unternehmen investiert zudem rund vier Milliarden Dollar in ein neues Verpackungswerk im US-Bundesstaat Indiana, um seine Kapazitäten für 2026 auszubauen. Am Rande eines KI-Gipfels in San Francisco sollten sich zudem SK-Group-Chairman Chey Tae-won und Samsung-Chairman Jay Y. Lee mit Nvidia-CEO Jensen Huang treffen, um langfristige Lieferverträge für Speicherchips zu besprechen.
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