Der Technologiesektor wackelt. Ein breiter Ausverkauf bei KI- und Speicherchips prägt den Start in den Juli. Auslöser sind Berichte über Meta. Der US-Konzern will offenbar überschüssige KI-Rechenleistung verkaufen. Die Folge: wachsende Nervosität. Investoren fürchten eine spürbar sinkende Chip-Nachfrage.
Die SK Hynix Aktie spürt diesen Druck massiv. Am Freitag schloss das Papier bei 2.425.000 südkoreanischen Won. Das entspricht einem Tagesverlust von mehr als fünf Prozent. Auf Wochensicht büßte der Titel gut neun Prozent ein.
Der Kurs liegt nun fast 19 Prozent unter dem Rekordhoch vom Juni. Ein Absturz? Nur auf den ersten Blick. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein massives Plus von 258 Prozent auf der Anzeigetafel.
Gesunde Korrektur oder erstes Warnsignal?
Das Papier steht an einem Scheideweg. Handelt es sich um eine normale Gewinnmitnahme nach einer beispiellosen Rallye? Oder sehen wir erste Risse im KI-Superzyklus? Die extrem hohe Schwankungsbreite der vergangenen 30 Tage zeigt die Anspannung der Akteure. Der RSI-Indikator liefert mit einem Wert von 51,6 ein neutrales Bild.
Die Antwort hängt an einer Kernfrage. Übersteigen die Investitionen der Tech-Giganten in KI-Infrastruktur weiterhin das Angebot an Speicherchips? Der Bericht über Metas freie Kapazitäten deutet zumindest auf mögliche spekulative Übertreibungen hin.
Das bullische Szenario: Fundamentale Stärke
Die strukturelle Basis für SK Hynix bleibt vorerst intakt. Analysten hoben kürzlich ihre Kursziele auf über vier Millionen Won an. Sie verweisen auf die ungebrochene Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory (HBM).
Für das zweite Quartal 2026 erwarten Experten starke Zahlen. Der Umsatz soll im Vergleich zum Vorquartal um gut 50 Prozent steigen. Der operative Gewinn könnte auf 61 Billionen Won zulegen. Es wäre das elfte Quartal in Folge, das die Prognosen übertrifft.
Auf der Angebotsseite rechnet das Management in der zweiten Jahreshälfte mit einem verschärften HBM4-Mangel. Nvidia spielt hier eine Schlüsselrolle. Der US-Konzern orderte offenbar zwei Drittel seines HBM4-Bedarfs für die neue Vera-Rubin-Plattform bei den Südkoreanern. Bisher rechnete der Markt mit einer Quote von nur knapp über 50 Prozent.
Um die Nachfrage zu bedienen, baut das Unternehmen massiv aus. Der CEO bestätigte Investitionspläne von 100 Billionen Won für den Heimatmarkt. Allein 80 Billionen fließen in die NAND-Flash-Produktion.
Das bärische Szenario: Wachsender Wettbewerb
Dem stehen klare Risiken gegenüber. Die ehrgeizigen Zeitpläne wackeln offenbar. SK Hynix wollte die HBM4-Kapazitäten ursprünglich im zweiten Quartal 2026 hochfahren. Dieser Schritt verschiebt sich laut Branchenkreisen ins dritte Quartal.
Die hohe Nachfrage nach der aktuellen HBM3E-Generation zwingt das Unternehmen, bestehende Anlagen länger zu betreiben. Parallel dazu kämpft Nvidia mit Herausforderungen bei der Massenproduktion der neuen Chips.
Auch die Konkurrenz forciert das Tempo. Samsung plant, seine HBM-Produktion in diesem Jahr um die Hälfte zu steigern. Bis zum Jahresende wollen sie rund 250.000 Wafer pro Monat fertigen. Das erhöht den Preisdruck massiv.
Ein weiteres Risiko ist die extreme Marktkonzentration. Samsung und SK Hynix machen mittlerweile fast die Hälfte der gesamten Gewichtung im Kospi-Index aus. Ein starker Kursrutsch bei einem der Werte zieht den gesamten südkoreanischen Markt nach unten.
Ausblick: Die nächsten Katalysatoren
Beruhigt sich die aktuelle Nervosität, dürfte die strukturelle Angebotsknappheit wieder in den Vordergrund rücken. Die festen Zusagen von Nvidia und anderen Großkunden stützen das bullische Bild.
Verdichten sich jedoch die Hinweise auf sinkende Ausgaben der Tech-Konzerne, drohen weitere Rücksetzer. Charttechnisch rückt dann die 50-Tage-Linie bei rund 2,04 Millionen Won in den Fokus. Fällt diese Marke, liegt die nächste Unterstützung beim 100-Tage-Durchschnitt von knapp 1,5 Millionen Won.
Das geplante ADR-Listing an der Nasdaq rückt näher. Im gleichen Schritt warten Marktteilnehmer auf die Ergebnisse des zweiten Quartals. Diese beiden Ereignisse werden den Kursverlauf maßgeblich prägen. Fällt die Unterstützung weg, könnte der Juli-Rücksetzer eine dauerhafte Neubewertung von KI-Speicherchips einläuten.
