Juli für Aufsehen bei SK Hynix gesorgt. Der Nasdaq-notierten ADR-Aktie des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers billigt Analyst Simon Coles ein Aufwärtspotenzial von 117 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von 152,35 Dollar am Vortag zu. Die ADR reagierte prompt: Sie schloss am selben Tag um 27,29 Prozent höher bei 193,92 Dollar. Coles begründet seine Einschätzung mit einer sich 2027 weiter verschärfenden Knappheit bei Speicherchips, die bis 2028 kaum nachlassen dürfte. Zudem soll SK Hynix bis Ende 2027 über eine Cash-Position verfügen, die mehr als 40 Prozent der Marktkapitalisierung entspricht – genug Spielraum für Aktienrückkäufe. Den Angaben zufolge bewerten inzwischen 36 von 37 Analysten die Aktie mit Kaufen oder Stark Kaufen.
Der ADR-Handelsstart hatte bereits am 10. Juli für Furore gesorgt. Rund 84.000 koreanische Privatanleger kauften am ersten Handelstag ADR-Aktien im Wert von umgerechnet etwa 338,9 Milliarden Won, das Emissionsvolumen von 26,5 Milliarden Dollar gilt als eines der größten Börsengänge in der Geschichte der US-Märkte. Nach dem Barclays-Kommentar kletterte die Prämie der ADR gegenüber den in Seoul gehandelten Stammaktien auf über 50 Prozent, nachdem sie beim Listing noch bei rund 3 Prozent gelegen hatte. Befeuert wurde die Rally zusätzlich durch den Start des Optionshandels an der CBOE mit rund 150.000 Kontrakten bis zum Mittag sowie durch mehrere neu aufgelegte gehebelte ETFs. Der Kospi sprang am 15. Juli um 6,83 Prozent auf 7.325,49 Punkte, ausländische Investoren kauften netto Aktien im Wert von 515,5 Milliarden Won.
Analysten sehen Engpass bis mindestens 2028
Auch abseits des ADR-Hypes bleibt die Analystenlage für SK Hynix konstruktiv. KB Securities hält trotz eines Kursrückgangs von rund einem Drittel gegenüber dem jüngsten Höchststand an seinem Kursziel von 4,2 Millionen Won fest. Analyst Kim Dong-won begründet dies mit einer Speicherknappheit, die mindestens bis 2028 anhalten dürfte. Weil die Investitionen auf HBM-Kapazitäten konzentriert seien und langfristige Lieferverträge mit Großkunden abgeschlossen würden, bleibe für allgemeine Speicherkunden kaum Angebot übrig. Sorgen um gekürzte KI-Investitionen bei Meta bezeichnet er als „vorübergehendes Rauschen“.
Deutlichere Worte fand SK-Hynix-CEO Kwak Noh-jung: 2027 werde die schlimmste Angebotskrise in der Geschichte der Speicherchip-Branche bringen, das Ungleichgewicht könne sich bis über 2030 hinaus ziehen. SK-Group-Chairman Chey Tae-won bekräftigte diese Einschätzung und sprach von einem möglichen Waferdefizit von mehr als 20 Prozent bis 2030. Die Zahlen untermauern die Dramatik: DRAM-Vertragspreise legten im ersten Quartal 2026 um 90 bis 95 Prozent zu, im zweiten Quartal um weitere 58 bis 63 Prozent, NAND-Preise stiegen im zweiten Quartal um 70 bis 75 Prozent. Gartner rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem DRAM-Preisanstieg von 125 Prozent und einem NAND-Anstieg von 234 Prozent. HBM macht mittlerweile 23 Prozent der gesamten DRAM-Waferkapazität aus.
Ein Wermutstropfen kommt von Bank of America: Die Kapazitätserweiterung von SK Hynix könnte bis 2028 nur ein Sechstel des ursprünglichen Plans erreichen, weil sich die Fabriken in Gwangju und Jeollanam-do verzögern. Das jährliche Wachstum der heimischen Waferkapazität liege unter 10 Prozent. Zusätzliche rechtliche Risiken bestehen durch eine Ende Juni in Kalifornien eingereichte Sammelklage, die SK Hynix gemeinsam mit Samsung und Micron Preisabsprachen bei DRAM-Chips vorwirft.
Kursverlauf: Nach der Rally folgt die Konsolidierung
An der Heimatbörse in Seoul zeigt sich die Aktie inzwischen deutlich ruhiger als in der Woche der ADR-Euphorie. Zuletzt schloss das Papier bei 1.913.000 Won. Auf Sicht von sieben Handelstagen steht ein Plus von 2,31 Prozent zu Buche, über 30 Tage bleibt jedoch ein Minus von 7,17 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mit einem Plus von 214,37 Prozent mehr als verdreifacht. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.987.000 Won, erreicht am 25. Juni 2026, trennen die Aktie derzeit 28,89 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief vom 16. Oktober 2025 bei 420.500 Won satte 405,11 Prozent beträgt. Der Kurs notiert damit 2,67 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 2.182.244,51 Won, aber deutlich über dem 100-Tage-Durchschnitt von 1.600.198,34 Won. Der RSI liegt mit 46,8 im neutralen Bereich, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 127,70 Prozent unterstreicht die Nervosität im Papier. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 826,78 Milliarden Euro.
Nicht alle Stimmen teilen den Optimismus ungebremst. KB-Securities-Analyst Kwon Woo-seok ordnete die jüngste Erholung als oversold-getriebene Gegenbewegung ein, nicht als fundamentale Neubewertung. CNBC verwies zudem auf Warnungen vor spekulativen Übertreibungen im KI-Hardware-Sektor. Für Anleger bleibt damit die Gemengelage aus struktureller Knappheit, hoher Analystenzuversicht und kurzfristiger Nervosität bestehen.
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