Bester Quartalsgewinn der Firmengeschichte – und trotzdem ein Kurssturz von fast zehn Prozent. Bei SK Hynix klafft am Mittwoch die Realität der Bilanz und die Reaktion der Börse auseinander. Der Chip-Konzern aus Südkorea verfehlte die hohen Erwartungen der Analysten, obwohl die operativen Zahlen so gut ausfielen wie nie zuvor.
Die Aktie brach um 9,61 Prozent ein und schloss bei 1.401.000 KRW. Damit liegt der Titel jetzt 53,10 Prozent unter seinem Rekordhoch von 2.987.000 KRW, erreicht erst am 25. Juni. Der 14-Tage-RSI ist auf 33,2 gefallen – ein Wert, der auf eine überverkaufte Aktie hindeutet.
Zahlen verfehlen die hohen Erwartungen
SK Hynix meldete für das zweite Quartal einen operativen Gewinn von 60,54 Billionen KRW. Das ist ein Plus von 557 Prozent gegenüber dem Vorjahr, angetrieben vom Boom bei KI-Infrastruktur und der Nachfrage nach Enterprise-SSDs und High-Bandwidth-Memory.
Analysten hatten laut LSEG mit rund 64 Billionen KRW gerechnet. Auch beim Umsatz reichte es nicht: 79,32 Billionen KRW bedeuten zwar ein Plus von 257 Prozent zum Vorjahr, blieben aber unter der Markterwartung von 84 Billionen KRW. Als Grund nennt das Unternehmen eine Verschiebung in der Gewinnstruktur sowie Timing-Effekte bei der Umsatzverbuchung des neuen HBM4-Speichers, dessen Massenproduktion erst im Quartal anlief.
Der Kioxia-Effekt
Unter dem Strich blieb trotzdem ein Rekord: Der Nettogewinn kletterte auf 93,92 Billionen KRW – mehr als der gesamte Quartalsumsatz. Möglich wurde das durch einen einmaligen Sondereffekt von 62,166 Billionen KRW.
Der Betrag stammt aus dem Verkauf eines Teils der indirekten Kioxia-Beteiligung sowie aus der Neubewertung der verbliebenen Anteile. Der japanische Flashspeicher-Hersteller ist seit seinem Börsengang im Dezember 2024 durch den KI-Investmentboom deutlich mehr wert. Die Bilanz von SK Hynix profitiert davon spürbar. Anleger richteten den Blick trotzdem auf das operative Kerngeschäft – und dort blieb der Fehlbetrag hängen.
Regulierung verschärft den Ausverkauf
Der Kurssturz fällt mit einer regulatorischen Deadline zusammen. Ab Freitag, dem 31. Juli, gelten in Südkorea strengere Regeln für gehebelte Einzelaktien-ETFs.
Die Finanzaufsicht FSC hatte die Maßnahme bereits am 16. Juli angekündigt, den Starttermin aber vorgezogen, um den Markt zu stabilisieren. Die Mindesteinlage für solche Produkte verdreifacht sich von 10 auf 30 Millionen KRW. Aktien oder andere ETFs als Ersatzsicherheit akzeptiert die Aufsicht künftig nicht mehr.
Die Folge: eine Welle automatischer Nachschussforderungen und Entschuldung, die besonders liquide Chip-Titel wie SK Hynix trifft. Genau das dürfte den Ausverkauf zusätzlich verschärft haben.
Chinesischer Herausforderer sorgt für Nervosität
Zur angespannten Stimmung trägt auch ein neuer Wettbewerber bei. Der chinesische Speicherhersteller CXMT feierte am Montag sein Börsendebüt, die Aktie schoss dabei um 466 Prozent nach oben.
Das signalisiert ein mögliches Langfrist-Risiko für das etablierte Trio aus SK Hynix, Samsung und Micron. Analysten sehen die technologische Lücke jedoch weiterhin als groß an. CXMT produziert bislang klassische DRAM-Chips wie DDR4 und DDR5, während SK Hynix im margenstarken HBM-Segment für KI-Beschleuniger führend bleibt. Branchenberichten zufolge liegt CXMT bei HBM-Technologie noch etwa drei Jahre zurück, im IPO-Prospekt fanden sich keine konkreten Investitionspläne für diesen Bereich.
Management hält an Ausbauplänen fest
Trotz der Kursturbulenzen – die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei 123,55 Prozent – bleibt das Management bei seinem Kurs. Für 2026 hat SK Hynix die Investitionsplanung auf einen Bereich in den hohen 40 Billionen KRW angehoben. Der Fokus liegt auf dem Ausbau der Advanced-Packaging-Kapazitäten für HBM4.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Verkaufswelle als Reaktion auf die ETF-Regulierung erweist oder ob der Markt tiefergehende Zweifel am Timing der HBM4-Umsätze hegt. Für die Aktie bleibt damit erstmal ein technisch überverkauftes, fundamental aber weiter wachsendes Bild.
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