Ein Hedgefonds mit 400 Prozent Hebel bricht zusammen. Die Folge trifft SK Hynix mit voller Wucht. Die Aktie des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers stürzt an diesem Montag um 8,09 Prozent auf 1.579.000 Won ab — nur einen Handelstag, nachdem das Papier noch um fast 30 Prozent nach oben geschossen war.
Diese Gegenbewegung zeigt, wie fragil die Rally in Südkoreas Chipsektor gerade ist. Auf Monatssicht steht bei SK Hynix inzwischen ein Minus von knapp 35 Prozent. Der breitere Blick relativiert das Bild trotzdem: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch immer um mehr als 140 Prozent im Plus.
Ein Fonds implodiert, der Markt zittert
Auslöser der Turbulenzen ist der Kollaps von Situational Awareness, dem KI-fokussierten Hedgefonds des früheren OpenAI-Mitarbeiters Leopold Aschenbrenner. Der Fonds verwaltete zu Monatsbeginn noch 45 Milliarden Dollar. Bis Donnerstag schmolz das Vermögen auf rund 10 Milliarden Dollar zusammen.
Der Grund: Aschenbrenner hatte seine Wetten mit einem Hebel von bis zu 400 Prozent aufgebaut. Als Aktien wie SK Hynix, Sandisk, Bloom Energy und Nebius Group binnen eines Monats um mehr als 30 Prozent einbrachen, wurde der Fonds zu Nachschusszahlungen gezwungen. Am Ende musste er sein gesamtes gehebeltes Aktienportfolio mit Abschlag an Ken Griffins Citadel verkaufen.
Diese Notverkäufe verhinderten zwar einen breiteren Markteinbruch. Sie hinterließen jedoch Nervosität bei Investoren, die Engagements in ähnlich gehebelten Fonds mit Speicherchip-Positionen halten.
Der Kospi gibt die Rally teilweise zurück
Der Ausverkauf blieb nicht auf SK Hynix beschränkt. Auch Samsung Electronics verlor am Montagvormittag rund 8 Prozent. Der Leitindex Kospi brach um 4,88 Prozent auf 6.273 Punkte ein — einen Tag, nachdem er mit einem Rekordsprung von fast 18 Prozent geschlossen hatte.
Analysten sehen darin weniger ein fundamentales Problem als eine technische Korrektur. „Der scharfe Kursrückgang liegt weniger an Sorgen über einen Boom-Höhepunkt als an einer übermäßigen Konzentration von Investments vor dem erwarteten Speicherchip-Boom“, sagte Lee Jong-wook, Analyst bei Samsung Securities. Han Ji-young von Kiwoom Securities verwies auf Raum für kurzfristige Gewinnmitnahmen nach dem historischen Freitagssprung.
Die Situation zeigt ein strukturelles Problem des südkoreanischen Marktes. Private Haushalte haben sich stark verschuldet, um in die dominanten Tech-Werte des Landes zu investieren. Jede Verschiebung bei institutionellen Positionen wirkt sich dadurch überproportional auf den gesamten Index aus.
Broker senken ihre Kursziele
Mehrere heimische Investmenthäuser reagierten mit Abstufungen. Shinhan Investment & Securities kappte sein Kursziel für SK Hynix von 4,2 Millionen auf 2,7 Millionen Won. Samsung Securities senkte seine Zielmarke von 3,5 Millionen auf 3 Millionen Won.
Trotz der Kurskapriolen sehen einige Beobachter in der aktuellen Bewegung eher eine Positionierungsfrage als ein Problem des Speicherchip-Geschäfts selbst. Große Kunden wie Google, Apple, Amazon und Meta halten an ihren Investitionsplänen für Speicherchips fest. Das könnte die Ergebnisse stützen, falls der Markt aufhört, die Zwangsverkäufe als Zeichen einer fundamentalen Verschlechterung zu deuten.
Bemerkenswert: Vor dem Verkauf an Citadel bestand rund zwei Drittel des Fondsportfolios aus öffentlich gehandelten Aktien, sowohl Long- als auch Short-Positionen. Der Rest lag in privaten Beteiligungen, allen voran der Anthropic-Position. Ein Sprecher des Fonds dementierte Berichte, wonach dieser Anteil zum Verkauf stehe. Die grundsätzliche KI-Investitionsthese des Fonds scheint damit intakt zu bleiben, auch wenn das gehebelte Aktienbuch abgewickelt wurde.
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