Fast zehn Tage lang trug SK Hynix das Prädikat Billionen-Konzern — dann kam Freitag. Ein einziger Handelstag reichte aus, um rund 57 Milliarden Dollar Börsenwert zu vernichten und die Marktkapitalisierung wieder unter die Billion-Dollar-Marke zu drücken.
Broadcom zieht den Stecker
Der Auslöser kam aus den USA. Broadcom prognostizierte für das dritte Quartal KI-bezogene Erlöse von 16 Milliarden Dollar — gut 1,2 Milliarden weniger als Analysten erwartet hatten. Das reichte, um den gesamten Chipsektor in den Abwärtssog zu ziehen. Der PHLX Semiconductor Index verlor am 5. Juni 8,71 Prozent — der stärkste Tageseinbruch seit März 2020. Amerikanische Chipwerte büßten in Summe rund 1,3 Billionen Dollar an Marktwert ein.
SK Hynix traf es mit minus 9,92 Prozent auf 2.070.000 KRW besonders hart. Das 52-Wochen-Hoch von 2.407.000 KRW, erst am 2. Juni markiert, liegt nun 14 Prozent entfernt. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz dennoch bemerkenswert: Plus 205 Prozent seit Januar.
Verstärkend wirkte der US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Mit 172.000 neu geschaffenen Stellen übertraf er die Erwartungen von 80.000 bis 85.000 deutlich — und befeuerte Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung der Fed im Dezember. Märkte preisen diese Möglichkeit inzwischen mit 43 Prozent ein. In Seoul reagierten ausländische Investoren mit Nettoverkäufen von 4,224 Billionen Won an einem einzigen Tag. Der Won fiel auf den schwächsten Stand gegenüber dem Dollar seit 2009.
Jensen Huang kommt nach Seoul
Während die Kurse fallen, laufen die strategischen Gespräche weiter. Noch an diesem Sonntag trifft Nvidia-Chef Jensen Huang in Seoul auf SK-Group-Chairman Chey Tae-won — ein sogenanntes „Kkanbu Meeting“, an dem auch SK-Hynix-CEO Kwak Nojung und KI-Infrastruktur-Chef Kim Joosun teilnehmen sollen.
Im Mittelpunkt steht die nächste HBM-Generation. SK Hynix hält im Markt für High Bandwidth Memory einen Anteil von rund 57 bis 58 Prozent. Huang hat bereits bestätigt, dass HBM4-Muster von SK Hynix, Samsung und Micron für Nvidias kommende „Vera Rubin“-Plattform freigegeben wurden. Kein Wunder, dass das Treffen trotz der Marktverwerfungen stattfindet — die Lieferkette für KI-Infrastruktur duldet keinen Aufschub.
Kapazitätsausbau und US-Listing
Parallel zum operativen Geschäft treibt SK Hynix seine Expansionspläne voran. Die monatliche DRAM-Waferkapazität soll bis 2030/31 von rund 550.000 auf eine Million Einheiten nahezu verdoppelt werden. Das Yongin-Cluster rückt dabei zeitlich vor: Erste Anlageninstallationen sind nun für Februar 2027 geplant. Das M15X-Werk in Cheongju soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Betrieb aufnehmen.
Hinzu kommt ein mögliches US-Listing. SK Hynix hat im März vertraulich einen SEC-Antrag eingereicht und soll von Investoren positives Feedback erhalten haben. Die geplante Ausgabe von American Depositary Receipts noch in diesem Jahr könnte bis zu 14 Milliarden Dollar einbringen — Kapital, das direkt in die kapitalintensive HBM-Produktion fließen würde.
Was die kommende Woche bringt
Der Gegenwind dürfte nicht sofort nachlassen. Am 12. Juni steht das SpaceX-IPO an — bei einer angestrebten Bewertung von 1,7 Billionen Dollar ein erheblicher Liquiditätssauger für Tech- und Halbleiterportfolios weltweit.
SK Hynix selbst lieferte im ersten Quartal 2026 eine operative Marge von 72 Prozent, manche Analysten erwarten für das zweite Quartal sogar 80 Prozent. Der Markt honoriert das derzeit nicht: Mit einem RSI von 59,8 und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 86 Prozent bleibt die Aktie technisch angespannt. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 1.457.100 KRW liegt noch rund 42 Prozent unter dem aktuellen Kurs — ein Niveau, das bei einer Fortsetzung des Abverkaufs als nächste Orientierungsmarke gilt.
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