Rückkauf und Dividendenversprechen sind seit gut einer Woche verdaut, der Kurs steht seither gut 11,7 Prozent höher. Für mich ist das aber nicht die eigentliche Pointe dieser Woche. Die eigentliche Frage lautet: Trägt das operative Fundament, was die Kapitalmarktstory verspricht? Nach den Zahlen vom Dienstag und der Tarifeinigung mit der Belegschaft komme ich zu einem klaren Ja – mit einer Einschränkung, die ich am Ende nenne.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Am Dienstag legte SK Hynix Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor, die selbst in einer von KI-Fantasie getriebenen Branche außergewöhnlich wirken: 79,3 Billionen Won Umsatz, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und ein operativer Gewinn von 60,5 Billionen Won – 557 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die operative Marge kletterte auf 76 Prozent, einen Rekordwert für das Unternehmen.
Wer angesichts solcher Sprünge an eine einmalige Sonderkonjunktur denkt, sollte einen Blick auf die Lieferkette werfen: SK Hynix hat im selben Quartal die Massenproduktion von HBM4-Speicherchips für Großkunden aufgenommen und dazu Fünfjahresverträge mit rund zehn Schlüsselkunden abgeschlossen. Das ist für mich der entscheidende Unterschied zu einem reinen Zykluseffekt – hier wird Nachfrage vertraglich fixiert, nicht nur gehofft.
Dass das Management gleichzeitig 54,3 Billionen Won in neue Fabriken in Yongin und Cheongju investiert, mit ersten Reinräumen frühestens Ende 2028, zeigt: Der Vorstand geht von einem strukturell höheren Bedarf aus, nicht von einem Strohfeuer.
Wer hier zwischen Kapitalrückgabe und Rekordinvestitionen einen Widerspruch sieht, übersieht meiner Ansicht nach, dass beides aus demselben Cashflow finanziert wird – und genau das ist die Botschaft, die Morgan Stanley am Mittwoch mit dem Verweis auf die Zusage aussandte, mehr als 50 Prozent des kumulierten freien Cashflows zwischen 2025 und 2027 an Investoren zurückzugeben.
Die Lohnrunde als leiser Vertrauensbeweis
Ein Detail, das in der Rückkauf-Euphorie leicht untergeht, aber für mich viel über die Unternehmenskultur aussagt: Am Mittwoch einigten sich SK Hynix und die Gewerkschaft vorläufig auf eine Grundlohnerhöhung von 6,3 Prozent – und darauf, 60 Prozent der leistungsbezogenen Jahresboni in Aktien statt in bar auszuzahlen, um Cash für KI-Investitionen zu schonen. Das ist kein Zufall.
Die Belegschaft trägt die Investitionsstrategie faktisch mit, statt sie zu blockieren. Für die Kapitaldisziplin des Unternehmens ist das ein stilles, aber wichtiges Signal.
Auch die Ratingagentur S&P Global sah das am Donnerstag ähnlich und hob die langfristige Emittentenbonität von SK Hynix von „BBB+“ auf „A-“ an, mit stabilem Ausblick.
Begründet wurde das mit der robusten Profitabilität aus der KI-getriebenen Speichernachfrage und einer verbesserten Sichtbarkeit der Cashflows durch die langfristigen Kundenverträge. Wenn eine Ratingagentur die Vertragsstruktur explizit lobt, bestätigt das aus meiner Sicht genau die These, die ich oben aus den HBM4-Lieferverträgen ableite.
Bewertung: teuer wirkt, ist aber relativ
Bleibt die Preisfrage. Der Kurs hat sich seit Jahresbeginn um 160 Prozent nach oben bewegt und liegt trotz eines Rücksetzers zum 50-Tage-Durchschnitt von 16 Prozent immer noch deutlich, um 35 Prozent, über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das klingt nach einer überhitzten Story.
Nomura kam am Donnerstag dennoch zu dem Schluss, die Aktie sei bei einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 3,8 für 2026 „gravierend unterbewertet“, und bestätigte ihr Kaufrating mit einem Kursziel von 4,7 Millionen Won.
Auch KB Securities bezeichnete das Papier vergangene Woche als „extrem unterbewertet“ und verwies auf einen erwarteten kombinierten operativen Gewinn von Samsung und SK Hynix von 641 Billionen Won für 2026.
Unterm Strich sehe ich hier keine reine Rückkauf-Rally, sondern eine Aktie, deren fundamentale Basis – Marktanteil von rund 58 Prozent im globalen HBM-Geschäft, vertraglich gesicherte Nachfrage, verbesserte Bonität – schneller wächst als der Kurs es bislang einpreist.
Die hohe Volatilität und der Abstand von 43 Prozent zum 52-Wochen-Hoch mahnen freilich zur Vorsicht: Der Markt hat diese Story bereits einmal überzogen gefeiert und danach schmerzhaft korrigiert. Wer die aktuelle Bewegung bewertet, sollte das nicht vergessen.
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