Nach einer scharfen Korrektur zeichnet sich bei SK Hynix eine erste Stabilisierung ab. Die Aktie des südkoreanischen Speicherherstellers legte am Dienstag um 1,20 Prozent auf 1.437.000 Won zu, nachdem sie sich zuletzt deutlich von ihrem Rekordhoch aus dem Juni entfernt hatte – der Abstand beträgt weiterhin knapp 52 Prozent. Die US-Bank JPMorgan erklärte am Dienstag, die schlimmste Phase der Korrektur liege inzwischen hinter dem Unternehmen.
JPMorgan nennt drei konkrete Termine
JPMorgan widersprach in seiner Einschätzung Berichten, wonach SK Hynix seine HBM-Preise um die Hälfte gesenkt habe – diese Darstellung sei unzutreffend, so die Analysten.
Die Bank rechnet damit, dass sich die Marktstimmung in den kommenden Wochen schrittweise aufhellt, gestützt auf drei Ereignisse: einen Plan zur Aktionärsrendite, der bis Ende September vorliegen soll, neue HBM-Preisverträge, die ebenfalls bis Ende September verhandelt werden, sowie ein geplantes Börsenangebot in den USA innerhalb eines Monats.
Gegenläufig dazu bauten am Dienstag die größten institutionellen Handelsteilnehmer am koreanischen Markt ihre Positionen in SK Hynix und Samsung Electronics ab und schichteten stattdessen in kleinere Zulieferer wie Duksan Electera, SK Square und BHI um. Das kurzfristige Gewinnmitnahmen einzelner Großanleger die grundsätzlich positive Einschätzung der Bank nicht widerlegen muss, zeigt sich an der parallel laufenden strategischen Offensive des Unternehmens.
Milliardeninvestition in zwei neue Werke
Erst am Montag genehmigte der Vorstand von SK Hynix eine Investition von 54,3 Billionen Won, umgerechnet rund 38,1 Milliarden Dollar, für zwei neue Fabriken. Die Anlage Y2 im Cluster Yongin erhält 35,2 Billionen Won für DRAM- und HBM-Produktion; der Baubeginn ist für Juli 2027 vorgesehen, der erste Reinraum soll im Juni 2029 fertig sein.
Das Werk M17 in Cheongju bekommt 19,1 Billionen Won für NAND-Fertigung, mit Baustart im Februar 2027. Das Marktforschungsunternehmen Omdia rechnet mit einem jährlichen Wachstum der DRAM- und NAND-Nachfrage von 19 Prozent bis 2030 – SK Hynix zieht den ursprünglich erst für 2045 geplanten Vollausbau des Yongin-Clusters auf vier Fabriken damit auf 2033 vor.
Die Investitionsentscheidung fällt in eine Phase, in der der Konzern parallel prüft, seinen Anteil an einem Packaging-Werk in Chongqing zu verkaufen. SK Hynix bestätigte gegenüber der koreanischen Börse am Montag, dass Optionen für den chinesischen Standort geprüft würden, eine Entscheidung aber noch nicht gefallen sei; ein Update soll binnen eines Monats folgen.
Der Standort dient dem NAND-Backend-Geschäft, nicht der Frontend-Fertigung. Branchenkenner werten eine mögliche Trennung als Ausdruck des strategischen Fokus auf das margenstärkere HBM-Geschäft, nicht als grundsätzlichen Rückzug aus China.
Fundament stützt die optimistische Lesart
Die operative Basis gibt der These vom überstandenen Tiefpunkt Rückhalt. Im zweiten Quartal 2026 erzielte SK Hynix einen Umsatz von 79,3 Billionen Won bei einem operativen Gewinn von 60,5 Billionen Won – eine Marge von 76 Prozent. Nach Daten des Marktforschers IDC hielt das Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Anteil von 56,4 Prozent am Markt für High-Bandwidth-Memory-Chips.
Der Anlegerdienst Motley Fool bezeichnete SK Hynix am Montag als die derzeit attraktivste Aktie im Bereich KI-Speicher und verwies auf ein Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,5 – niedriger als bei SanDisk mit 5,9 und deutlich unter Micron mit 12.
Anders als Samsung, das rund 60 bis 70 Prozent seiner Fertigungskapazität über fünfjährige Langzeitverträge fest bindet, hält SK Hynix nach eigenen Angaben bewusst einen Teil seiner Kapazität außerhalb solcher Bindungen frei, da die Nachfrage die verfügbaren Mengen um mehr als 70 Prozent übersteigt.
Diese Flexibilität dürfte dem Unternehmen bei den für September erwarteten neuen HBM-Preisverhandlungen zugutekommen – dem Termin, den auch JPMorgan als nächsten entscheidenden Wendepunkt für die Aktie benennt.
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