Ein Kurssprung von fast 30 Prozent an einem einzigen Tag ist selbst für die volatile Chipbranche außergewöhnlich. SK Hynix hat genau das am Freitag geschafft. Die Aktie stieg um 29,95 Prozent auf 1.718.000 Won und traf damit das südkoreanische Tageslimit.
Der Auslöser: eine bestätigte Milliarden-Allianz mit Nvidia. Sie soll den Speicherchip-Hersteller für Jahre mit Aufträgen versorgen und räumt gleichzeitig Zweifel am AI-Boom aus, die den Sektor zuletzt belastet hatten.
Ein Pakt über 500 Milliarden Dollar
SK Group und Nvidia haben eine Infrastrukturpartnerschaft besiegelt, deren Volumen auf über 500 Milliarden Dollar geschätzt wird. Im Zentrum steht der Aufbau einer riesigen KI-Cloud-Infrastruktur mit 2 Gigawatt Kapazität in Südkorea.
SK Hynix liefert dafür High-Bandwidth-Memory-Chips und gemeinsam entwickelte Spezialbauteile. Analysten sehen darin vor allem eines: verlässliche Nachfrage über mehrere Jahre hinweg. Genau das hatten Marktteilnehmer zuvor bezweifelt, als die sogenannte „AI-Peak-Theorie“ die Runde machte — die Sorge, der Höhepunkt der KI-Investitionen könnte bereits überschritten sein.
Rekordquartal, das trotzdem enttäuschte
Der Kursanstieg folgt auf Zahlen, die SK Hynix am Mittwoch vorgelegt hatte. Das zweite Quartal 2026 brachte einen Umsatz von 79,32 Billionen Won — ein Plus von 257 Prozent im Jahresvergleich. Der operative Gewinn kletterte um 557 Prozent auf 60,54 Billionen Won, die operative Marge lag bei 76 Prozent.
Trotz dieser Rekordwerte reagierte der Markt zunächst kühl. Der Umsatz blieb rund 5 Prozent unter den Erwartungen der Analysten, die mit fast 84 Billionen Won gerechnet hatten. Der Aktienkurs geriet entsprechend unter Druck.
Der heutige Rally-Tag zeigt eine Kehrtwende in der Wahrnehmung. Der Markt blickt nicht mehr auf das leicht verfehlte Quartal, sondern auf die langfristige Nachfrage, die der Nvidia-Deal und die wachsenden Investitionen großer US-Cloud-Anbieter absichern.
Historischer Tag für den gesamten Markt
SK Hynix stand nicht allein. Der koreanische Leitindex KOSPI legte um fast 18 Prozent zu — der größte Tagesgewinn seiner Geschichte. Vorausgegangen war eine Woche mit heftigen Verkaufswellen und mehreren Handelsunterbrechungen.
Trotz des kräftigen Sprungs bleibt SK Hynix 42,48 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won, das die Aktie im Juni markiert hatte. Der RSI von 44,7 zeigt: Die Aktie ist nach der Erholung nicht mehr überverkauft, aber auch noch nicht überhitzt. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 164,43 Prozent zu Buche.
HBM4 und der Ausbau der Kapazitäten
Der nächste Schritt für SK Hynix heißt HBM4. Erste Auslieferungen liefen bereits im zweiten Quartal an, der eigentliche Produktionshochlauf folgt in der zweiten Jahreshälfte 2026. Parallel startet die Massenproduktion von LPDDR6-Speicher, der gegenüber der Vorgängergeneration einen um 33 Prozent höheren Durchsatz bieten soll.
Um das Wachstum zu stemmen, plant das Unternehmen für dieses Jahr Investitionen von rund 31 Milliarden Dollar. Ein Teil der Mittel stammt aus dem kürzlichen Nasdaq-Listing der ADRs und fließt in neue Verpackungswerke sowie den Aufbau des Yongin-Halbleiterclusters. Ziel ist ausreichend HBM-Kapazität — das Unternehmen gibt an, bis 2027 bereits weitgehend ausverkauft zu sein.
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