Bei SK Hynix rumort es in der Belegschaft: Am Donnerstag vergangener Woche gründeten Beschäftigte in Südkorea eine neue, einheitliche Gewerkschaft, die Büro- und Fabrikmitarbeiter gemeinsam vertritt. Fast 2.500 Beschäftigte schlossen sich der neuen Organisation an, mitten in festgefahrenen Lohnverhandlungen.
Für Anleger rückt damit eine Frage in den Vordergrund, die neben milliardenschweren Investitionsplänen und Dividendenversprechen bislang wenig Beachtung fand: Wie stabil ist die Basis, die diesen Boom trägt?
Die Gründung folgt auf eine bereits fünfte Gesprächsrunde zur Bonuszahlung in Cheongju, die ohne Durchbruch endete. Die Gewerkschaft und das Unternehmen liegen weiterhin über das Bonusschema auseinander. Dass sich nun Büro- und Fabrikpersonal in einer gemeinsamen Vertretung zusammenschließen, verschafft der Arbeitnehmerseite mehr Gewicht in den laufenden Verhandlungen.
Kapitalrückgaben lassen wenig Spielraum für Zugeständnisse
Der Zeitpunkt ist heikel. SK Hynix hatte vor gut einer Woche eine Dividende von 375 Won je Aktie angekündigt und signalisiert, weitere Maßnahmen zur Aktionärsrendite zu prüfen – Details sollen im dritten Quartal folgen.
Bereits am 5. August hatte das Unternehmen erklärt, bis Ende 2026 konkrete Pläne für eine spürbare Ausweitung der Kapitalrückgaben vorzulegen, ohne dabei Investitionen und finanzielle Solidität zu vernachlässigen.
Aktionäre von SK Hynix und Samsung Electronics drängen laut Reuters ohnehin auf größere Dividenden oder Aktienrückkäufe, nachdem beide Unternehmen dank des KI-Booms Rekordgewinne eingefahren haben. Beide Konzerne orientieren sich derzeit an einer Ausschüttungsquote von der Hälfte des freien Cashflows.
Diese Gemengelage erhöht den Druck auf das Management, bei den Lohnverhandlungen nicht allzu großzügig zu erscheinen – schließlich stehen zugleich milliardenschwere Zusagen an die Aktionäre im Raum.
Der Konzern hatte am vergangenen Donnerstag Investitionen von rund 54,3 Billionen Won bis 2031 genehmigt, davon 35,2 Billionen Won für die zweite Phase des Werks in Yongin und 19,1 Billionen Won für die Chipfabrik M17 in Cheongju. Wer diese Summen finanzieren soll, ohne die eigene Belegschaft zu verprellen, wird zur zentralen Managementaufgabe der kommenden Monate.
Weitere Baustellen: Exportkontrollen und ein Spionagefall
Parallel dazu sorgt ein Gerichtsurteil für Aufsehen: Ein ehemaliger Mitarbeiter von SK Hynix wurde am 9. August zu 18 Monaten Haft verurteilt, weil er Fertigungsgeheimnisse an ein chinesisches Unternehmen weitergegeben hatte. Der Fall unterstreicht, wie sensibel der Wettbewerb um Speicherchip-Technologie mittlerweile geführt wird – auch mit Blick auf verschärfte US-Exportkontrollen.
In diesem Zusammenhang berichtete Reuters, dass SK Hynix und Samsung Electronics Fertigungsanlagen des chinesischen Herstellers Advanced Micro-Fabrication Equipment für ihre chinesischen Werke prüfen, um sich gegen strengere US-Vorgaben abzusichern. SK Hynix erklärte dazu, die AMEC-Werkzeuge bislang nicht für den Einsatz in China getestet zu haben.
Am Kapitalmarkt kommt der Kurs nach der starken Rally der vergangenen Woche etwas zur Ruhe: Die Aktie legt am heutigen Handelstag um 1,0 Prozent zu, nachdem sie in den vergangenen sieben Tagen bereits um 17 Prozent gestiegen war. Zum 50-Tage-Durchschnitt besteht weiterhin ein Abstand von 18 Prozent nach unten, ein Zeichen dafür, dass die jüngste Erholung den vorangegangenen Rückgang bislang nur teilweise ausgleicht.
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