SK Hynix verliert an einem einzigen Tag fast 13 Prozent. Die Aktie fällt auf 2.232.000 Won. In nur einer Woche hat der Speicherchip-Hersteller damit fast ein Viertel seines Werts eingebüßt, gemessen am Rekordhoch von Ende Juni.
Während der Kurs einbricht, tun einige koreanische Broker etwas Ungewöhnliches. Sie heben ihre Kursziele an. Ihr Argument: Der Ausverkauf hat mit den Geschäftszahlen nichts zu tun.
Der Ausverkauf greift auf den ganzen Sektor über
Der Absturz begann nicht in Seoul, sondern an der Wall Street. Der technologielastige Nasdaq Composite rutschte über Nacht ab, und die Schockwellen erreichten am Donnerstagmorgen den koreanischen Leitindex Kospi. SK Hynix sackte zur Handelseröffnung um mehr als 9 Prozent ab, Samsung Electronics zog mit.
Im Handelsverlauf verschärfte sich der Druck weiter. Samsung schloss 9,06 Prozent tiefer bei 286.000 Won. SK Hynix verlor am Ende des Tages 14,57 Prozent auf 2.187.000 Won. Auch SK Square, größter Anteilseigner von SK Hynix, fiel um mehr als 10 Prozent.
Bereits am Mittwoch hatte es in den USA gekracht: Micron Technology brach trotz eines Kursgewinns von 260 Prozent seit Jahresbeginn um mehr als 10 Prozent ein. Sandisk verlor ebenfalls über 10 Prozent.
Die Verkaufswelle wirkt heftig, relativiert sich aber im größeren Bild. SK Hynix liegt nun 25,28 Prozent unter dem Rekordhoch vom 25. Juni bei 2.987.000 Won. Seit Jahresbeginn steht die Aktie trotzdem noch mit 229,69 Prozent im Plus, gegenüber dem 52-Wochen-Tief vom Oktober sogar mit über 350 Prozent.
Broker heben Kursziele trotz Kurssturz an
Ausgerechnet inmitten des Crashs schrauben mehrere Investmenthäuser ihre Kursziele nach oben. IBK Investment & Securities springt von 1,8 Millionen auf 4 Millionen Won und bestätigt die Kaufempfehlung.
Analyst Kim Woon-ho von IBK rechnet für das zweite Quartal 2026 mit einem Umsatzsprung von 50,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 78,968 Billionen Won. Den operativen Gewinn sieht er um 62,3 Prozent steigen, auf 61 Billionen Won. Sollte das eintreten, würde SK Hynix zum elften Mal in Folge die Erwartungen übertreffen.
NH Investment & Securities geht noch weiter. Analyst Ryu Young-ho hat seine Gewinnprognosen für 2026 und 2027 auf 289,4 Billionen beziehungsweise 470 Billionen Won angehoben. Für das zweite Quartal erwartet er einen Umsatz von 85,3 Billionen Won und einen operativen Gewinn von 66,2 Billionen Won – ein Plus von 618,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ryu verweist zudem auf die Bewertung im Branchenvergleich. SK Hynix handle aktuell zum 6-fachen des erwarteten Gewinns der nächsten zwölf Monate. Micron komme auf das 7,9-fache, Sandisk sogar auf das 12,6-fache.
Milliarden-Investition sorgt für zusätzliche Nervosität
Der Kurssturz fällt ausgerechnet mit einer gewaltigen Investitionsankündigung zusammen. SK Hynix will umgerechnet rund 64,4 Milliarden Dollar in neue Chipfabriken stecken, darunter eine Anlage für NAND-Flash-Speicher.
CEO Kwak Noh-jung kündigte den Baubeginn der Fabrik M17 für kommendes Jahr an. Der Betrieb soll in der ersten Hälfte 2029 starten. Von den Investitionen entfallen 80 Billionen Won auf die NAND-Anlage M17, weitere 20 Billionen Won fließen in die Packaging-Fabrik P&T7.
Kwak begründet die Ausgaben mit der Nachfrage: HBM-Server, DRAM sowie Enterprise-SSDs und NAND-Speicher würden durch den KI-Boom immer stärker gebraucht. Die Cheongju-Projekte sind Teil eines noch größeren Plans. SK Hynix und Samsung haben gemeinsam ein Investitionsprogramm im Umfang von 2,1 Billionen Dollar vorgestellt.
Nicht jeder hält das für klug. Investor Michael Burry, bekannt für seine Wetten gegen den US-Immobilienmarkt 2008, äußerte sich skeptisch zu den koreanischen Milliardenplänen. Er bezweifelt, dass die gewaltigen KI-Investitionen angemessene Renditen abwerfen, und nannte das Vorgehen gegenüber seinen Abonnenten „den Anfang vom Ende“.
Der Kurs von SK Hynix liegt trotz des Absturzes noch gut 10 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 2.021.940 Won. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 112,47 Prozent zeigt, wie nervös der Markt die Aktie derzeit handelt. Ob die optimistischen Gewinnprognosen der Broker eintreffen, dürfte sich spätestens mit den Zahlen zum zweiten Quartal zeigen.
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