Wenn ein Aktienkurs innerhalb eines Monats über ein Drittel seines Werts verliert, greifen Vorstände meist zur Zurückhaltung. Bei Sivers Semiconductors passiert das Gegenteil. CEO Vickram Vathulya und gleich mehrere Aufsichtsratsmitglieder haben zwischen dem 8. und 10. Juli in großem Stil eigene Aktien gekauft.
CEO und Aufsichtsrat greifen zu
Vathulya kaufte am 9. Juli 24.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 4,11 US-Dollar. Das entspricht einer Investition von knapp 98.640 US-Dollar. Damit hält der CEO nun insgesamt 4.446.076 Aktien des schwedischen Halbleiterunternehmens.
Er war nicht allein. Aufsichtsrätin Karin Raj erwarb am selben Tag 13.264 Aktien zu 34,68 schwedischen Kronen, ein Investment von rund 459.996 Kronen. Joakim Nideborn kaufte 11.425 Aktien zu 41,74 Kronen, Helena Svancar 11.019 Stück zu 3,65 Kronen. Auch Board-Mitglied Todd Thomson meldete am 8. Juli einen Aktienkauf im Wert von gut 500.000 Kronen. Alle Transaktionen sind im Insiderregister der schwedischen Finanzaufsicht dokumentiert.
Solche breit gestreuten Käufe aus Vorstand und Aufsichtsrat binnen weniger Tage sind ein ungewöhnlich starkes Signal. Sie deuten darauf hin, dass das Management den aktuellen Kursverfall als Übertreibung einstuft.
Kurs unter Druck, Volatilität extrem
Die Aktie schloss am Freitag bei 4,25 Euro, ein Tagesgewinn von 2,41 Prozent. Der kurzfristige Trend bleibt jedoch negativ: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 18,27 Prozent, über 30 Tage sind es sogar 38,54 Prozent Verlust.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni, trennen den Titel mittlerweile 58,46 Prozent. Zum Vergleich: Im März notierte die Aktie bei einem 52-Wochen-Tief von nur 0,27 Euro – seitdem hat sie sich um mehr als das Fünfzehnfache erholt, bevor der jüngste Einbruch einsetzte. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei 222,42 Prozent. Das sind Kursschwankungen, wie sie sonst nur in Extremsituationen auftreten.
Der RSI von 39,2 nähert sich einer Zone, die viele Techniker als überverkauft werten. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit 6,23 Euro deutlich über dem aktuellen Kurs, was das Ausmaß des jüngsten Rückgangs unterstreicht.
Nasdaq-Listing als nächster Meilenstein
Sivers Semiconductors konzentriert sich auf 5G-mmWave-Technologie und optische Halbleiter. Das Unternehmen entwickelt Chips, Module und Subsysteme auf Basis eigener Halbleitertechnologie und arbeitet dabei mit Partnern wie LioniX International und Enablence Technologies zusammen.
Im Hintergrund läuft ein größeres strategisches Projekt: Das Management plant innerhalb der nächsten zwei bis drei Quartale ein Listing an der Nasdaq. Der Schritt soll den Zugang zu US-Kapitalmärkten öffnen und die internationale Sichtbarkeit erhöhen.
Um die strengeren Prüfstandards für ein solches Listing zu erfüllen, hat Sivers seinen Finanzkalender angepasst. Der Quartalsbericht für Q2 verschiebt sich auf den 27. August, der Bericht für Q3 auf den 26. November. Vathulya begründet die längere Zeitspanne damit, dass sie nötig sei, um Genauigkeit und Transparenz der Finanzzahlen zu verbessern.
Die Insiderkäufe fallen damit in eine Phase, in der das Unternehmen gleich zwei große Baustellen bearbeitet: einen volatilen Aktienkurs und die Vorbereitung auf ein anspruchsvolleres regulatorisches Umfeld in den USA. Ob sich das Vertrauen des Managements in den kommenden Quartalszahlen bestätigt, zeigt sich frühestens Ende August.
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