Neun Tage, drei Großereignisse. Sivers Semiconductors, der schwedische Photonik- und Halbleiterspezialist, steht im Mai vor einer Abfolge von Terminen, die das Unternehmen unter erheblichen Druck setzen.
Am 15. Mai erscheint der nach US-PCAOB-Standard geprüfte Jahresbericht. Fünf Tage später folgen die Quartalszahlen für Q1 2026. Am 11. Mai stimmen Aktionäre über eine geplante Kapitalerhöhung ab. Wer die Aktie hält, muss in kurzer Zeit viele Informationen verarbeiten.
Akademiker zweifeln am Technologievorsprung
Der Bewertungsaufschlag, den der Markt Sivers gewährt, stößt auf wachsende Skepsis. Photonik-Forscher Richard Schatz erklärt, er verstehe den Hype nicht. Die Co-Packaged-Optics-Technologie des Unternehmens existiere seit fünf bis sechs Jahren. Der Kapitalbedarf in diesem Segment übersteige bei Weitem das, was Sivers aufbringen könne.
Peter Andrekson, Professor an der Chalmers-Universität, teilt diese Einschätzung. Die Basistechnologie sei nicht neu, und Sivers konkurriere mit deutlich größeren Playern. Nvidia investierte zuletzt jeweils zwei Milliarden Dollar in die Photonik-Spezialisten Lumentum und Coherent. Das verdeutlicht, welche Mitbewerber Sivers gegenübersteht.
Bewertung weit über dem Branchenschnitt
Sivers handelt mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 31,1. Der europäische Halbleitersektor kommt im Schnitt auf 4,1, vergleichbare Peers auf 17,5. Für ein verlustschreibendes Unternehmen ist das eine ambitionierte Prämie.
Der Umsatz stieg 2025 um 25 Prozent auf 304 Millionen Schwedische Kronen. Profitabel ist Sivers trotzdem nicht. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 10,8 Millionen Kronen, der Nettoverlust bei 186,5 Millionen Kronen. Die Kassenreserven sind auf 43,5 Millionen Kronen geschrumpft. Eine Kapitalerhöhung ist damit kaum vermeidbar.
Kapitalerhöhung und PCAOB-Audit
Der Vorstand schlägt vor, rund 125 Millionen Kronen frisches Kapital aufzunehmen. Dazu plant das Unternehmen die Ausgabe von 8,62 Millionen neuen Aktien zu je 14,50 Kronen. Die Verwässerung beträgt rund 2,5 Prozent. Drei institutionelle Investoren haben bereits zugesagt: DNB Disruptive Opportunities, DNB Nordic Small Cap und Storebrand Sverigefond.
Der verzögerte Jahresbericht hängt mit der Umstellung auf PCAOB-Standards zusammen. Sivers prüft eine Zweitnotierung an der Nasdaq New York. Die Anpassung betrifft Umsatzerfassung, Lagerbestandsbewertung und aktienbasierte Vergütungen. Das Management stuft die Korrekturen als unwesentlich ein. Die Hauptversammlung verschob sich dennoch vom 27. Mai auf den 15. Juni.
Hochgesteckte Erwartungen brauchen Belege
Auf der Produktseite arbeitet Sivers mit Jabil an einem 1,6T-Transceiver-Modul für KI-Rechenzentren. Das Marktforschungsunternehmen LightCounting erwartet, dass schnelle Transceiver bis 2030 rund 80 Prozent des Pluggables-Markts ausmachen werden. Das Marktpotenzial ist real. Die Frage ist, ob Sivers groß genug ist, um davon zu profitieren.
Bei einem KUV von 31 lässt die Bewertung keinen Spielraum für Enttäuschungen. Der Jahresbericht am 15. Mai ist der erste echte Stresstest. Fallen die Zahlen schwächer aus als erhofft oder zeigen die PCAOB-Anpassungen doch wesentliche Abweichungen, dürfte die Prämie schnell unter Druck geraten.
Stand heute, 30. Oktober: Sivers Semiconductors – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Sivers Semiconductors investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 30. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
