Auf dem Papier brummt das Geschäft mit künstlicher Intelligenz. Die Projektpipeline von Sivers Semiconductors ist auf fast 800 Millionen US-Dollar angeschwollen. Die Realität an der Börse sieht jedoch dramatisch aus. Ein Shortseller-Angriff, behördliche Ermittlungen und Zweifel der eigenen Wirtschaftsprüfer treiben Investoren in die Flucht.
Allein am Freitag brach der Kurs um 8,46 Prozent auf 5,90 Euro ein. Auf Wochensicht verlor das Papier damit fast 32 Prozent an Wert. Auslöser der Panik ist ein Bericht von Ningi Research. Der Leerverkäufer wirft dem schwedischen Photonik-Spezialisten vor, Forschungsgelder als kommerzielle Umsätze verbucht zu haben.
Laut dem Bericht stehen rund 31 Prozent der für 2025 ausgewiesenen Erlöse infrage. Sivers hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Die Folge: Leerverkäufer haben ihre Wetten gegen das Unternehmen massiv ausgebaut. Aktuell sind 17 Prozent der ausstehenden Aktien leerverkauft.
Existenzsorgen und Ermittlungen
Erschwerend kommt eine drastische Warnung der eigenen Buchprüfer hinzu. Diese äußerten im jüngsten Jahresbericht erhebliche Zweifel am Fortbestand des Unternehmens. Ohne externe finanzielle Unterstützung droht demnach das Aus. Parallel dazu musste Sivers die Bilanzen an US-Standards anpassen. Der Nettoverlust für 2025 stieg dadurch auf 222 Millionen schwedische Kronen.
Auch die Behörden schalten sich ein. Die schwedische Finanzaufsicht untersucht ein mögliches Informationsleck. Vor der Ankündigung eines geplanten US-Börsengangs waren präzise Details im Internet aufgetaucht. Operativ enttäuschte das erste Quartal ebenfalls. Der Umsatz fiel um 22 Prozent, während der operative Cashflow tief ins Minus rutschte.
Das Management macht ein verspätetes US-Verteidigungsbudget für die schwachen Zahlen verantwortlich. Das erhoffte Zweitlisting an der Nasdaq liegt derweil auf Eis. Ein entsprechender Beschluss strich der Vorstand von der Hauptversammlungs-Agenda. Stattdessen genehmigten die Aktionäre eine Kapitalerhöhung. Diese könnte den Anteil der Altaktionäre um 15 Prozent verwässern.
KI-Fantasie als Rettungsanker
Trotz der massiven Probleme gibt es stützende Faktoren. Sivers wurde kürzlich in den MSCI Small-Cap-Index aufgenommen. Das zwingt passive Fonds zum Kauf der Aktie. Zudem meldete JPMorgan Chase Anfang Juni eine Beteiligung von fünf Prozent.
Die langfristige Hoffnung ruht auf dem KI-Boom. Das Unternehmen kooperiert mit GlobalFoundries bei der Entwicklung von Silizium-Photonik-Lösungen für Rechenzentren. Ein frischer Auftrag des Satellitenbetreibers ALL.SPACE über 8,2 Millionen US-Dollar sichert zudem die Produktion bis 2027.
Am 6. August 2026 präsentiert der neu formierte Vorstand die Zahlen für das zweite Quartal. Dieser Termin wird zum Lackmustest. Das Management muss dann beweisen, dass die prall gefüllte Projektpipeline in echtes Geld umgemünzt wird. Nur handfeste Umsätze oder eine neue Finanzierung können die Bedenken der Wirtschaftsprüfer zerstreuen.
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