Drei Vorstandsmitglieder weg, die Nasdaq-Pläne auf Eis, eine Kriminalermittlung im Hintergrund — Sivers Semiconductors hat gerade eine turbulente Hauptversammlung hinter sich. Der Kurs reagiert entsprechend: Minus 8,6 Prozent auf 8,04 Euro am Dienstag, rund 21 Prozent unter dem Junihoch.
Hauptversammlung mit Einschnitten
Die Hauptversammlung vom 15. Juni verlief alles andere als routinemäßig. Kurz vor dem Treffen traten Vizevorsitzender Tomas Duffy sowie die Gründer Erik Fallström und Keith Halsey zurück. Das neu zusammengesetzte Board besteht nun aus Bami Bastani als Chairman, Joakim Nideborn als neuem Vizevorsitzenden sowie Karin Raj, Todd Thomson und Helena Svancar.
Das Anreizprogramm für Mitarbeiter zog das Board kurzfristig von der Tagesordnung. Es soll auf einer späteren Hauptversammlung in überarbeiteter Form vorgelegt werden.
Nasdaq-Listing ohne Zeitplan
Das geplante Nasdaq-Listing war der eigentliche Höhepunkt der Hauptversammlung — und fiel aus. Die Abstimmung über eine Sekundärnotierung in den USA wurde in letzter Minute gestrichen. Ursprünglich hätte die Maßnahme rund 53,8 Millionen neue Aktien erfordert, was einer Verwässerung von etwa 15 Prozent entsprochen hätte.
Stattdessen genehmigte die Hauptversammlung eine allgemeine Kapitalermächtigung über dieselbe Aktienzahl. Das gibt dem neuen Board Spielraum — aber keinen Zeitplan. Sivers hat seine Finanzberichte bereits auf den US-amerikanischen PCAOB-Standard umgestellt, eine Voraussetzung für das Listing. Die Nasdaq-Ambitionen bestehen also fort, nur ohne konkretes Datum.
Ermittlungen und Vorwürfe
Schwedische Behörden ermitteln wegen des möglichen Durchsickerns von Insiderinformationen. Ein anonymes Konto hatte präzise Details zum geplanten US-Listing rund 48 Stunden vor der offiziellen Ankündigung veröffentlicht. Die schwedische Finanzpolizei prüft, ob vertrauliche Vorstandsinformationen illegal weitergegeben wurden.
In den USA geht die Anwaltskanzlei Bronstein, Gewirtz & Grossman einem Short-Seller-Bericht nach. Ningi Research hatte im Juni behauptet, fast ein Drittel des 2025er Umsatzes könnten als kommerzielle Erlöse gebuchte Forschungsfördergelder sein.
Pipeline wächst, Umsatz schrumpft
Die operative Realität bleibt gespalten. Im ersten Quartal 2026 wuchs die Auftragspipeline um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Der tatsächliche Umsatz sank dagegen um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Schwedische Kronen. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen.
Als Ursachen nennt das Unternehmen den US-Regierungsstillstand im vierten Quartal 2025 und Verzögerungen bei der Verteidigungsbudgetgenehmigung. Ein positiver Ausreißer: Ein Liefervertrag für Beamforming-Chips für Satellitenantennen im Ka-Band im Wert von 8,2 Millionen Dollar läuft bis 2027 und markiert den Übergang in die Serienproduktion.
Wette auf KI-Infrastruktur
Anfang Juni kündigte Sivers eine Kooperation mit GlobalFoundries an. Gemeinsam wollen beide Unternehmen Silizium-Photonik-Lösungen für den KI-Infrastrukturmarkt entwickeln. Sivers-Laserarrays sollen in Referenzdesigns auf der GlobalFoundries-Plattform integriert werden — für Anwendungen wie Co-Packaged Optics und Linear Pluggable Optics in Rechenzentren. Der adressierbare Markt für steckbare Optik soll bis 2030 auf 25 Milliarden Dollar wachsen.
Der nächste Prüfstein ist der Quartalsbericht am 6. August 2026. Dann wird sich zeigen, ob die verschobenen Verteidigungsaufträge tatsächlich im zweiten Halbjahr eintreffen — und ob die wachsende Pipeline in echte Bestellungen mündet. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 223,6 Prozent ist der Kurs für beides offen.
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