Bei Sivers Semiconductors prallen zwei extreme Marktkräfte aufeinander. Ein massiver Aufbau von Leerverkäufen trifft auf erzwungene Käufe durch Indexfonds. Das treibt die annualisierte Volatilität auf fast 230 Prozent.
Die Leerverkaufsquote sprang seit März von 1,6 auf 17 Prozent der ausstehenden Aktien. Parallel dazu stieg das Unternehmen in den OMX Stockholm Benchmark und den MSCI Small-Cap Index auf. ETF-Anbieter müssen die Papiere nun unabhängig vom Preis kaufen.
Diese mechanische Nachfrage stützt den Kurs. Am Montag schloss die Aktie bei 8,82 Euro. Damit notiert sie gut 60 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Skandal um Nasdaq-Listing
Die hohe Leerverkaufsquote hat konkrete Gründe. Mitte Juni veröffentlichte ein anonymer Account Details zu einem geplanten Nasdaq-Listing. Das geschah exakt 48 Stunden vor der offiziellen Ankündigung. Schwedische Behörden ermitteln nun wegen Marktmanipulation. Der zuständige Staatsanwalt sieht Parallelen zu früheren Pump-and-Dump-Fällen.
Am Tag der Ankündigung traten drei Vorstandsmitglieder zurück. Die Hauptversammlung wählte daraufhin ein neues Führungsgremium. Die Aktionäre genehmigten außerdem eine Kapitalerhöhung. Diese ersetzt die ursprünglich geplante direkte Ausgabe von rund 54 Millionen neuen Aktien. Das neue Board erhält so finanziellen Spielraum ohne sofortige Verwässerung.
Vorwürfe und schwache Zahlen
Ein Bericht des Leerverkäufers Ningi Research verschärft die Lage. Die Analysten zweifeln rund 31 Prozent der gemeldeten Umsätze für das Jahr 2025 an. Das Unternehmen soll Forschungsgelder als kommerzielle Einnahmen verbucht haben. Eine öffentliche Stellungnahme des Managements steht noch aus.
Operativ verlief der Jahresstart ohnehin schleppend. Der Umsatz im ersten Quartal fiel um 22 Prozent auf knapp 62 Millionen Schwedische Kronen. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei minus 13,8 Millionen Kronen. Das Management macht dafür Verzögerungen im US-Verteidigungshaushalt verantwortlich.
Milliarden-Pipeline als Hoffnungsschimmer
Abseits der Skandale gibt es operative Lichtblicke. Die Auftragspipeline wuchs seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Ein konkreter Erfolg ist ein Produktionsauftrag über 8,2 Millionen Dollar. Das Satellitenunternehmen ALL.SPACE bestellte integrierte Schaltkreise für das Jahr 2027.
Hinzu kommt eine strategische Partnerschaft mit GlobalFoundries. Sivers integriert seine Laser-Arrays in die Plattform des Chipfertigers. Die Lösung zielt auf den stark wachsenden Markt für KI-Infrastruktur ab.
Die Vorbereitungen für den US-Markt laufen derweil weiter. Sivers bilanzierte seine Zahlen für 2024 und 2025 bereits nach US-Standards um. Dabei vergrößerte sich der Nettoverlust für 2025 auf 222,6 Millionen Kronen.
Am 6. August veröffentlicht Sivers den nächsten Zwischenbericht. Dieser Termin zwingt das neue Management zu klaren Antworten auf die Vorwürfe der Leerverkäufer. Außerdem muss der Vorstand belegen, dass sich die Auftragspipeline in tatsächliche Umsätze verwandelt.
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