Ein Millionenauftrag treibt den Kurs, aber hinter den Kulissen brennt es. Sivers Semiconductors steht vor einem entscheidenden Wochenende. Am Montag stimmen die Aktionäre über eine massive Kapitalerhöhung ab.
Die Aktie schoss am Freitag um gut zehn Prozent auf 8,54 Euro nach oben. Auf Monatssicht steht damit ein Plus von fast 71 Prozent auf der Anzeigetafel. Auslöser der aktuellen Rallye ist ein Produktionsauftrag von ALL.SPACE.
Das Satellitenkommunikationsunternehmen bestellt für 2027 integrierte Schaltkreise im Wert von 8,2 Millionen US-Dollar. Die Chips steuern Antennen für zivile und militärische Satellitennetzwerke. York Space Systems will ALL.SPACE übernehmen. Damit rückt Sivers näher an das lukrative US-Verteidigungsgeschäft heran.
Schwere Vorwürfe und Insider-Verkäufe
Doch die operative Stärke überdeckt massive Risiken. Der Leerverkäufer Ningi Research wirft dem schwedischen Chipentwickler aggressive Umsatzverbuchungen vor. Zwei US-Kanzleien prüfen bereits mögliche Verstöße gegen das Wertpapierrecht. Bisher liegt keine formelle Klage vor.
Parallel dazu ermitteln schwedische Behörden. Es geht um ein mutmaßliches Informationsleck. Vor der Ankündigung des Nasdaq-Listings war der Aktienkurs auffällig gestiegen. Der zuständige Staatsanwalt zieht bereits Parallelen zu bekannten Marktmanipulationen.
Auch das Management sorgt für Unruhe. Harish Krishnaswamy, Chef der Wireless-Sparte, verkaufte Ende Mai rund 1,4 Millionen Aktien. Er kassierte dafür fast 100 Millionen schwedische Kronen. In den vergangenen drei Monaten gab es keinen einzigen Insider-Kauf.
Hauptversammlung birgt Zündstoff
Am Montag treffen die Aktionäre eine Richtungsentscheidung. Auf der Hauptversammlung steht das geplante Nasdaq-Doppellisting zur Abstimmung. Die Folge: Sivers passte seine Bilanzen an US-Standards an und korrigierte frühere Umsätze.
Brisant wird der Abstimmungspunkt zur Kapitalbeschaffung. Der Vorstand plant die Ausgabe von bis zu 53,8 Millionen neuen Aktien. Das würde den Anteil der Altaktionäre um etwa 15 Prozent verwässern. Hinzu kommt ein neues Optionsprogramm über sieben Millionen Papiere.
Die Pipeline wächst zwar rasant auf knapp 800 Millionen Dollar. Das laufende Geschäft schwächelt jedoch. Im ersten Quartal fielen die Umsätze um 22 Prozent auf knapp 62 Millionen Kronen. Das operative Ergebnis rutschte tief ins Minus.
Der nächste finanzielle Meilenstein folgt am 6. August mit dem Halbjahresbericht. Bis dahin bestimmt die Hauptversammlung am Montag die Richtung. Stimmen die Aktionäre der Kapitalerhöhung zu, droht kurzfristiger Preisdruck durch die Verwässerung. Scheitert der Plan, gerät die US-Expansionsstrategie ins Wanken.
