Der schwedische Photonik- und Wireless-Chipentwickler Sivers Semiconductors ist heute in den OMX Stockholm Benchmark Index aufgestiegen. Die Aufnahme bringt erzwungene Käufe durch Indexfonds — in eine Aktie, bei der gleichzeitig die Leerverkaufsquote auf 17 Prozent hochgeschossen ist.
Passive Zuflüsse treffen auf Short-Squeeze-Potenzial
Nasdaq hatte die halbjährliche Index-Überprüfung am 22. Mai veröffentlicht, die Änderungen traten zum Handelsstart am 1. Juni in Kraft. Sivers wurde sowohl in den OMX Stockholm Benchmark Index als auch in einen MSCI-Index aufgenommen. Index-Tracker müssen ihre Portfolios anpassen — das dürfte kurzfristig Kaufdruck und höhere Volumina bringen.
Die Konstellation ist brisant. Laut S&P Global Market Intelligence waren am 26. Mai rund 17 Prozent der frei handelbaren Aktien als Leihe unterwegs — Anfang März lag die Quote noch bei 1,6 Prozent. Die gestiegene Short-Position trifft nun auf passive Zuflüsse. Wenn Indexfonds kaufen müssen, könnten Leerverkäufer unter Druck geraten.
Drei Termine in sechs Wochen
Der Kalender ist gedrängt: Index-Aufnahme am 1. Juni, Hauptversammlung am 15. Juni, Quartalsbericht am 6. August.
Auf der Hauptversammlung in Stockholm steht ein umfassender Vorstandsumbau zur Abstimmung. Vizevorsitzender Tomas Duffy, Gründungsinvestor Erik Fallström und Keith Halsey scheiden aus. Als neuer Vizevorsitzender ist Joakim Nideborn vorgeschlagen, ehemaliger CFO börsennotierter Technologieunternehmen. Hinzu kommt Helena Svancar mit über 20 Jahren internationaler Führungserfahrung.
Der entscheidende Tagesordnungspunkt: Der Vorstand soll ermächtigt werden, bis zu 53,8 Millionen neue Stammaktien auszugeben — eine Verwässerung von rund 15 Prozent. Die Erlöse sollen organisches Wachstum, mögliche Übernahmen und ein strategisches Ziel finanzieren: ein Zweitlisting an der Nasdaq in New York.
Q1-Zahlen: Umsatz schwach, Pipeline stark
Die Index-Aufnahme folgt nur Tage nach den Quartalszahlen. Der Nettoumsatz sank um 22 Prozent auf 61,9 Millionen SEK (Vorjahr: 78,9 Millionen SEK). Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 13,8 Millionen SEK (Vorjahr: minus 6,0 Millionen SEK), das operative Ergebnis auf minus 41,5 Millionen SEK (minus 28,3 Millionen SEK). Der Nettoverlust verringerte sich auf minus 42,7 Millionen SEK (minus 49,9 Millionen SEK), der Verlust je Aktie auf minus 0,14 SEK (minus 0,19 SEK).
Das Unternehmen verwies auf Währungseffekte und Verzögerungen bei Verteidigungsprojekten. CEO Vickram Vathulya nannte verschobene Entscheidungen zum US-Verteidigungsbudget als Grund — die erwarteten Umsätze sollen nun in der zweiten Jahreshälfte 2026 eintreffen.
Der operative Cashflow betrug minus 49,2 Millionen SEK (Vorjahr: minus 15,8 Millionen SEK).
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Parallel dazu wuchs die Opportunity-Pipeline seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Eine konkrete Prognose gab Sivers nicht ab, bekräftigte aber die Erwartung eines Umsatzwachstums für das Gesamtjahr 2026 — trotz der Verschiebung zwischen den Quartalen.
Verteidigung und Produktfahrplan laufen
Sivers hat einen Entwicklungsauftrag von einem führenden US-Rüstungskonzern erhalten. Zudem wurde die zweite Förderphase des EW-Star-Projekts im Rahmen des US CHIPS Act bestätigt — unter der Bedingung, dass die technischen Meilensteine des ersten Jahres erreicht werden. Das Programm entwickelt Breitband-Antennenarrays für elektronische Kriegsführung, Radarerkennung und sichere Kommunikation.
Für Automotive-LiDAR ist die Produktion mit einem großen Autohersteller für das vierte Quartal 2026 geplant. Im 5G- und 6G-Bereich sind die Daybreak-Beamforming-ICs für FR3-Anwendungen jetzt allgemein verfügbar.
Das Management hält an der Wachstumsprognose für 2026 fest und verspricht eine Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte. 2027 soll der Einstieg in die Serienproduktion für KI, LiDAR und Satellitenkommunikation folgen.
Nasdaq-Pläne und PCAOB-Anpassungen
Die Anpassung der konsolidierten Abschlüsse für 2024 und 2025 an die US-PCAOB-Standards ist Teil der Vorbereitung auf ein mögliches Dual-Listing an der Nasdaq New York, das am 16. April 2026 angekündigt wurde.
Die PCAOB-Korrekturen sind erheblich: Für 2024 schrumpfte der Nettoumsatz von 243,7 Millionen SEK auf 219,2 Millionen SEK, der Nettoverlust weitete sich von 116,3 Millionen SEK auf 183,9 Millionen SEK aus.
Der Ausblick für 2026 sieht Umsatzwachstum mit Beschleunigung im Jahresverlauf vor, das langfristige Ziel bleibt bei 25 bis 30 Prozent jährlichem Wachstum. Profitabilität erwartet der Vorstand nicht vor 2028.
DNB Carnegie bezeichnete den Quartalsbericht als gemischt. Die Analysten würdigten das starke Pipeline-Wachstum, warnten aber, dass die aktuellen Umsätze im Verhältnis zur Kostenbasis zu niedrig blieben.
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