Fast 100 Prozent Kursplus in nur 30 Tagen. Bei Sivers Semiconductors jagen Anleger derzeit einer massiven Erholung hinterher. Hinter den Kulissen brennt jedoch die Luft. Die jüngste Hauptversammlung offenbarte tiefe Risse im Fundament des schwedischen Chipentwicklers.
Ermittlungen erzwingen Umbau
Kurz vor dem Aktionärstreffen in Stockholm kam es zum Eklat. Vize-Aufsichtsratschef Tomas Duffy warf hin. Auch die beiden Gründer Erik Fallström und Keith Halsey räumten ihre Posten. Der Grund wiegt schwer. Schwedische Staatsanwälte ermitteln wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Details zum geplanten Nasdaq-Börsengang waren im April vorab ins Netz gesickert.
Bami Bastani führt das Gremium nun weiter als Vorsitzender. Joakim Nideborn rückt als sein neuer Stellvertreter nach. Das frisch formierte Team steht direkt unter Druck. Zwei US-Kanzleien prüfen bereits mögliche Verstöße gegen das Wertpapierrecht.
Bilanzen im Visier
Auch operativ hakt es. Der Umsatz fiel im ersten Quartal 2026 um 22 Prozent auf knapp 62 Millionen Schwedische Kronen. Das bereinigte operative Ergebnis rutschte tief ins Minus. Das Management macht dafür US-Budgetverzögerungen und ungünstige Wechselkurse verantwortlich.
Parallel dazu wachsen die Zweifel an den alten Zahlen. Sivers musste seine Bilanzen für 2024 und 2025 nach strengeren US-Standards neu aufstellen. Die Folge: Der Nettoverlust für 2025 stieg nachträglich auf 222,6 Millionen Kronen.
Hinzu kommen Vorwürfe des Leerverkäufers Ningi Research. Dieser behauptet, Sivers habe rund 31 Prozent der Umsätze von 2025 fälschlicherweise aus Forschungsgeldern generiert. Das Unternehmen schweigt bislang dazu. Immerhin wächst die Auftragspipeline laut Firmenangaben rasant und erreichte zuletzt fast 800 Millionen US-Dollar.
Warten auf die Wall Street
Um die Kassen zu füllen, genehmigten die Aktionäre eine Wandelanleihe. Bootstrap Europe zeichnet Papiere im Wert von rund 327.000 US-Dollar. Diese verzinsen sich mit 10,85 Prozent und laufen bis Ende 2029. Ein geplantes Bonusprogramm für Mitarbeiter zog das Management hingegen kurzfristig zurück. Der neue Aufsichtsrat will die Pläne erst überarbeiten.
An der Börse kühlt die Stimmung derweil leicht ab. Am Donnerstag gab die Aktie knapp drei Prozent auf 8,73 Euro nach. Die Volatilität bleibt mit annualisiert über 238 Prozent extrem hoch.
Am 6. August legt Sivers den nächsten Zwischenbericht vor. Bis dahin muss das Unternehmen vor allem testierte US-Bilanzen liefern. Nur dann kann der Antrag für das ersehnte Nasdaq-Listing tatsächlich eingereicht werden.
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