Eine Woche, die für dramatische Kurskapriolen sorgte, endet mit einem Minus von 15,79 Prozent am Freitag. Sivers Semiconductors notiert bei 6,70 Euro – 34,56 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, das am 3. Juni erreicht wurde. Die Aktie bleibt jedoch auf Sicht von 30 Tagen mit knapp 44 Prozent im Plus. Was nach einer simplen Korrektur aussieht, ist das Ergebnis eines heftigen Aufeinandertreffens von positiven Strukturereignissen und schweren Glaubwürdigkeitsfragen.
Indexaufnahme entfacht Short Squeeze
Am 1. Juni wurde Sivers in den OMX Stockholm Benchmark Index und den MSCI Sweden Small-Cap Index aufgenommen. Passive Fonds mussten umschichten – und trafen auf eine Shortquote von 17 Prozent des Free Float. Das trieb den Kurs Mitte der Woche auf das Rekordhoch. Nordea Bank hatte zuvor die Margen für Bear-Zertifikate auf bis zu 228,5 Prozent angehoben. Der anschließende Rückfall zeigt, wie stark technische Faktoren den Kurs nach oben getrieben hatten.
GlobalFoundries-Deal: Rahmen ohne Details
Am 2. Juni gab Sivers eine strategische Zusammenarbeit mit GlobalFoundries bekannt. Die Laser-Arrays des schwedischen Photonik-Spezialisten sollen in Referenzdesigns für KI-Infrastruktur integriert werden. Das adressierbare Marktvolumen für steckbare Optiken beziffert das Unternehmen auf 25 Milliarden Dollar bis 2030. Was fehlt: konkrete Abnahmemengen, Liefertermine oder Umsatzziele. Analysten von Redeye bleiben mit einem Kursziel von 6,20 Euro bei „Neutral“. Das Blatt Affärsvärlden wies zudem darauf hin, dass GlobalFoundries die Partnerschaft bereits vor einem Monat vorgestellt hatte – der Hype sei überhitzt.
Insider und Institutionen steigen aus
Zwei Ereignisse erschüttern das Vertrauen besonders. Harish Krishnaswamy, Leiter der Wireless-Sparte, verkaufte seinen gesamten Aktienbesitz im Wert von rund 100 Millionen Kronen. Zeitgleich liquidierte der institutionelle Investor Cicero Fonder seine komplette Position von 5,75 Millionen Aktien – geschätzt 452 Millionen Kronen. Cicero hielt Ende September 2025 noch 3,5 Prozent des Kapitals. Der vollständige Ausstieg eines langjährigen Ankers signalisiert: Nicht alle wollen die Hauptversammlung abwarten.
Rosen Law ermittelt – Ningi-Vorwürfe belasten
Die US-Kanzlei Rosen Law hat eine Untersuchung wegen möglicher Wertpapierverstöße eingeleitet. Auslöser ist der Bericht des Leerverkäufers Ningi Research. Ningi behauptet, dass mindestens 97 Millionen Kronen – rund 31 Prozent des gemeldeten Umsatzes von 2025 – fragwürdig seien. Angeblich seien Erlöse aus nicht produzierten Produkten oder aus staatlichen Forschungszuschüssen als kommerzielle Umsätze verbucht worden. Ningi beruft sich zudem auf den Produktionspartner WIN Semi, der angeblich wegen Zuverlässigkeitsproblemen keine Serienfertigung der Indium-Phosphid-Laserdioden gestartet habe. Es sind Vorwürfe, keine behördlichen Feststellungen.
Q1-Zahlen zeigen fundamentale Lücke
Der Optimismus der Indexaufnahme und der Partnerschaft steht auf wackligem Fundament. Sivers meldete für das erste Quartal Nettoerlöse von 61,9 Millionen Kronen – ein Rückgang von 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis lag bei minus 41,5 Millionen Kronen, der operative Cashflow bei minus 49,2 Millionen. Die liquiden Mittel schrumpften auf 26,6 Millionen Kronen. Immerhin: Die Kapitalerhöhung im Mai 2026 brachte institutionelle Investoren und finanzielle Luft.
Hauptversammlung am 15. Juni: Weichenstellung für die Zukunft
Auf der Tagesordnung steht mehr als nur Routine. Der Vorstand will eine Ermächtigung zur Ausgabe von bis zu 53,8 Millionen neuen Aktien – das entspricht einer Verwässerung von rund 15 Prozent. Ziel: finanzieller Spielraum für Wachstum, Zukäufe und eine mögliche Zweitnotierung an der Nasdaq in New York. Die Hauptversammlung wurde auf den 15. Juni verschoben, weil die Umstellung auf den US-Prüfstandard PCAOB eine Neudarstellung der Jahresabschlüsse 2024 und 2025 erforderte. Diese offenbarte tiefergehende Verluste, ebnet aber den Weg nach New York.
Ein langfristiges Mitarbeiteraktienprogramm über bis zu 7 Millionen Optionen steht ebenfalls zur Abstimmung. Die Profitabilität erwartet der Vorstand nicht vor 2028.
Operative Meilensteine: 2027 als Wendepunkt
In der Automotive-LiDAR-Sparte soll noch im vierten Quartal 2026 die Serienproduktion mit einem großen OEM anlaufen. Die Daybreak-Beamforming-ICs für 5G/6G sind jetzt verfügbar. Im Verteidigungssegment läuft ein Entwicklungsauftrag mit einem führenden US-Rüstungskonzern. Die zweite Phase des EW-Star-Projekts unter dem US-Chips-Gesetz ist bestätigt – vorbehaltlich des Erreichens technischer Meilensteine. Das Management bezeichnet 2027 als „transformatives Jahr“ und peilt langfristig ein jährliches Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent an.
Die Aktionäre müssen bis zum 9. Juni per Briefwahl abstimmen. Der nächste Quartalsbericht erscheint am 6. August. Bis dahin entscheidet die Hauptversammlung, ob das Management den strategischen Spielraum erhält, den es fordert.
Sivers Semiconductors-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Sivers Semiconductors-Analyse vom 6. Juni liefert die Antwort:
Die neusten Sivers Semiconductors-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Sivers Semiconductors-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Sivers Semiconductors: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
