Innerhalb weniger Tage verwässert Sivers Semiconductors seine Aktionäre gleich zweimal. Erst holt sich der schwedische Photonik-Hersteller frisches Kapital über eine gezielte Aktienplatzierung. Dann wandelt Kreditgeber Bootstrap Europe einen Millionenkredit in Aktien um. Die Aktie büßte am Freitag trotz eines Tagesgewinns von 18,34 Prozent binnen 30 Tagen fast 38 Prozent ein.
Kapitalerhöhung für Laserfertigung
Der Verwaltungsrat beschloss am 30. Juni 2026 eine gezielte Aktienplatzierung. Sie brachte umgerechnet rund 61,5 Millionen Dollar ein. Die Transaktion war noch vor Handelsbeginn am 1. Juli an der Nasdaq Stockholm abgeschlossen.
Das Geld fließt in den Ausbau der Fertigungskapazitäten für Indiumphosphid-Laser und optische Verstärker. Sivers will damit von zwei Wachstumsmärkten profitieren: KI-Rechenzentren und automobiles LiDAR. Zusätzlich stärkt das Unternehmen Vertrieb und Forschung, um neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen.
Bootstrap wandelt Kredit in Aktien
Nur zwei Tage später folgte der nächste Schritt. Am Freitag, den 3. Juli, wandelte der Kreditgeber Bootstrap Europe IV SCSp einen Wandelkredit über 12 Millionen Dollar in Firmenanteile um. Sivers gab dafür 22.847.044 neue Stammaktien aus.
Der Kredit war Teil einer größeren Kreditfazilität über 17 Millionen Dollar, die Sivers im Februar 2026 mit Bootstrap vereinbart hatte. CFO Heine Thorsgaard bezeichnete die Wandlung als konsequenten Schritt zur Stärkung der Bilanz. Das Unternehmen wolle Investitionen künftig stärker auf kommerzielle Chancen in seinen wachsenden Marktsegmenten konzentrieren.
Für Altaktionäre bedeutet das eine Verwässerung von rund 6,4 Prozent. Die Gesamtzahl der Stammaktien stieg von 332.234.273 auf 355.081.317.
NASDAQ-Pläne bleiben vage
Ein weiteres Thema sorgte zuletzt für Unsicherheit. Der Verwaltungsrat strich am 15. Juni drei Tagesordnungspunkte von der Hauptversammlung. Es ging um Mitarbeiter-Beteiligungsprogramme.
Der neu gewählte Verwaltungsrat soll die Programme zunächst prüfen. Ein überarbeiteter Vorschlag soll dann bei einer künftigen Aktionärsversammlung vorgelegt werden. Im Quartalsbericht zum ersten Quartal 2026, veröffentlicht am 1. Juli, bleibt die „US-Dual-Listing-Bereitschaft“ zwar strategisches Investitionsziel. Einen neuen Zeitplan für ein NASDAQ-Listing nannte Sivers jedoch nicht.
Kurs unter Druck, Auftragsbuch wächst
Der Kursverlauf spiegelt die Nervosität der Anleger. Die Aktie schloss am Freitag bei 5,20 Euro, nach einem Kursgewinn von 18,34 Prozent an diesem Tag. Zum 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni, fehlen inzwischen fast 50 Prozent.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 6,16 Euro, aktuell notiert die Aktie gut 15 Prozent darunter. Die annualisierte Volatilität von über 213 Prozent zeigt: Hier bewegt sich der Kurs in Extremen. Zum Vergleich: Vom 52-Wochen-Tief bei 0,27 Euro im März liegt die Aktie noch immer fast 1.900 Prozent entfernt.
Operativ meldet Sivers Fortschritte. Die Pipeline potenzieller Aufträge wuchs bis Mai 2026 um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar, getrieben von Nachfrage nach Wireless-Beamformern und InP-Lasern. Am Jahresumsatzziel für 2026 hält das Management fest — die zweite Jahreshälfte soll den Großteil des Wachstums liefern.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die frische Liquidität und das wachsende Auftragspotenzial in stabileren Kursen niederschlagen. Bislang dominiert die Verwässerung die Wahrnehmung der Anleger, nicht das Wachstumsversprechen.
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