Sivers Semiconductors verschiebt seinen Quartalsbericht um drei Wochen nach hinten. Was wie eine harmlose Terminänderung wirkt, hat einen brisanten Nebeneffekt. Die Chefetage bekommt ein unerwartetes Zeitfenster, um eigene Aktien im großen Stil abzustoßen.
Kollision mit der Sperrfrist
Im April führte der Chip-Entwickler eine Kapitalerhöhung durch. Dabei erhielten das Management und der Verwaltungsrat eine Haltefrist. Diese Sperre endet am 16. Juli. Unter normalen Umständen wäre ein Verkauf danach dennoch verboten gewesen. Vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen gilt eine dreißigtägige Handelssperre für Insider. Der Bericht war ursprünglich für den 6. August geplant.
Nun verlegt der Vorstand den Termin auf den 27. August. Die Folge: Zwischen dem Ende der Haltefrist und dem Beginn der neuen Handelssperre entsteht eine Lücke. Ab Mitte Juli dürfen Top-Manager wie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard Kasse machen. Auch Verwaltungsräte wie Bami Bastani sind betroffen. Insgesamt halten diese Insider Aktien im Wert von über einer Milliarde Schwedischen Kronen.
Kurs im freien Fall
Die Optik dieser Verschiebung belastet das Vertrauen der Anleger schwer. Ohnehin verärgerte das Unternehmen den Markt erst Ende Juni mit einer weiteren Aktienemission. Damit brach Sivers ein klares Versprechen aus dem Frühjahr. Damals garantierte der Konzern, für 180 Tage keine neuen Papiere auszugeben.
Aktionäre strafen die Aktie derzeit gnadenlos ab. Am Montag ging das Papier bei 4,22 Euro aus dem Handel. Allein in den vergangenen vier Wochen stürzte der Kurs um fast 47 Prozent ab. Die extreme annualisierte Schwankungsbreite von knapp 220 Prozent unterstreicht die aktuelle Panik im Markt.
Bis zum 27. August navigieren Anleger nun ohne frische Geschäftszahlen. Das offene Verkaufsfenster für das Management sorgt für enormen Druck auf die Papiere. Nutzen die Führungskräfte ihre Chance ab dem 16. Juli tatsächlich zum Ausstieg, drohen der Aktie weitere massive Abverkäufe.
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