Sivers Semiconductors hat mit seinem Zwischenbericht zum zweiten Quartal 2026, den das Unternehmen gestern vorlegte, ein zwiespältiges Bild gezeichnet. Auf der einen Seite steht ein deutlich gewachsenes Auftragspotenzial, auf der anderen ein tiefer Verlust und ein negativer operativer Cashflow.
Der Markt reagierte mit einem Kurseinbruch von 15 Prozent auf 2,44 Euro – Anleger richten den Blick nun darauf, ob die versprochene Wende tatsächlich noch 2026 kommt.
Umsatz schrumpft, Produktgeschäft wächst
Der Nettoumsatz fiel im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 53,8 Millionen schwedische Kronen. Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 35,5 Millionen Kronen ab, nach minus 20,9 Millionen im Vorjahresquartal.
Belastet wurde das Ergebnis zusätzlich durch eine nicht zahlungswirksame Sonderaufwendung für Sozialabgaben im Zusammenhang mit dem starken Kursanstieg der Aktie im Berichtsquartal. Der freie operative Cashflow verschlechterte sich im ersten Halbjahr auf minus 119,2 Millionen Kronen, nach minus 37,5 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Positiver fiel die Entwicklung im Produktgeschäft aus: Die Hardware-Erlöse legten währungsbereinigt um 18 Prozent zu, ein Signal dafür, dass Kundenprojekte allmählich in die Serienproduktion überführt werden. Das Management verweist auf einen erwarteten Umsatzsprung im vierten Quartal 2026, wenn erste Produktionsrampen anlaufen sollen. 2027 soll nach eigener Darstellung zum entscheidenden Jahr werden.
Auftragspipeline wächst auf 1,2 Milliarden Dollar
Strategisch untermauert das Unternehmen seine Wachstumsstory mit einer deutlich erweiterten Chancen-Pipeline von inzwischen 1,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 268 Prozent gegenüber Jahresende 2025. Hinzu kommt ein neu identifizierter adressierbarer Markt von 4 Milliarden Dollar für optische Halbleiterverstärker in optischen Schaltsystemen für KI-Rechenzentren.
Konkreter wurde es bei mehreren Kooperationen: ALL.SPACE erteilte einen Produktionsauftrag über 8,2 Millionen Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips mit Blick auf eine Serienfertigung ab 2027. Mit GlobalFoundries vereinbarte Sivers eine strategische Zusammenarbeit zur Entwicklung von Silizium-Photonik-Lösungen für KI-Infrastruktur.
Bereits vor rund zwei Wochen hatte das Unternehmen ein Entwicklungsprogramm mit SemiNex über next-generation InP-Lichtquellen für KI-Rechenzentren bekanntgegeben – seit dieser Meldung hat die Aktie 33,6 Prozent verloren.
Kapitalstruktur verändert sich weiter
Auch bilanziell hat sich einiges bewegt: Der Kreditgeber Bootstrap Europe wandelte im Zuge der jüngsten Meldungen ein Darlehen über 12 Millionen Dollar vollständig in Eigenkapital um und übte zugleich sämtliche Warrants aus der laufenden Finanzierung aus.
Diese Schritte reduzieren die Schuldenlast, verwässern aber zugleich die Anteile bestehender Aktionäre. Zudem verstärkte sich der Vorstand mit den neuen Mitgliedern Joakim Nideborn und Helena Svancar.
Zur geplanten Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq äußerte sich das Management zurückhaltend: Die notwendigen Vorbereitungen sollen im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen sein, die eigentliche Entscheidung hänge dann von Marktbedingungen, Investorennachfrage und der operativen Dynamik ab.
Nach dem jüngsten Kursrutsch notiert die Aktie rund 38 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 3,94 Euro – ein Zeichen dafür, wie stark der kurzfristige Abwärtstrend das Papier zuletzt geprägt hat. Für Anleger bleibt die Kernfrage bestehen: Kann Sivers die milliardenschwere Auftragspipeline in tatsächliche Umsätze verwandeln, bevor die Kapitalreserven weiter schrumpfen?
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