Sivers Semiconductors meldet sich lautstark zurück. Nach einem desaströsen Monat drehten die Papiere am Freitag plötzlich auf. Ein sattes Plus von fast 15 Prozent katapultierte den Kurs auf 5,10 Euro. Der Grund für die rasante Gegenbewegung liegt in massiven Auftragsaussichten für Künstliche Intelligenz.
Dieser Kurssprung bringt dringend benötigte Entlastung. Zuvor hatte der schwedische Chipentwickler innerhalb von 30 Tagen fast 39 Prozent an Wert verloren. Vom Jahreshoch bei 10,23 Euro bleibt der Wert weiterhin meilenweit entfernt. Die extreme Volatilität spiegelt den harten strategischen Umbau des Unternehmens wider.
KI und LiDAR füllen die Auftragsbücher
Die Projektpipeline des Spezialisten wächst rasant. Seit Ende 2025 legte das Volumen um 77 Prozent zu. Es erreicht nun einen Rekordwert von 799 Millionen US-Dollar. Indium-Phosphid-Laser und optische Verstärker treiben dieses Wachstum maßgeblich an. Diese Bauteile sind für moderne KI-Rechenzentren und automobile LiDAR-Systeme zwingend erforderlich.
Um dieses Auftragspotenzial abzuarbeiten, besorgte sich das Management frisches Kapital. Am 1. Juli flossen dem Unternehmen durch eine Aktienemission rund 700 Millionen Schwedische Kronen zu. Das Geld wandert direkt in den Ausbau der Produktionskapazitäten für den Photonik-Bereich. Sivers will damit extrem langen Lieferzeiten bei Spezialausrüstung entgegenwirken.
Sprung an die Wall Street
Parallel dazu bereitet Sivers eine Zweitnotierung an der US-Börse Nasdaq vor. Dieser Schritt soll internationale institutionelle Investoren anlocken. Dafür passte das Unternehmen seine Bilanzen an strenge US-Standards an. Diese Umstellung vergrößerte den Nettoverlust für das Jahr 2025 buchhalterisch auf rund 222 Millionen Kronen. Das Management nimmt diesen Effekt für den Wall-Street-Zugang bewusst in Kauf.
CEO Vickram Vathulya wertet die jüngste Finanzierung als klaren Vertrauensbeweis in die neue Strategie. Operative Erfolge stützen diese Sichtweise. Kürzlich orderte ALL.SPACE integrierte Schaltkreise im Wert von 8,2 Millionen US-Dollar. Im gleichen Schritt kletterte der Anteil der reinen Produktverkäufe am Gesamtumsatz auf rund 39 Prozent. Das langfristige Ausbauziel von 80 Prozent rückt damit näher.
Das operative Geschäft lieferte zum Jahresstart allerdings durchwachsene Signale. Verzögerte Verteidigungsbudgets drückten den Umsatz im Auftaktquartal um 22 Prozent. Der Erlös fiel auf 61,9 Millionen Kronen. Trotzdem hält der Vorstand an seiner Wachstumsprognose für das zweite Halbjahr fest. Der im August anstehende Quartalsbericht wird konkrete Zahlen liefern müssen, wie schnell sich die gewaltige Pipeline in harte Umsätze verwandelt.
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