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Sivers Semiconductors Aktie: 77 Prozent unter Jahreshoch

Nach massiven Aktienverkäufen durch den Vorstand beginnt für Sivers die gesetzliche Handelsbeschränkung. Der Kurs fällt weiter.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie verliert über acht Prozent
  • Vorstand reduzierte Bestände deutlich
  • Lock-up-Vereinbarung lief aus
  • Blackout-Periode bis Quartalszahlen

Sivers Semiconductors rutscht weiter ab. Die Aktie fällt am Mittwoch um 8,47 Prozent auf 2,38 Euro. Ausgerechnet jetzt beginnt eine gesetzliche Stillhaltephase vor den nächsten Quartalszahlen. Das Timing wirkt bitter: Erst verkaufen Vorstandsmitglieder in großem Stil, dann dürfen sie es plötzlich nicht mehr.

Blackout-Periode startet nach Verkaufswelle

Sivers veröffentlicht seinen Zwischenbericht für das zweite Quartal 2026 vor Handelsbeginn an der Nasdaq Stockholm. Nach Artikel 19(11) der EU-Marktmissbrauchsverordnung gilt ab dem 28. Juli 2026 eine Closed Period bis zur Veröffentlichung des Berichts. In dieser Zeit dürfen Personen mit Führungsverantwortung keine eigenen Aktiengeschäfte tätigen.

Die Sperre kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Nur Tage zuvor hatten mehrere Vorstandsmitglieder ihre Bestände deutlich reduziert.

Vorstand verkauft, schenkt, verteilt

Grund für die Verkäufe war der Ablauf einer Lock-up-Vereinbarung. Diese war an die Kapitalerhöhung vom 16. April 2026 geknüpft und band Vorstandsmitglieder bis zum 16. Juli 2026. Mit dem Fristende kam die Verkaufswelle.

Chairman Bami Bastani spendete 60.000 Aktien an gemeinnützige Organisationen und schenkte 70.000 Aktien an Familienmitglieder. Zusätzlich verkaufte er am 16. Juli 275.000 Aktien. Vorstandsmitglied Todd Thomson ließ über seine Gesellschaft Headwaters Capital bis zum 22. Juli 950.000 Aktien verkaufen und stiftete weitere 50.000 Stück.

Auch Kairos Ventures zog sich zurück. Der Fonds hatte seinen Anteil 2022 über den Verkauf der Portfoliogesellschaft Mixcomm an Sivers erhalten. Das Investmentkomitee entschied nun, den Großteil der Aktien an eigene Anleger zu verteilen und den Rest zu liquidieren.

Vom Höhenflug zum Absturz

Der Kurssturz wirkt umso drastischer vor dem Hintergrund der jüngsten Rally. Am 3. Juni 2026 erreichte die Aktie noch ein Jahreshoch von 10,23 Euro. Aktuell liegt der Kurs rund 77 Prozent darunter. Ein RSI-Wert von 32,6 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain, was auf eine gewisse Erschöpfung des Abwärtstrends hindeuten könnte.

Die aktuelle Talfahrt folgt auf eine kräftige Kapitalspritze. Der Vorstand hatte im April eine gerichtete Aktienemission von rund 12,3 Millionen Aktien beschlossen, im Volumen von etwa 700 Millionen schwedischen Kronen. Der Zeichnungspreis lag bei 57 Kronen je Aktie, die Emission war mehrfach überzeichnet. Schwedische und internationale Institutionelle griffen zu, sowohl neue als auch bestehende Aktionäre.

Genau diese frische Liquidität dürfte den Boden für die anschließenden Insider-Verkäufe bereitet haben. Kein Wunder, dass der Markt jetzt nervös reagiert.

Mit Beginn der Closed Period sind weitere Insider-Transaktionen bis zur Veröffentlichung der Quartalszahlen ausgeschlossen. Anleger richten den Blick nun auf mögliche Stabilisierungssignale im Kurs sowie auf Neuigkeiten zu den angekündigten Änderungen in der Finanzberichterstattung, die Sivers im Hinblick auf künftige PCAOB-Prüfanforderungen und ein angestrebtes Dual-Listing in den USA vorbereitet.

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Diskussion zu Sivers Semiconductors

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.