Ein Kursplus von 2,41 Prozent am Freitag wirkt wie eine Randnotiz angesichts dessen, was Sivers Semiconductors hinter sich hat. Binnen einer Woche verlor die Aktie 18,27 Prozent, binnen eines Monats fast 39 Prozent. Der schwedische Photonik- und Funkchip-Hersteller schließt bei 4,25 Euro — und liegt damit fast ein Drittel unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 6,23 Euro.
Ausgerechnet jetzt baut das Unternehmen seinen Finanzkalender um. Der Grund: Sivers bereitet sich auf eine geplante Zweitnotierung in New York vor. Diese verlangt PCAOB-konforme Prüfprozesse, und genau das verschiebt die Quartalstermine nach hinten.
Neuer Kalender, neue Fristen
Am 9. Juli kündigte Sivers eine überarbeitete Berichtsstruktur an. Die Q2-Zahlen für 2026 kommen nun am 27. August, das dritte Quartal folgt am 26. November, das vierte am 25. Februar 2027. Das Management begründet den Schritt mit schärferen internen Kontrollen und den Vorbereitungen auf eine mögliche Nasdaq-Notierung zum Jahreswechsel.
Der ursprüngliche Q2-Termin lag früher. Die Verzögerung hängt direkt mit den US-Prüfanforderungen zusammen, die für ein Doppel-Listing nötig sind.
Bilanzsanierung ohne Applaus
Kurz vor der Kalenderänderung hat Sivers zwei größere Kapitalmaßnahmen abgeschlossen. Der Kreditgeber Bootstrap Europe wandelte einen Kredit über 12 Millionen Dollar in Aktien um. Das schuf 22.847.044 neue Aktien und verwässerte bestehende Anteilseigner um rund 6,4 Prozent.
Parallel beschloss der Vorstand eine gerichtete Kapitalerhöhung über 12.280.701 Aktien, entsprechend etwa 700 Millionen schwedischen Kronen. Der Zeichnungspreis lag bei 57 Kronen je Aktie, platziert über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren. Die Emission war mehrfach überzeichnet, schwedische wie internationale institutionelle Investoren beteiligten sich.
Frisches Kapital, weniger Schulden — eigentlich gute Nachrichten für ein Unternehmen, das in KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation und Verteidigungstechnik investieren will. Der Markt honoriert das bislang nicht. Die annualisierte Volatilität der Aktie ist auf ein extremes Niveau von 222 Prozent geklettert, der RSI liegt bei 39,2 – nahe überverkauftem Terrain, ohne dass sich ein Boden im Chart abzeichnet.
Hinzu kommt Druck von anderer Seite. Marktbeobachter berichten, dass Wirtschaftsprüfer zunehmend Zweifel an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens äußern. Anhaltende Vorwürfe von Leerverkäufern haben das Vertrauen zusätzlich beschädigt.
Lock-up-Ende am 16. Juli
Ein Datum sticht besonders heraus: der 16. Juli. Dann endet die Sperrfrist für mehrere Führungskräfte. Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard hatten sich verpflichtet, bis zu diesem Tag keine Aktien zu verkaufen.
Bemerkenswert: Mehrere Insider haben zuletzt Aktien gekauft statt Verkäufe vorzubereiten. Unterstützer des Managements werten das als Vertrauenssignal kurz vor Ablauf der Sperrfrist.
Für die kommenden Monate liefert der neue Berichtskalender klare Fixpunkte — Ende August, dann November und Februar. Bis dahin dürfte das Zusammenspiel aus PCAOB-Fortschritt, auslaufender Sperrfrist und Stimmung im Halbleitersektor die Aktie volatil halten. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 6,23 Euro zeigt, wie tief der jüngste Kursrutsch tatsächlich reicht.
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