Sivers Semiconductors gilt vielen Investoren noch als spekulativer Nischenwert. Dabei übersehen sie möglicherweise die eigentliche Rolle des schwedischen Unternehmens: Es liefert die Lasertechnologie, ohne die KI-Rechenzentren der nächsten Generation nicht funktionieren.
Mehr als ein CPO-Konzept
Der Markt etikettiert Sivers bislang als reinen Co-Packaged-Optics-Wert. Diese Einschätzung greift zu kurz. Das Unternehmen produziert Hochleistungslaser, die quer durch alle relevanten optischen Verbindungsstandards kompatibel sind — von steckbaren Modulen über Scale-out-CPO bis hin zu Near-Packaged Optics.
Die entscheidende These: Sivers könnte zum Engpassknoten innerhalb optischer KI-Systeme werden. Denn während Foundries wie GlobalFoundries ihre Umsatzziele für Silicon Photonics auf eine Milliarde Dollar bis 2028 hochschrauben, bleibt die Versorgung mit leistungsstarken Dauerstrichlasern ein kritisches Nadelöhr. LightCounting schätzt, dass 2026 bereits über 50 Prozent des Transceiver-Umsatzes auf Silicon-Photonics-Produkte entfällt.
Der Zeitplan entscheidet
Der Investmentfall hängt an einem konkreten Zeithorizont. CPO- und NPO-Architekturen, die genau die Laserintegration von Sivers benötigen, sollen sich bis 2027 durchsetzen. Bis dahin fließt das Kapital im Sektor vor allem in Foundry-Kapazitäten — spezialisierte Komponentenhersteller profitieren erst in der zweiten Welle.
Wettbewerber wie Applied Optoelectronics bauen ihre Produktionsanlagen in Texas bereits für 1,6-Terabit-Transceiver aus. Sivers verfolgt einen anderen Ansatz: Das Unternehmen liefert die zugrundeliegende Lasertechnologie, nicht das fertige Endprodukt.
Kurs mit extremer Dynamik
Die Aktie schloss am Freitag bei 8,65 Euro — ein Plus von 36 Prozent in den vergangenen 30 Tagen. Vom 52-Wochen-Tief bei 0,27 Euro im März hat sich der Kurs damit mehr als verdreißigfacht. Zum Jahreshoch von 10,23 Euro fehlen noch rund 15 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 236 Prozent. Das ist kein Wert für schwache Nerven. Der RSI von 60,5 signalisiert Aufwärtsmomentum, ohne in den überkauften Bereich zu rutschen.
Die nächste Bewährungsprobe kommt mit der tatsächlichen Nachfragebeschleunigung. Ziehen die Bestellungen für CPO-Systeme ab 2027 wie erwartet an, dürfte Sivers als Laserzulieferer früh im Rampup-Zyklus stehen — mit entsprechend wenig Vorlaufzeit für den Markt, sich neu zu positionieren.
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