Ein Schuldenswap treibt die Aktie an einem einzigen Tag um mehr als 18 Prozent nach oben. Dahinter steckt aber ein Unternehmen, das seit Wochen unter Druck steht. Kurssprung und Kurskrise gehören bei Sivers Semiconductors derzeit zusammen.
Am Freitag schloss die Aktie des schwedischen Photonik- und Chipherstellers bei 5,20 Euro. Das entspricht einem Tagesgewinn von 18,34 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 37,72 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, trennen die Aktie noch immer fast 50 Prozent.
Kreditgeber wird zum Aktionär
Auslöser der Rally war eine Entscheidung des Kreditgebers Bootstrap Europe. Das Unternehmen wandelt seinen ausstehenden Kredit in Eigenkapital um. Für Sivers sinkt dadurch die Schuldenlast, gleichzeitig wächst aber die Zahl der Aktien im Umlauf.
Parallel zur Kapitalmaßnahme baut Sivers den Vorstand um. Bami Bastani bleibt Chairman, Joakim Nideborn kommt neu als stellvertretender Vorsitzender hinzu. Mehrere Führungskräfte, darunter Bastani selbst, Karin Raj, Todd Thomson, CEO Vickram Vathulya und Finanzchef Heine Thorsgaard, haben sich bis zum 16. Juli 2026 zu einer Verkaufssperre für ihre Aktien verpflichtet.
Nasdaq-Pläne nehmen Fahrt auf
Die Personalrochade fällt mit einem beschleunigten Zeitplan für ein US-Listing zusammen. Laut Dokumenten zur jüngsten Privatplatzierung will CEO Vathulya den Nasdaq-Prozess innerhalb der kommenden Quartale abschließen. Im April hatte das Unternehmen lediglich von der Prüfung eines Dual-Listings gesprochen — nun klingt es nach einem klaren Fahrplan.
Bereits im April hatte Sivers erste Schritte in diese Richtung unternommen. Das Unternehmen hob seine Prüfungsstandards auf PCAOB-Niveau an und verschob die Veröffentlichung seines Jahresberichts. Beide Maßnahmen gelten als Vorbereitung auf den US-Kapitalmarkt. Ein Listing an der Nasdaq soll zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 erfolgen.
Leerverkäufer und Zweifel am Fortbestand bleiben
So ermutigend die Kapitalmaßnahmen wirken — die belastenden Faktoren sind damit nicht vom Tisch. Vorwürfe von Leerverkäufern stehen weiter im Raum. Hinzu kommen Zweifel des Wirtschaftsprüfers an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens.
Der Markt wartet auf harte Zahlen, mit denen das Management diesen Vorwürfen begegnen kann. Bislang blieb das Unternehmen diesen Beweis schuldig.
Operativ zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Umsatz im ersten Quartal brach um 22 Prozent auf rund 62 Millionen schwedische Kronen ein. Die Projekt-Pipeline wuchs dagegen auf 799 Millionen Dollar. Ein wichtiger LiDAR-Kunde soll im vierten Quartal mit der Serienproduktion starten — ein Programm mit einem Volumen von bis zu 138 Millionen Dollar.
CEO Vathulya versucht, die jüngsten Kapitalmaßnahmen positiv zu deuten. Er wertet sie nicht als Notsignal, sondern als Beleg für anhaltendes Investoreninteresse an den Zukunftsfeldern KI, Satellitenkommunikation und Verteidigung.
Aktienzahl wächst deutlich
Die Kombination aus einer gerichteten Aktienplatzierung im Juni und der Bootstrap-Umwandlung hat die Kapitalbasis von Sivers spürbar verändert. Zum Stichtag 30. Juni zählte das Unternehmen 319.953.572 ausstehende Stammaktien. Nach der Schuldenumwandlung kamen weitere Aktien für Bootstrap Europe hinzu — die Verwässerung für Altaktionäre wächst, während die Schuldenlast sinkt.
Der 6. August wird zur nächsten Bewährungsprobe
Die Schwankungsbreite der Aktie bleibt extrem hoch. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 213,56 Prozent. Der RSI(14) steht bei 41,2 — nach dem Freitagssprung ein neutraler Wert, nachdem die Aktie zuvor überverkauft war.
Vom 50-Tage-Durchschnitt bei 6,16 Euro liegt der Kurs weiterhin 15,58 Prozent entfernt. Das zeigt: Der jüngste Ausschlag nach oben ändert wenig an der grundsätzlichen Schwäche der vergangenen Wochen.
Am 6. August legt Sivers seinen Bericht zum zweiten Quartal vor. Bis dahin dürfte jede Nachricht — ob von Aufsichtsbehörden, Leerverkäufern oder vom Kapitalmarkt — für heftige Kursausschläge sorgen.
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