Wer Ende Juni bei Sivers Semiconductors eingestiegen ist, blickt jetzt auf ein Minus von über 50 Prozent. Der schwedische Halbleiterspezialist ist am Freitag um 6,35 Prozent gefallen und notiert nun bei 2,83 Euro. Binnen 30 Tagen hat die Aktie damit 52,64 Prozent ihres Werts verloren.
Der Auslöser ist keine schlechte Nachricht aus dem operativen Geschäft. Am 16. Juli 2026 lief eine Lock-up-Vereinbarung aus, die an eine gerichtete Kapitalerhöhung im Frühjahr gekoppelt war. Seither verkaufen mehrere große Altaktionäre ihre Anteile — mit spürbaren Folgen für den Kurs.
Insider trennen sich von Aktien
Board-Mitglied Todd Thomson hat über seine Investmentgesellschaft Headwaters Capital LLC rund 950.000 Aktien abgestoßen. Zeitgleich begann Kairos Ventures mit der Auflösung seiner Position. Der Venture-Capital-Fonds war 2022 über die Übernahme von Mixcomm bei Sivers eingestiegen und gibt nun Kapital an seine eigenen Investoren zurück.
CEO Vickram Vathulya versuchte gegenzusteuern. Er kaufte zusätzliche 70.000 Aktien und signalisierte damit Vertrauen in das Unternehmen. Gegen die Verkaufswelle der institutionellen Anteilseigner reichte das aber nicht aus.
Kurs liegt weit unter Kapitalerhöhungspreis
Besonders auffällig ist der Abstand zur Kapitalerhöhung vom Juni 2026. Damals platzierte Sivers Aktien im Umfang von rund 700 Millionen schwedischen Kronen zu einem Preis von 57 Kronen — umgerechnet etwa 4,80 bis 5,00 Euro. Internationale und schwedische Institutionelle überzeichneten das Angebot deutlich.
Der aktuelle Kurs liegt fast 45 Prozent unter diesem Ausgabepreis. Der Markt bewertet Sivers damit spürbar niedriger als die Investoren, die erst vor wenigen Wochen den Ausbau der Indiumphosphid-Laserfertigung für KI-Rechenzentren und Automotive-Anwendungen mitfinanziert haben. Das Unternehmen verweist unterdessen weiter auf Fortschritte im Geschäft mit Satellitenkommunikation und Verteidigung.
Verschobener Quartalsbericht verschärft die Lage
Zur technischen Verkaufswelle kommt eine Nachrichtenpause hinzu. Sivers bereitet ein Dual-Listing an der Nasdaq in New York vor — ein ambitionierter Schritt, um Zugang zu tieferen US-Kapitalmärkten zu bekommen. Um die strengen PCAOB-Prüfstandards für ein solches Listing zu erfüllen, hat das Unternehmen seine Finanzberichterstattung verschoben.
Der Zwischenbericht zum zweiten Quartal 2026 wird jetzt erst im August erwartet. Hinzu kommt eine verpflichtende Handelssperre für das Management ab Ende Juli. Operative Neuigkeiten, die der Verkaufswelle entgegenwirken könnten, bleiben damit vorerst aus.
Die Kennzahlen spiegeln die angespannte Lage wider. Der RSI von 35,4 deutet auf eine Annäherung an überverkauftes Terrain hin, während die auf das Jahr hochgerechnete 30-Tage-Volatilität von 161,81 Prozent zeigt, wie nervös der Markt die Aktie derzeit einpreist. Von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht Anfang Juni, ist Sivers inzwischen 72,34 Prozent entfernt.
Bis der Quartalsbericht im August vorliegt, dürfte der Kurs von der technischen Verkaufsdynamik der Altaktionäre geprägt bleiben. Erst mit neuen operativen Zahlen dürfte sich zeigen, ob die fundamentale Basis den aktuellen Kursverfall rechtfertigt oder ob sich die Bewertungslücke zur Juni-Kapitalerhöhung wieder schließt.
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