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Sivers Semiconductors Aktie: 15 Prozent Verlust in sieben Tagen

Mehrere Untersuchungen zu Insiderhandel und fragwürdigen Umsätzen belasten die Aktie des Photonik-Spezialisten schwer.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ermittlungen in Schweden und den USA
  • Shortseller-Vorwürfe zu Umsätzen 2025
  • Nettoverlust steigt auf 222,6 Millionen Kronen
  • Nasdaq-Notiz ohne konkreten Zeitplan

Zwei Kontinente, zwei Untersuchungen, ein Kursrutsch. Die Aktie des schwedischen Photonik- und Halbleiterspezialisten Sivers Semiconductors verliert an diesem Mittwoch rund sechs Prozent auf 7,70 Euro. In den vergangenen sieben Tagen summieren sich die Verluste auf fast 15 Prozent — vom Allzeithoch bei 10,23 Euro, das erst Anfang Juni erreicht wurde, ist das Papier bereits ein Viertel entfernt.

Ermittlungen auf beiden Seiten des Atlantiks

In Schweden untersuchen die Wirtschaftsstaatsanwaltschaft und die Finanzaufsichtsbehörde einen möglichen Insiderhandel rund um die geplante US-Zweitnotiz. Ein anonymes Konto hatte präzise Details zur Nasdaq-Listung rund 48 Stunden vor der offiziellen Ankündigung veröffentlicht. Die Behörden prüfen, ob vertrauliche Vorstandsinformationen illegal weitergegeben wurden.

In den USA haben zwei Anwaltskanzleien — Rosen Law Firm sowie Bronstein, Gewirtz & Grossman — Untersuchungen möglicher Ansprüche von Aktionären eingeleitet. Das Unternehmen hat sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.

Shortseller-Vorwürfe ohne Antwort

Hinzu kommt ein ungelöster Angriff von Ningi Research. Die Leerverkäufer behaupteten Anfang Juni, dass mindestens 97 Millionen schwedische Kronen des Umsatzes 2025 fragwürdig seien — verknüpft mit noch nicht produzierten Produkten und Forschungsfördergeldern. Eine Gegendarstellung von Sivers steht aus.

Die Neubewertung der Bücher nach US-amerikanischen PCAOB-Rechnungslegungsstandards — notwendig für die geplante Nasdaq-Notiz — hat das Bild nicht verbessert. Der Nettoverlust für 2025 stieg dabei von ursprünglich 186,5 Millionen auf 222,6 Millionen Kronen. Ursachen waren unter anderem Umsatzverschiebungen in spätere Perioden, korrigierte Lagerbestandsbewertungen und Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten.

Vorstand neu besetzt, Nasdaq-Zeitplan offen

Die Hauptversammlung brachte personelle Veränderungen. Vizevorsitzender Tomas Duffy sowie die Gründungsinvestoren Erik Fallström und Keith Halsey schieden aus dem Aufsichtsgremium aus. Neu gewählt wurden Joakim Nideborn als stellvertretender Vorsitzender und Helena Svancar. Bami Bastani bleibt Vorsitzender.

Der eigentlich geplante Beschluss zur Nasdaq-Zweitnotiz wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Stattdessen erhielt der neue Vorstand eine allgemeine Kapitalermächtigung für rund 53,8 Millionen neue Aktien — das entspricht einer potenziellen Verwässerung von etwa 15 Prozent. Ein Zeitplan für die US-Notiz fehlt.

Pipeline wächst, Umsatz schrumpft

Operativ zeigt sich ein Widerspruch. Der Umsatz im ersten Quartal fiel um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen, der operative Cashflow bei minus 49,2 Millionen Kronen.

Auf der anderen Seite stehen konkrete Aufträge. ALL.SPACE, ein Anbieter von Multi-Orbit-Satellitenkommunikation, bestellte Ka-Band-Beamforming-Chips im Wert von 8,2 Millionen Dollar für 2027. Außerdem kooperiert Sivers mit GlobalFoundries bei Silizium-Photonik-Lösungen für KI-Rechenzentren. Das Management schätzt den adressierbaren Markt dieser Zusammenarbeit auf 25 Milliarden Dollar bis 2030 — nennenswerte Umsätze erwartet das Unternehmen frühestens Ende 2026.

Am 6. August legt Sivers den nächsten Quartalsbericht vor. Dann zeigt sich, ob der neue Vorstand die aufgeschobenen Rüstungsumsätze zurückgewinnen kann und ob die kommunizierte Auftragspipeline von 799 Millionen Dollar beginnt, sich in tatsächlich gebuchte Aufträge zu verwandeln.

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