Wer gegen Sivers Semiconductors wettet, zahlt seit dieser Woche einen drastisch höheren Preis dafür. Nordea Bank hat die Basiszinsmarge auf alle Bear-Zertifikate und Mini-Future-Short-Produkte auf die schwedische Photonik-Aktie angehoben — und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Kurs bereits 71 Prozent im Plus liegt und die Hauptversammlung am 15. Juni über weitreichende Kapitalmaßnahmen entscheidet.
Nordea dreht Short-Sellern die Daumenschrauben
Die neuen Margen gelten seit dem 3. Juni 2026. Bear-Zertifikate mit Hebel -1 tragen nun eine Marge von 76,5 Prozent, bei Faktor -2 sind es 152,5 Prozent, beim aggressivsten Produkt mit Faktor -3 sogar 228,5 Prozent. Als Begründung nennt Nordea die schlechte Liquidität im Wertpapierleihe-Markt und gestiegene Leihkosten.
Der Hintergrund: Rund 17 Prozent der frei handelbaren Aktien lagen zuletzt als Leihpapiere aus — Anfang März waren es noch 1,6 Prozent. Zu den größten Short-Positionen zählen Voleon Capital mit 1,86 Prozent und Two Sigma mit 1,78 Prozent der ausstehenden Aktien. Als der GlobalFoundries-Deal die Aktie nach oben katapultierte, mussten Leerverkäufer decken und verstärkten die Bewegung zusätzlich.
Volatilität auf Extremniveau
Sivers schloss am Donnerstag bei 7,99 Euro — nach einem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro am 3. Juni. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 242 Prozent. Genau dieser Wert ist der rechnerische Anker für Nordeas Entscheidung: Je wilder die Schwankungen, desto teurer die Absicherung für Short-Produkte.
Rückenwind kommt auch von der Indexseite. Nasdaq nahm die Aktie am 1. Juni in den OMX Stockholm Benchmark Index auf, MSCI bestätigte eine bevorstehende Aufnahme. Indexfonds müssen ihre Portfolios entsprechend anpassen — das schafft strukturelle Nachfrage.
Hauptversammlung mit Verwässerungspotenzial
Am 5. Juni lief der Stichtag für die Teilnahme an der Hauptversammlung ab, Anmeldungen und Briefwahl sind bis zum 9. Juni möglich. Die HV am 15. Juni entscheidet über zwei kapitalrelevante Punkte.
Erstens: ein langfristiges Incentive-Programm mit bis zu 7 Millionen Aktienoptionen, was einer Verwässerung von rund 2 Prozent entspricht. Zweitens — und das ist der gewichtigere Punkt — eine Generalermächtigung für den Vorstand, Aktien, Optionsscheine und Wandelanleihen im Umfang von bis zu 53,8 Millionen Stammaktien auszugeben. Das entspricht einer potenziellen Verwässerung von etwa 15 Prozent des aktuellen Aktienbestands.
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Diese Beschlüsse sind von der bereits abgeschlossenen Kapitalerhöhung zu trennen. Im Mai genehmigte eine außerordentliche Hauptversammlung eine gezielte Ausgabe von 8,62 Millionen neuen Aktien, die am 29. Mai abgewickelt wurde und auf vollständig verwässerter Basis rund 2,5 Prozent ausmachte.
Als Verwendungszwecke der breiteren Ermächtigung nennt das Unternehmen organisches Wachstum, Übernahmen, die Gewinnung strategischer Investoren sowie eine mögliche Zweitnotiz an der Nasdaq New York. Die Jahresabschlüsse 2024 und 2025 wurden bereits auf PCAOB-Prüfungsstandards umgestellt — der Zeitplan für das US-Listing hängt jedoch von den Marktbedingungen ab.
Offene Flanken: Vorwürfe und Ermittlungen
Das positive Bild trübt sich an zwei Stellen. Die Leerverkaufsresearchfirma Ningi Research veröffentlichte am 1. Juni einen Bericht mit Vorwürfen zu fragwürdiger Umsatzverbuchung und substanzlosen Kundenverträgen. Es sind Behauptungen, keine behördlichen Feststellungen — aber sie treffen das Unternehmen in einer Phase erhöhter Aufmerksamkeit.
Hinzu kommt eine strafrechtliche Untersuchung der schwedischen Wirtschaftskriminalitätsbehörde. Sie prüft, ob vertrauliche Details zur geplanten Nasdaq-Notierung vor der offiziellen Ankündigung im April nach außen gedrungen sind.
Schwache Zahlen, ambitionierter Ausblick
Das erste Quartal 2026 war operativ schwierig. Der Nettoumsatz fiel um 22 Prozent auf 61,9 Millionen SEK, das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen SEK, und der Nettoverlust weitete sich auf 42,7 Millionen SEK aus.
Das Management hält dennoch am Jahresziel fest. Für das Automotive-LiDAR-Geschäft ist die Serienproduktion mit einem großen Automobilhersteller im vierten Quartal 2026 geplant. Im 5G/6G-Bereich sind die Daybreak-Beamforming-ICs für FR3-Anwendungen nun allgemein verfügbar. Im Verteidigungsbereich läuft ein Entwicklungsauftrag eines führenden US-Rüstungskonzerns, die zweite Förderphase des EW-Star-Projekts unter dem US CHIPS Act wurde bestätigt — vorbehaltlich des erfolgreichen Abschlusses der technischen Meilensteine im ersten Jahr.
Das Unternehmen bezeichnet 2027 als „transformatives Jahr“ und peilt langfristig ein jährliches Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent an. Ob die Aktionäre diese Einschätzung teilen, zeigt sich erstmals am 15. Juni.
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