Der Aktienkurs schießt nach oben, während die ausgewiesenen Verluste wachsen. Bei Sivers Semiconductors prallen derzeit operative Fantasie und harte Bilanzrealität aufeinander. Der schwedische Chipentwickler bereitet einen Sprung an die New Yorker Nasdaq vor. Dieser Schritt zwingt das Unternehmen nun zu schmerzhaften Korrekturen.
Bilanzkorrektur für die Wall Street
Um die strengen US-Prüfungsstandards zu erfüllen, musste Sivers seinen Jahresbericht überarbeiten. Das Management passte Umsatzverschiebungen, Lagerbewertungen und aktivierte Entwicklungskosten an. Diese rein buchhalterischen Effekte belasten das Ergebnis massiv.
Der operative Verlust für 2025 weitete sich auf 177,8 Millionen Schwedische Kronen aus. Zuvor standen hier minus 141,3 Millionen Kronen. Auch der Nettoverlust fiel mit 222,6 Millionen Kronen deutlich höher aus als ursprünglich gemeldet.
Parallel dazu sicherte sich der Konzern neue Geldmittel. Eine außerordentliche Hauptversammlung genehmigte am 11. Mai eine gezielte Kapitalerhöhung. Sivers platziert 8,62 Millionen neue Aktien zu je 14,50 Kronen bei institutionellen Investoren.
Wegen der laufenden US-Prüfung verschiebt sich der Quartalsbericht auf den 29. Mai. Das Datum birgt Brisanz. Am selben Tag rückt die Aktie nach Handelsschluss in den MSCI Sweden Small Cap Index auf. Indexfonds müssen das Papier dann automatisch kaufen.
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Leerverkäufer halten den Druck aufrecht
Trotz eines jüngsten Kurssprungs von über 30 Prozent bleiben institutionelle Bären aktiv. Hedgefonds wie Voleon und Two Sigma halten signifikante Leerverkaufspositionen. Ein weiteres Risiko lauert beim größten Einzelaktionär Achilles Capital. Dessen Muttergesellschaft steckt in einer Restrukturierung.
Die Folge: Ein großes Aktienpaket könnte unkontrolliert auf den Markt kommen. Obendrein prüft die schwedische Wirtschaftsbehörde mögliche Unregelmäßigkeiten. Es steht der Verdacht im Raum, dass die US-Börsenpläne vorab durchgesickert sind.
Sivers profitiert stark vom KI-Boom. Die optischen Chips des Unternehmens lösen Hitzeprobleme in modernen Rechenzentren. Der Markt bewertet diese Zukunftsaussichten aktuell mit dem 46-fachen des Umsatzes. Das ist ein Vielfaches des Branchendurchschnitts. Am 29. Mai treffen nun die neuen Quartalszahlen direkt auf die Index-Käufe der Fonds.
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