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Sivers: Hauptversammlung am 15. Juni entscheidend

Ermittlungen, Shortseller-Angriffe und eine Hauptversammlung setzen Sivers Semiconductors unter Druck. Die Aktie bleibt extrem volatil.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Insider-Ermittlung in Schweden
  • Shortseller greift Bilanz an
  • HV plant Aktienverwässerung
  • Operativ rote Zahlen

Sivers Semiconductors steht vor einer heiklen Bewährungsprobe. Eine Insider-Ermittlung, heftige Kursschwankungen und eine wichtige Hauptversammlung treffen nun aufeinander. Die Aktie bleibt nach ihrer extremen Rally anfällig für jede neue Schlagzeile.

Der Schlusskurs lag am Mittwoch bei 8,35 Euro. In sieben Tagen gewann die Aktie 27,38 Prozent, auf Monatssicht sogar 67,81 Prozent. Der Rücksetzer vom jüngsten Hoch wirkt daher weniger wie Entspannung als wie ein Stresstest.

Vom Hoch bei 10,23 Euro liegt der Kurs inzwischen 18,38 Prozent entfernt. Das zeigt, wie schnell Gewinne in dieser Aktie wieder verdampfen können.

Seit dem Tief bei 0,27 Euro bleibt der Abstand mit 3.050,94 Prozent jedoch enorm. Auch der technische Abstand ist groß: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 3,67 Euro, der Kurs notiert 127,73 Prozent darüber. Der RSI steht bei 65,6.

Insider-Ermittlung erhöht den Druck

Der rechtlich schwerste Punkt ist die laufende Untersuchung in Schweden. Behörden prüfen einen möglichen Informationsabfluss rund um die geplante Zweitnotiz an der Nasdaq New York. Der Kurs war rund 48 Stunden vor der offiziellen Mitteilung auffällig angesprungen.

Staatsanwalt Jonas Myrdal nannte Timing und Handelsmuster „auffällig“. Er verwies auf Merkmale, die aus früheren Pump-and-Dump-Fällen bekannt seien. Nasdaq soll den Vorgang nach der EU-Marktmissbrauchsverordnung prüfen.

Der mutmaßliche Ursprung bleibt unklar. Ein anonymer X-Account mit großer Reichweite hatte zuvor präzise Details zur geplanten Zweitnotiz verbreitet. Falls sich ein Verstoß bestätigt, könnten die Folgen ernst werden.

Parallel dazu halfen Indexaufnahmen nur begrenzt. Seit dem 1. Juni gehört Sivers zum OMX Stockholm Benchmark Index. Die Aufnahme in den MSCI Sweden Small-Cap Index brachte ebenfalls Nachfrage durch passive Fonds.

Shortseller greifen die Bilanz an

Der Markt ist inzwischen extrem nervös. Laut S&P Global Market Intelligence waren Ende Mai fast 17 Prozent des Streubesitzes verliehen. Anfang März lag dieser Wert noch bei 1,6 Prozent.

Die annualisierte Volatilität über einen Monat beträgt 245,26 Prozent. Kein Wunder, dass selbst kleine Meldungen große Kursreaktionen auslösen.

Ningi Research veröffentlichte am 1. Juni einen kritischen Bericht. Der Shortseller wirft Sivers eine aggressive Umsatzverbuchung vor und sieht mögliche IFRS-Probleme. Konkret stellt Ningi mindestens 97 Millionen SEK infrage, was rund 31 Prozent des gemeldeten Jahresumsatzes betreffe.

Ein Teil dieser Erlöse soll laut Ningi mit noch nicht hergestellten Produkten zusammenhängen. Auch staatliche Forschungszuschüsse seien möglicherweise als kommerzielle Verkäufe dargestellt worden. Das sind Vorwürfe eines Shortselllers, keine offiziellen Feststellungen.

Hauptversammlung bringt Verwässerungsrisiko

Die Hauptversammlung findet am 15. Juni in Stockholm statt. Wer teilnehmen will, muss bis 5. Juni im Aktienregister stehen und sich bis 9. Juni anmelden. Damit läuft die Frist für stimmberechtigte Aktionäre sehr eng.

Auch im Verwaltungsrat steht ein Einschnitt an. Tomas Duffy, Erik Fallström und Keith Halsey scheiden aus. Damit verlässt ein wichtiger Teil der skandinavischen Gründerkohorte das Gremium.

Als neue Kräfte schlägt das Nominierungskomitee Joakim Nideborn und Helena Svancar vor. Nideborn bringt Finanzexpertise mit, Svancar internationale Managementerfahrung. Die Besetzung passt zur geplanten stärkeren Kapitalmarktausrichtung.

Der finanziell wichtigste Punkt bleibt die Ermächtigung zur Ausgabe neuer Aktien. Der Vorstand will bis zu 53,8 Millionen neue Stammaktien platzieren dürfen. Das entspräche einer Verwässerung von rund 15 Prozent.

Das Geld soll organisches Wachstum, mögliche Akquisitionen und die Nasdaq-Pläne finanzieren. Zusätzlich steht ein Mitarbeiterprogramm mit bis zu 7.000.000 neuen Optionen auf der Tagesordnung. Auf voll verwässerter Basis entspräche das rund 2,0 Prozent; eine Dividende für 2025 ist nicht vorgesehen.

Wachstumshoffnung trifft Verlustrealität

Operativ bleibt Sivers unter Druck. Der Umsatz sank um 22 Prozent auf 61,9 Millionen SEK. Das EBIT lag bei minus 41,5 Millionen SEK.

Der operative Cashflow betrug minus 49,2 Millionen SEK. Das Unternehmen verweist auf den US-Regierungsstillstand Ende vergangenen Jahres und verzögerte Verteidigungsbudgets. Auch Währungen belasteten das Quartal.

CEO Vickram Vathulya hält den Jahresplan dennoch für erreichbar. Die Pipeline gibt ihm zumindest Argumente: Seit Ende 2025 wuchs sie um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar.

Der Vorstand erwartet eine Beschleunigung im weiteren Jahresverlauf. Langfristig bleibt das Wachstumsziel bei 25 bis 30 Prozent pro Jahr. Profitabilität stellt das Unternehmen jedoch nicht vor 2028 in Aussicht.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor liegt in der Aktionärsstruktur. Der größte Anteilseigner Achilles Capital hängt an DDM Finance, und dort läuft eine Restrukturierung. Hintergrund sind Anleihen über rund 225 Millionen Euro, die im April 2026 fällig wurden.

DDM plant im zweiten Halbjahr eine Refinanzierung, sofern das Gericht zustimmt. Teil des Plans sind Verkäufe von Kreditportfolios sowie Technologie- und Life-Science-Beteiligungen im Wert von 30 bis 50 Millionen Euro. Ob auch die Sivers-Beteiligung auf den Markt kommt, bleibt offen.

Bis zur Hauptversammlung am 15. Juni bündelt sich der Druck auf wenige Themen: Leck-Ermittlung, Verwässerungsermächtigung und Nasdaq-Plan. Stimmt die HV zu, bekommt der Vorstand mehr Spielraum. Ohne Zustimmung bleibt die Finanzierung des Wachstumskurses enger.

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