Ein Kursanstieg von fast 2.500 Prozent innerhalb weniger Monate — und dann ein Absturz von 34 Prozent in zwei Handelstagen. Bei Sivers Semiconductors überschlagen sich die Ereignisse. Der schwedische Photonik-Spezialist kämpft gleichzeitig gegen eine Strafverfolgung, aggressive Leerverkäufer und eine Hauptversammlung, die über die Zukunft des Unternehmens entscheidet.
Hauptversammlung: Nasdaq-Traum oder Verwässerungsschock?
Am 15. Juni stimmen die Aktionäre über einen Antrag ab, der bis zu 53,8 Millionen neue Aktien erlauben würde. Das entspricht einer potenziellen Verwässerung von 15 Prozent. Das Kapital soll organisches Wachstum, Akquisitionen und ein Zweitlisting an der Nasdaq New York finanzieren.
Auf der Tagesordnung steht außerdem ein Optionsprogramm für bis zu 7 Millionen Aktien — rund 2 Prozent Verwässerung. Das Nasdaq-Listing selbst hängt an einem Upgrade auf PCAOB-Prüfstandards. Das hat bereits Korrekturen der Jahresabschlüsse 2024 und 2025 ausgelöst, die Umsatzerfassung, Lagerbewertung und kapitalisierte Entwicklungskosten betreffen. Briefwahlstimmen können noch bis zum 9. Juni eingehen.
Strafverfolgung und Leerverkäufer unter Druck
Schwedische Behörden ermitteln wegen eines mutmaßlichen Informationslecks. Der Kurs war rund 48 Stunden vor der offiziellen Nasdaq-Ankündigung um rund 48 Prozent gestiegen. Staatsanwalt Jonas Myrdal beschrieb das Timing als „auffällig“ und zog Parallelen zu früheren Pump-and-Dump-Fällen. Die Quelle des Lecks ist noch unbekannt. Die Wirtschaftskriminalitätsbehörde prüft einen Verstoß gegen die EU-Marktmissbrauchsverordnung.
Parallel dazu veröffentlichte Leerverkäufer Ningi Research einen Bericht mit dem Vorwurf aggressiver Umsatzerfassung. Rund 31 Prozent des für 2025 gemeldeten Umsatzes seien fragwürdig. Diese Vorwürfe sind bislang nicht regulatorisch bestätigt. Die US-Kanzlei Rosen Law Firm prüft ihrerseits, ob das Unternehmen irreführende Informationen veröffentlicht hat.
Hinzu kommen Insiderverkäufe. Harish Krishnaswamy, Leiter des Wireless-Geschäfts, verkaufte am 29. Mai seinen gesamten Bestand von 1,39 Millionen Aktien zu je 71,36 SEK — ein vollständiger Ausstieg. Cornerstone-Investor Cicero Fonder trennte sich von 5,75 Millionen Aktien im Wert von rund 452 Millionen SEK. Per 31. Mai war der Fonds kein Aktionär mehr. Die Leerverkaufsquote liegt bei 6,55 Prozent des Streubesitzes, mit Qube Research & Technologies, Voleon Capital Management und Two Sigma Investments als aktive Short-Positionen.
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Operative Schwäche trifft auf Pipeline-Optimismus
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 sind ernüchternd. Der Umsatz fiel um 22 Prozent auf 61,9 Millionen SEK. Der operative Verlust weitete sich auf minus 41,5 Millionen SEK aus, der operative Cashflow lag bei minus 49,2 Millionen SEK. Das Management verweist auf Verzögerungen durch den US-Regierungsstillstand und ausstehende Verteidigungsbudgets.
Dem gegenüber steht eine Opportunity-Pipeline, die seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar gewachsen ist. Für die zweite Hälfte 2026 erwartet das Management eine Umsatzerholung. Ab 2027 soll das jährliche Wachstum 25 bis 30 Prozent erreichen.
Am 2. Juni gab Sivers eine Kooperation mit GlobalFoundries bekannt. Laser-Arrays von Sivers sollen in Referenzdesigns auf der Silicon-Photonics-Plattform von GlobalFoundries integriert werden — für KI-Infrastruktur, Co-Packaged Optics und andere Rechenzentrumsverbindungen. Der adressierbare Markt für steckbare Optik könnte bis 2030 auf 25 Milliarden Dollar wachsen. Verbindliche Volumenzusagen oder konkrete Umsatzziele enthielt die Ankündigung nicht.
Was diese Woche zählt
Am Mittwoch erscheinen die US-Inflationsdaten für Mai. Fallen sie höher aus als erwartet, dürfte der Druck auf wachstumsstarke Aktien wie Sivers zunehmen. Drei Tage später folgt die entscheidende Hauptversammlung.
Ein technischer Faktor könnte kurzfristig stützen: Sivers wurde in den OMX Stockholm Benchmark Index und den MSCI Sweden Small-Cap aufgenommen. Passive Fonds müssen die Aktie kaufen — unabhängig von der Nachrichtenlage. Am 6. August legt Sivers den Halbjahresbericht vor. Dann zeigt sich, ob die Pipeline-Versprechen des Managements belastbar sind — oder ob die Kritiker Recht behalten.
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