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Silber: Zwischen Krieg und Korrektur

Der Silberpreis erlebt starke Ausschläge durch den Nahost-Konflikt und die Blockade der Straße von Hormuz. Trotz eines kürzlichen Einbruchs bleibt der strukturelle Aufwärtstrend intakt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kurssprung auf über 96 Dollar durch Nahost-Konflikt
  • Starker Einbruch um 13 Prozent binnen 48 Stunden
  • Strukturelles Angebotsdefizit stützt den Markt
  • Analystenprognosen für 2026 gehen weit auseinander

Der Silberpreis erlebt im März 2026 extreme Schwankungen. Die US-israelische Militäroperation gegen den Iran, der Tod von Khamenei und die Sperrung der Straße von Hormuz trieben den Kurs zunächst auf über 96 US-Dollar je Unze – das höchste Niveau seit Ende Januar. Dann folgte ein Einbruch auf unter 84 US-Dollar, ein Rückgang von rund 13 Prozent innerhalb von 48 Stunden. Heute notiert Silber bei rund 88 US-Dollar.

Doppelrolle als Belastung

Silbers Charakter als gleichzeitig sicherer Hafen und Industriemetall erweist sich in der aktuellen Krise als Nachteil. Kriegsangst treibt zwar kurzfristig die Safe-Haven-Nachfrage, doch die steigenden Ölpreise – Rohöl überstieg 100 US-Dollar je Barrel – schüren Rezessionssorgen und belasten die Industrienachfrage. Hinzu kommen ein stärkerer US-Dollar und steigende Anleiherenditen, die den Preisanstieg zusätzlich deckeln. Gold als reines Währungsmetall ist diesem Zielkonflikt nicht ausgesetzt.

Die Blockade der Straße von Hormuz verstärkt den Druck: Mehrere Produzenten im Nahen Osten haben die Rohölförderung gedrosselt, weil die Lagerkapazitäten sich füllen. Höhere Energiekosten könnten das globale Wachstum bremsen – und damit einen der wichtigsten Pfeiler der Silbernachfrage.

Starke Fundamentaldaten, erhöhte Volatilität

Unabhängig vom Konflikt stützen strukturelle Faktoren den Markt. Das Silver Institute prognostiziert für 2025 ein Angebotsdefizit von rund 118 Millionen Unzen. Kumuliert über die Jahre 2021 bis 2026 ergibt sich ein Fehlbetrag von 820 Millionen Unzen bei einer stagnierenden Minenproduktion von rund 813 Millionen Unzen jährlich. Die COMEX-Lagerbestände sind seit 2020 um mehr als 70 Prozent gesunken.

Die institutionellen Einschätzungen für das Gesamtjahr 2026 divergieren deutlich: J.P. Morgan erwartet einen Jahresdurchschnitt von 81 US-Dollar, eine Reuters-Umfrage vom Februar 2026 setzt den Konsens bei 79,50 US-Dollar an. Die Deutsche Bank ist optimistischer und hält einen Anstieg auf 100 US-Dollar bis Jahresende für möglich, sofern sich der Edelmetallkomplex weiter festigt – gestützt auf die historische Beobachtung, dass Silber in der Spätphase eines Metall-Bullenmarktes häufig Gold übertrifft.

Ende Januar 2026 hatte Silber mit 120 US-Dollar je Unze ein neues Allzeithoch markiert und damit sowohl das Hoch von 1980 als auch jenes von 2011 übertroffen. Gemessen an diesem Januarhoch hat der Preis seitdem rund 27 Prozent korrigiert, der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt jedoch intakt.

Solange der Nahost-Konflikt andauert und die Straße von Hormuz blockiert bleibt, dürften scharfe Ausschläge in beide Richtungen das Bild bestimmen – getrieben von jedem neuen Signal zu Fed-Politik, Dollarstärke und dem weiteren Verlauf des Konflikts.

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