Silber hat eine schwache Woche hinter sich. Am Freitag schloss das Edelmetall bei 64,09 US-Dollar je Feinunze — ein Minus von 2,61 Prozent auf Tagesbasis und fast sechs Prozent auf Wochensicht. Auslöser ist die Federal Reserve.
Die Fed ließ die Zinsen zwar unverändert, schlug aber einen hawkishen Ton an. Neun der 19 Mitglieder erwarten mindestens eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Der Markt preist eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent für eine Anhebung bis September ein. Goldman Sachs strich seine Zinssenkungsprognosen für 2026 vollständig — der erste Schnitt kommt laut der Bank frühestens im Juni 2027.
Der Dollar kletterte daraufhin auf den höchsten Stand seit Mai 2025. Das belastet Silber doppelt: Höhere Zinsen machen unverzinsliche Anlagen weniger attraktiv, ein starker Dollar verteuert sie für internationale Käufer.
Charttechnik: Enge Schlüsselzonen
Der RSI liegt bei 35,6 — nahe überkauftem Terrain nach unten. Silber notiert rund 15 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 75,18 Dollar. Charttechnisch kämpft der Kurs mit dem Widerstand bei 70,73 Dollar. Gelingt der Ausbruch, wäre das Mai-Hoch bei 79,05 Dollar das nächste Ziel. Scheitert er, droht ein Rückfall zur Unterstützung bei 61,50 Dollar — darunter liegt das nächste Pivot-Level bei 54,25 Dollar.
Hinzu kommt geopolitische Unsicherheit: Geplante US-iranische Gespräche zur Beendigung des Nahostkonflikts fanden am Freitag nicht statt. Das trübte die Aussichten auf ein Friedensabkommen und belastete die Stimmung zusätzlich.
Fundamentale Spannung: Defizit trifft Makrodruck
Das fundamentale Bild bleibt bemerkenswert widersprüchlich. Das Silver Institute erwartet für 2026 ein Angebotsdefizit von rund 46 Millionen Unzen — nach gut 40 Millionen Unzen im Vorjahr. Die COMEX-Bestände fielen von 531 Millionen Unzen im Oktober 2025 auf rund 315 Millionen Unzen.
Auf der Nachfrageseite verschiebt sich das Bild. Solarhersteller reduzieren bei Preisen über 100 Dollar je Unze den Silbereinsatz pro Zelle — Branchenbegriff: „Thrifting“. Rechenzentren, KI-Hardware und der Automobilsektor fangen den Rückgang teilweise auf.
Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 62. Der langjährige Durchschnitt beträgt 65 bis 75 — das aktuelle Niveau signalisiert eine neutrale Bewertungsrelation zwischen den beiden Metallen.
PCE-Daten entscheiden die Richtung
Der entscheidende Termin der Woche kommt am Freitag: Die US-PCE-Inflationsrate für Mai — das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Fällt der Wert schwächer als erwartet aus, könnte der Druck auf Silber nachlassen. Bestätigt er erhöhte Inflation, gewinnt die Zinserhöhungsdebatte weiter an Fahrt. Bereits am Donnerstag stehen das finale BIP für Q1 sowie Auftragseingänge für langlebige Güter auf der Agenda. Beide Datenpunkte dürften die Erwartungen für den PCE-Tag vorprägen.
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