Sechs Jahre in Folge übersteigt die weltweite Silbernachfrage die Fördermenge — und 2026 soll das Defizit laut Silver Institute und Metals Focus rund 67 Millionen Feinunzen erreichen. Trotzdem lastet der makroökonomische Gegenwind auf dem Preis. Ein Widerspruch, der den Markt prägt.
Warum das Angebot nicht aufholt
Das Kernproblem ist strukturell: Rund 70 Prozent des weltweiten Silbers entstehen als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Blei und Zink. Die Fördermengen reagieren damit kaum direkt auf steigende Silberpreise — die Minenproduktion folgt anderen Wirtschaftlichkeitskalkulationen. Selbst ein erwartetes Angebotsplus von 1,5 Prozent auf 1,05 Milliarden Unzen, getrieben durch höhere Recyclingquoten, schließt die Lücke nicht.
Auf der Nachfrageseite verschieben sich gleichzeitig die Gewichte. Die Solarbranche arbeitet zwar an Technologien zur Reduktion des Silberverbrauchs pro Zelle, doch KI-Infrastruktur und Elektromobilität-Elektronik kompensieren diesen Rückgang. Hinzu kommt ein erwarteter Anstieg der physischen Investmentnachfrage um 20 Prozent auf 227 Millionen Unzen — vor allem aus westlichen Märkten.
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Zinspolitik bremst, hält aber nicht
Das makroökonomische Umfeld bleibt belastend. Die US-Inflation stieg im März auf 3,3 Prozent — der höchste Wert seit fast zwei Jahren. Der Markt preist mit 86-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed am 29. April die Zinsen unverändert lässt. Höhere Zinsen benachteiligen Silber als renditeloses Asset grundsätzlich.
Trotzdem hält sich der Kurs: Zuletzt bei rund 76,48 US-Dollar, rund fünf Prozent im Plus auf Wochensicht. Analysten führen die Widerstandsfähigkeit auf die Funktion als Währungsabsicherung und die robuste Industrienachfrage zurück — auch wenn der Preis noch deutlich unter dem Allzeithoch vom Januar 2026 bei 116,89 US-Dollar liegt.
Technische Schlüsselzone in der neuen Woche
Für die kommende Handelswoche gilt der Bereich um 75,85 US-Dollar als entscheidender Widerstand. Ein klarer Ausbruch darüber könnte die Bewegung in Richtung 78,00 US-Dollar beschleunigen. Auf der Unterseite bietet die Zone um 72,00 US-Dollar erste Unterstützung. Solange das strukturelle Defizit anhält und die Investmentnachfrage stabil bleibt, dürfte das Fundament für den Preis intakt bleiben — unabhängig davon, wann die Fed die Zinswende einleitet.
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