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Silber: Sechs Jahre Defizit enthüllt

Das globale Silberangebot schrumpft schneller als die Nachfrage, was 2026 zu einem größeren Defizit führt. Lagerbestände sind stark reduziert, während strukturelle Angebotsengpässe den Markt prägen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Sechstes Jahr in Folge mit Angebotsdefizit
  • Lagerbestände um 762 Millionen Unzen reduziert
  • Minenproduktion kann Defizit nicht ausgleichen
  • Investorennachfrage nach Barren steigt deutlich

Sechs Jahre in Folge übersteigt die globale Silbernachfrage das Angebot. Das allein wäre schon bemerkenswert — das eigentlich Alarmierende ist jedoch etwas anderes: Das Defizit weitet sich 2026 sogar aus, obwohl die Nachfrage sinkt.

Das World Silver Survey 2026, veröffentlicht am 15. April vom Silver Institute und Metals Focus, prognostiziert ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Feinunzen — rund 15 Prozent mehr als die 40,3 Millionen Unzen im Jahr 2025. Die Erklärung ist paradox: Das Angebot schrumpft schneller als die Nachfrage.

Wenn das Angebot das eigentliche Problem ist

Die globale Silberversorgung fällt um 2 Prozent, weil das Produzenten-Hedging nach einem Anstieg in der zweiten Jahreshälfte 2025 nachlässt. Die Nachfrage sinkt zwar ebenfalls um 2 Prozent — industrielle Abnahmen und Schmuck schwächeln, der Iran-Krieg belastet das globale Wachstum. Die Folge: Netto bleibt ein größeres Loch.

Ein Gegengewicht liefert die Investorenseite. Die Nachfrage nach Münzen und Barren soll 2026 um 18 Prozent steigen, getragen von einer Erholung der US-Kaufnachfrage.

Auf der Angebotsseite wächst die Minenproduktion um 1 Prozent auf 820 Millionen Unzen — der höchste Stand seit einem Jahrzehnt. Mexiko trägt den Großteil des Zuwachses. Das reicht trotzdem nicht. Der Grund: Silber stammt größtenteils als Nebenprodukt aus Gold-, Kupfer- und Zinkminen. Höhere Silberpreise erhöhen das Angebot daher kaum.

762 Millionen Unzen aus den Reserven gezogen

Sechs Defizitjahre hinterlassen Spuren. Seit 2021 wurden 762 Millionen Feinunzen aus den weltweiten Lagerbeständen entnommen — in etwa die gesamte globale Jahresminenproduktion.

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In den Londoner Tresoren fiel der Anteil unbelasteten Silbers im September 2025 auf ein historisches Tief von 17 Prozent. Das löste im Oktober 2025 einen physischen Liquiditätsengpass aus, der die Leihzinsen in die Höhe trieb. Philip Newman, Managing Director bei Metals Focus, dokumentiert dies im World Silver Survey 2026.

Der Preis reagierte entsprechend: Nach einem Jahresdurchschnittsanstieg von 42 Prozent in 2025 kletterte Silber Anfang 2026 auf ein Allzeithoch von über 121 Dollar je Feinunze am 29. Januar. Aktuell notiert das Metall bei rund 80 Dollar — etwa 145 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Geopolitik drückt, Struktur stützt

Der Iran-Krieg wirkt als Bremse. Der Konflikt hat einen Energieversorgungsschock ausgelöst, Inflation angeheizt und Zinserhöhungen wahrscheinlicher gemacht — das belastet Edelmetalle. Seit Kriegsbeginn liegt Silber rund 15 Prozent im Minus.

Irans Weigerung, vor Ablauf des Waffenstillstands an einer zweiten Verhandlungsrunde teilzunehmen, hält die Unsicherheit aufrecht.

J.P. Morgan Global Research erwartet für 2026 einen Silber-Jahresdurchschnittspreis von 81 Dollar je Unze. Das strukturelle Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bleibt bestehen — solange Silber überwiegend als Nebenprodukt anderer Minen anfällt, lässt es sich nicht schnell ausweiten. Das Gold-Silber-Verhältnis liegt aktuell bei rund 59,7, nachdem es im April 2025 kurzzeitig über 100 gestiegen war. Die Kompression zeigt, wie weit Silber bereits aufgeholt hat — und wie viel Angebotsdruck noch im Markt steckt.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.

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