Silber notiert am Freitag im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole knapp unter der Marke von 70 US-Dollar je Feinunze. Am Mittwoch schloss das Metall bei 68,08 Dollar, ein Minus von 0,8 Prozent zum Vortag.
Der Kurs bewegt sich damit weiterhin deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 61,42 Dollar – ein Zeichen, dass der Aufwärtstrend der vergangenen Wochen trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt.
Die Nervosität am Markt hat einen klaren Auslöser: Warsh hält am heutigen Freitag um 10:00 Uhr Ostküstenzeit seine erste programmatische Rede als Fed-Vorsitzender in Jackson Hole. Investoren erhoffen sich Hinweise zum künftigen Zinspfad.
Der Juli-PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, lag mit 3,7 Prozent im Jahresvergleich über der Erwartung von 3,6 Prozent – ein Wert, der die Zinssenkungsfantasie zuletzt gedämpft hat.
Laut CME FedWatch schwankten die Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung im September zwischen 34 und 64 Prozent, je nach Berechnungszeitpunkt der vergangenen Tage – ein Zeichen für die Unsicherheit unter Marktteilnehmern.
Verschärft wird die Lage durch geldpolitische Falken innerhalb der Fed. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack erklärte, „jetzt sei die Zeit zum Handeln“, da die Inflation über dem Zielwert von 2 Prozent liege.
Kansas-City-Fed-Präsident Jeffrey Schmid bezeichnete den aktuellen Leitzinskorridor von 3,50 bis 3,75 Prozent als nicht restriktiv, und Chicago-Fed-Chef Austan Goolsbee äußerte Sorge, die Inflation sei nicht unter Kontrolle.
Boston-Fed-Präsidentin Susan Collins hielt dagegen: Der PCE-Bericht ändere nichts an der Einschätzung, dass die Politik bereits restriktiv wirke und zu einer graduellen Disinflation führe.
Angebotsseite bleibt strukturell angespannt
Parallel zur geldpolitischen Debatte rückt die physische Angebotslage in den Vordergrund. Produktionsausfälle in den drei wichtigsten Förderländern belasten die Versorgung: In Mexiko, das rund 20 Prozent der Weltproduktion stellt, kostete eine zwölftägige Blockade der Mine Terronera von Endeavour Silver ab dem 12. August schätzungsweise 0,08 Millionen Unzen.
In Peru, verantwortlich für gut 15 Prozent der globalen Förderung, sank die Silberproduktion im Juni um 9,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was monatlich etwa 0,98 Millionen Unzen entspricht. In Chile drückte ein Schneesturm bei der Mine Los Pelambres von Antofagasta die Kupfer-Guidance für 2026 um 5,2 Prozent – mit Folgen auch für das dort als Nebenprodukt anfallende Silber.
Zusätzliche Nachfrage entsteht durch die Photovoltaikindustrie, die laut einer Studie der University of New South Wales bereits 2027 mehr als 20 Prozent der jährlichen Silberproduktion verbrauchen könnte.
Ein Gegengewicht bildet ein australisches Pilotprojekt der University of Newcastle, das nach eigenen Angaben nahezu die gesamte Silbermenge aus ausgemusterten Solarmodulen zurückgewinnen kann – zu deutlich geringeren Kosten als bei klassischer Säurelaugung.
Was Anleger von Warsh erwarten
Am Devisenmarkt positionieren sich Händler bereits auf einen stärkeren Dollar nach der Rede: Laut CME entfielen zuletzt 57,2 Prozent der Dollar-Optionsströme auf Wetten gegen den Greenback-Rückgang, verglichen mit 43,2 Prozent in der Vorwoche.
Ein fester Dollar würde Silber tendenziell belasten, da das Metall in der US-Währung gehandelt wird. Sollte Warsh dagegen keine klaren Signale für eine straffere Geldpolitik senden, dürfte dies Silber angesichts der bereits angespannten Angebotslage neuen Auftrieb verschaffen.
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