Kevin Warsh betritt am 16. Juni zum ersten Mal als Fed-Vorsitzender den Sitzungssaal. Für den Silberpreis ist das der wichtigste Termin des Jahres — nicht wegen der Zinsentscheidung selbst, sondern wegen allem, was danach kommt.
Der Leitzins bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit im Korridor von 3,50 bis 3,75 Prozent. Das ist Konsens. Was Trader wirklich bewegt, ist der neue Dot Plot, Warschs Ton auf der Pressekonferenz und ob die Projektionen eine Zinssenkung im September noch offenlassen.
Dot Plot als Richtungsgeber
Der letzte verbliebene Zinssenkungsschritt für 2026 dürfte aus dem Dot Plot verschwinden. Warsh könnte ihn sogar ganz abschaffen — als Signal seines angekündigten Regimewechsels in der Geldpolitik. Der CME FedWatch sieht inzwischen eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis Jahresende.
Goldman Sachs hat alle 2026er Zinssenkungen aus dem Ausblick gestrichen. Die Bank verschiebt ihre Prognosen auf Juni und Dezember 2027. Das ist eine deutliche Kurskorrektur.
Ein hawkisher Dot Plot verlängert Silbers Konsolidierungsphase bis ins dritte Quartal. Jedes Signal einer Lockerung im September wäre dagegen echter Rückenwind.
Silber nach dem Absturz
Das Jahr 2026 war für Silber extrem. Der Preis kletterte von 47 Dollar bis auf 116 Dollar — und traf im Januar bei 121,64 Dollar sein Allzeithoch. Dann folgte eine scharfe Korrektur. Aktuell notiert Silber bei 68,13 Dollar, rund 44 Prozent unter dem Jahreshoch. Der 30-Tage-Verlust beträgt fast 24 Prozent.
Das Gold-Silber-Ratio liegt bei 63,9. Silber ist damit relativ zu Gold so günstig wie zu keinem anderen Zeitpunkt in diesem Jahr. Eine Korrektur von 25 Prozent in einem etablierten Bullenmarkt ist kein Trendbruch.
Die US-Inflation liefert ein zweischneidiges Signal. Im Mai stieg sie auf 4,2 Prozent — den höchsten Stand seit April 2023. Treiber war ein Energiepreisanstieg von 23,5 Prozent infolge des Iran-Konflikts. Höhere Inflation erhöht den Druck auf die Fed, stärkt aber das Interesse an Edelmetallen als Wertaufbewahrungsmittel.
Strukturelle Unterstützung hält
Unabhängig vom Fed-Ausblick stützen fundamentale Faktoren den Markt. Branchenschätzungen zufolge übersteigt der globale Silberverbrauch die Minenproduktion 2026 zum sechsten Mal in Folge. Mehr als die Hälfte der Nachfrage ist industrieller Natur — Solar, Elektrofahrzeuge, Rechenzentren — und ein Großteil davon wird dauerhaft verbraucht.
Das Angebot wächst kaum. Silber fällt überwiegend als Nebenprodukt beim Kupfer- und Zinkabbau an. Dedizierte Silberminen sind die Ausnahme.
Die verkürzte Handelswoche — am 19. Juni ist Juneteenth — konzentriert alle Reaktionen auf Mittwoch und Donnerstag. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bereits bei fast 61 Prozent. Nach dem FOMC-Beschluss dürfte sie weiter steigen.
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