Im portugiesischen Sintra versammelt sich heute die Spitze der globalen Geldpolitik. Fed-Chef Kevin Warsh, EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihre Kollegen aus Großbritannien und Kanada teilen sich das Podium. Für Warsh ist es die erste große internationale Bühne als Fed-Vorsitzender. Seine Worte könnten den Silberpreis massiv bewegen.
Zinsangst ohne Leitplanken
Die US-Notenbank hielt den Leitzins im Juni unverändert. Parallel dazu strich Warsh jegliche Prognosen darüber, wie sich die Zinsen entwickeln. Sein neues Credo lautet: keine Vorwärtsführung mehr.
Das Paradox: Je weniger Orientierung der Fed-Chef gibt, desto intensiver interpretieren Investoren seine Auftritte. Die neuen Wirtschaftsprognosen zeigen ein klares Bild. Neun Fed-Offizielle erwarten dieses Jahr mindestens eine Zinserhöhung. Sechs von ihnen rechnen sogar mit zwei Schritten.
Die Märkte preisen aktuell drei Erhöhungen ein. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September liegt bei 60 Prozent.
Ein solches Hochzinsumfeld belastet Silber schwer. Das Edelmetall wirft keine laufende Rendite ab. Laut der Investmentbank Macquarie treiben diese Zinssorgen Anleger dazu, Gewinne mitzunehmen.
Konjunkturdaten und geopolitischer Druck
Neben dem Sintra-Forum schauen Händler auf neue Konjunkturdaten. Am heutigen Mittwoch stehen der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie und die US-Rohöllagerbestände an. Am Donnerstag folgt der vorgezogene Arbeitsmarktbericht für den Juni.
Die Wall Street erwartet rund 115.000 neue Stellen. Dieser Wert liegt weit über der Schwelle für einen geldpolitischen Kurswechsel. Die Fed dürfte ihren restriktiven Kurs also beibehalten.
Abseits der Konjunkturdaten belastet die Geopolitik den Markt. Die USA und der Iran verhandeln in Katar. Ein dauerhafter Waffenstillstand ist jedoch nicht in Sicht. Teheran will weiterhin den Verkehr durch die Straße von Hormus kontrollieren.
Seit der Konflikt ausbrach, verlor Silber massiv an Boden. Das Edelmetall büßte fast die Hälfte seines Wertes ein. Das Rekordhoch vom Januar ist inzwischen weit entfernt. Silber hinkt Gold in dieser Krise deutlich hinterher.
Strukturelles Defizit stützt den Preis
Technisch hat sich der Kurs etwas erholt. XAG/USD notiert wieder über der Marke von 59 US-Dollar. Die Indikatoren im Vier-Stunden-Chart signalisieren, dass der Druck nach unten nachlässt.
Langfristig profitiert das Edelmetall von einem knappen Angebot. Die Industrie verbraucht Silber, ohne es zurückzugewinnen. Das Silver Institute rechnet bis 2030 mit einem industriellen Bedarf von über 700 Millionen Feinunzen jährlich.
Die Fördermenge der Minen bleibt derweil stabil. Silber fällt meist nur als Nebenprodukt an, wenn Bergbaukonzerne Kupfer, Zink oder Blei fördern. Minenbetreiber können die Förderung daher kaum kurzfristig hochfahren. Die Folge: Ein strukturelles Defizit trifft auf den aktuellen geldpolitischen Preisdruck.
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