Silber jagt von einem Rekord zum nächsten – und das vor allem wegen politischer Spannungen, nicht wegen klassischer Konjunkturphantasie. Im Mittelpunkt steht die Grönland-Auseinandersetzung zwischen den USA und Europa, die Anleger in Edelmetalle treibt. Wie stabil ist dieser Anstieg, wenn der politische Rückenwind nachlässt?
Grönland-Konflikt als Auslöser
Ausgangspunkt der jüngsten Rally ist der eskalierende Streit um Grönland. US-Präsident Donald Trump droht acht europäischen Ländern mit neuen Strafzöllen, falls sie seinen Plan zum Erwerb der arktischen Insel nicht unterstützen. In Europa werden als Antwort Gegenzölle auf US-Waren geprüft, inklusive der Reaktivierung bereits vorbereiteter Maßnahmen.
Damit rückt der gewaltige europäische Bestand an US-Anleihen und -Aktien in den Fokus. Rund 10 Billionen US-Dollar könnten im Konflikt als politisches Druckmittel eine Rolle spielen. Diese Unsicherheit hat Silber als „sicheren Hafen“ schlagartig attraktiver gemacht und den Preis auf ein neues Rekordhoch getrieben.
Heute notiert Silber bei 94,83 US‑Dollar je Unze – exakt auf dem 52‑Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn ergibt sich damit ein Plus von gut 31%.
Die wichtigsten Treiber im Überblick
- Geopolitische Spannungen: Drohende US-Strafzölle und mögliche europäische Vergeltungsmaßnahmen im Grönland-Streit
- Safe-Haven-Nachfrage: Umschichtungen aus Risikoanlagen in Edelmetalle
- Status als kritischer Rohstoff: Silber steht auf der US-Liste kritischer Mineralien
- Strukturelle Engpässe: Angebotsdefizite am Londoner Markt verstärken Preisspitzen
- Monetäre Rahmenbedingungen: Erwartete Zinssenkungen der Fed senken die Opportunitätskosten für das Halten von Edelmetallen
Hinzu kommt ein technischer Aspekt: Der Kurs liegt rund 30% über dem 50-Tage-Durchschnitt von 72,78 US‑Dollar. Das unterstreicht die Dynamik des Anstiegs, signalisiert aber auch ein erhöhtes Korrekturrisiko.
Industrielle Nachfrage verstärkt den Trend
Silber ist nicht nur Wertspeicher, sondern auch wichtiger Industriemetall. Inzwischen entfällt mehr als die Hälfte der weltweiten Nachfrage auf industrielle Anwendungen, unter anderem:
- Solarindustrie und Photovoltaik‑Module
- Elektrofahrzeuge und Batterietechnologie
- Rechenzentren und Elektronik
- Elektrifizierung von Infrastruktur
Gerade die Solarbranche gerät dadurch unter Druck. Schon bei 70 US‑Dollar je Unze machte Silber 18 bis 20% der gesamten Modulkosten aus. Mit Preisen nahe 95 US‑Dollar steigt dieser Anteil nochmals deutlich. Das erhöht die Produktionskosten und könnte mittelfristig zu Effizienzsteigerungen, Materialsubstitution oder Projektverschiebungen führen – die Nachfrage bleibt aber strukturell hoch.
100 US‑Dollar in Sicht
Seit April des Vorjahres hat sich der Silberpreis mehr als verdreifacht – ein Anstieg von über 180%. Zum Vergleich: Im Durchschnitt lag der Preis 2024 noch bei 28,27 US‑Dollar je Unze. Citi Research sieht deshalb kurzfristig weiteres Potenzial und hält ein Niveau von 100 US‑Dollar innerhalb der nächsten drei Monate für realistisch.
Die Begründung:
– Der geopolitische Konflikt dürfte kurzfristig nicht verschwinden.
– Die Safe-Haven-Nachfrage bleibt hoch.
– Industrielle Trends wie Solarenergie und Elektromobilität stützen den Verbrauch.
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Der 14‑Tage‑RSI von 62 signalisiert dabei einen klar aufwärtsgerichteten, aber noch nicht extrem überhitzten Markt.
Volatilität nach Zoll-Entscheidung
Die Kehrseite der Rally ist die hohe Schwankungsbreite. In den vergangenen Tagen war die Volatilität deutlich erhöht; auf 30‑Tage‑Basis liegt sie annualisiert bei gut 66%. Nach dem Rekordhoch rutschte Silber zeitweise um mehr als 4% auf unter 89 US‑Dollar ab.
Auslöser war eine überraschende Entscheidung aus Washington: Die Trump-Administration verzichtete darauf, Zölle auf kritische Mineralien – darunter Silber – zu erheben. Damit verschwand ein wichtiger spekulativer Treiber. Zuvor hatten Marktteilnehmer aus Furcht vor Strafzöllen Lieferungen in die USA vorgezogen, was die Preise zusätzlich nach oben getrieben hatte.
Diese Episode zeigt, wie sensibel der Markt auf politische Schlagzeilen reagiert – und wie schnell Gewinne zumindest zeitweise abschmelzen können.
Fed-Politik als Rückenwind
Neben der Geopolitik spielt die US-Notenbank eine zentrale Rolle. Die Federal Reserve dürfte die Zinsen bei ihrer Sitzung Ende Januar zunächst unverändert lassen. Gleichzeitig preisen die Märkte für das laufende Jahr mindestens zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte ein.
Fed-Vizechefin Michelle Bowman hat signalisiert, dass die Zentralbank bei einer Abschwächung des Arbeitsmarktes zu weiteren Lockerungsschritten bereit wäre. Niedrigere Zinsen reduzieren die Opportunitätskosten für nicht verzinste Anlagen wie Edelmetalle und stützen damit grundsätzlich den Silberpreis.
Fazit: Starker Lauf mit klaren Spannungsfeldern
Silber profitiert aktuell von einem seltenen Zusammenspiel aus geopolitischer Unsicherheit, industriebasierter Nachfrage und einer tendenziell lockereren Geldpolitik. Der Kurs notiert auf Rekordniveau, der Abstand zum Jahrestief von 46,90 US‑Dollar beträgt über 100%.
Kurzfristig bleiben insbesondere der weitere Verlauf des Grönland-Konflikts und die Zinsentscheidung der Fed am Monatsende entscheidend. Hält der politische und geldpolitische Rückenwind an, ist ein Test der 100‑US‑Dollar‑Marke aus heutiger Sicht gut begründbar – eine hohe Volatilität auf dem Weg dorthin ist angesichts der jüngsten Bewegungen allerdings ebenso wahrscheinlich.
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