Silber pendelt an diesem Mittwoch zwischen 59,35 und 59,77 US-Dollar je Feinunze. Die 60-Dollar-Marke rückt damit wieder in Reichweite. Ausgerechnet jetzt senkt die UBS ihre bevorzugte Einstiegszone für Neukäufer deutlich ab.
UBS sieht Kaufchance erst bei 50 Dollar
Die Schweizer Großbank taxiert die attraktive Kaufzone jetzt auf 48 bis 50 US-Dollar. UBS-Stratege Dominic Schnider begründet den Schritt mit einer schwachen Investorennachfrage der vergangenen Wochen.
Hinzu kommt der restriktive Kurs der US-Notenbank Fed. Marktteilnehmer erwarten die erste Zinssenkung frühestens im Dezember 2026, wahrscheinlicher erst im ersten Quartal 2027. Ein festerer US-Dollar verteuert das Metall zusätzlich für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Die Bank hält trotzdem an ihrem mittelfristig positiven Blick fest. Sie wertet die aktuelle Schwäche als vorübergehend. Diese Lücke zwischen vorsichtiger Kaufzone und optimistischen Fernzielen fällt auf: Die UBS sieht die Korrektur als gesund an, wartet aber auf günstigere Niveaus für einen größeren Positionsaufbau.
Strukturelles Defizit trifft auf starres Angebot
Die fundamentalen Daten stützen den Silberpreis weiter. Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste Defizitjahr in Folge. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage liegt bei rund 46,3 Millionen Feinunzen.
Die industrielle Nachfrage treibt den Markt am stärksten an. Der Ausbau von KI-Rechenzentren, die Photovoltaik-Produktion und die wachsende Elektromobilität heizen den Verbrauch an.
Das Angebot bleibt dabei starr. Etwa 70 Prozent der weltweiten Förderung fallen nur als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Zink oder Blei an. Steigende Preise weiten die Fördermenge deshalb nicht automatisch aus, denn die Produktion hängt vor allem an der Nachfrage nach diesen Basismetallen.
In China zeigen sich zuletzt deutliche Aufschläge auf physische Barren gegenüber dem Weltmarktpreis. Das deutet auf eine Verknappung des tatsächlich verfügbaren Materials hin.
Geopolitische Spannungen und Inflationssorgen
Das makroökonomische Umfeld bleibt volatil. Die Huthi-Miliz blockiert laut Berichten wichtige Schifffahrtswege im Bab el-Mandeb, die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu. Der Ölpreis der Sorte WTI stieg deshalb zeitweise auf über 86 US-Dollar.
Das schürt neue Inflationssorgen und treibt Anleger in Sachwerte. Parallel dazu verhandeln die USA und der Iran offenbar über einen temporären Waffenstillstand. Eine Entspannung würde vermutlich den Ölpreis drücken, zugleich aber den Dollar schwächen und dadurch den Silberpreis stützen.
Am Donnerstag tagt außerdem die Europäische Zentralbank. Anleger erwarten Signale zur künftigen Geldpolitik im Euroraum.
Technische Signale und Analysten-Prognosen
Am 21. Juli sprang Silber über die 20-Tage-Linie bei rund 51,56 Euro. Damit verlässt das Metall den seit Juni laufenden Abwärtstrend. Am Mittwoch erreichte der Kurs im Tagesverlauf ein Hoch von 60,00 US-Dollar, prallte dort aber zunächst leicht ab.
Die langfristigen Prognosen bleiben trotz der UBS-Anpassung hoch. J.P. Morgan erwartet für 2026 einen Durchschnittspreis von 81 US-Dollar je Feinunze. Die LBMA-Umfrage unter Analysten kommt auf einen Konsenswert von rund 79,57 US-Dollar.
Verteidigt Silber die Unterstützung zwischen 58 und 59 US-Dollar, bleibt der Weg zum nächsten Kursziel bei 68,88 US-Dollar frei.
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