Silber hat am Freitag die charttechnisch wichtige Marke von 69 US-Dollar je Feinunze überwunden und mit 69,01 Dollar geschlossen, ein Plus von 1,3 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht damit ein Zuwachs von 6,5 Prozent zu Buche. Auslöser der jüngsten Rally ist eine geldpolitisch brisante Entscheidung aus Washington.
Anleihe-Rückkäufe befeuern Edelmetalle
Das US-Finanzministerium unter Finanzminister Bessent hat angekündigt, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren deutlich auszuweiten – von bislang 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Transaktion, zuzüglich weiterer 14 Milliarden Dollar im laufenden Quartal.
Die Maßnahme soll ab dem 9. September bis zum 4. November 2026 laufen. Hintergrund ist eine US-Staatsverschuldung, die inzwischen die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat.
Die Ankündigung schwächte den Dollar und drückte die Renditen am langen Ende, nachdem die 30-jährige US-Rendite zuvor mit 5,34 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht hatte. Anleger reagierten mit einer Flucht in Sachwerte: Gold kletterte parallel auf über 4.600 Dollar je Unze, Silber näherte sich im Zuge dieser Bewegung erstmals seit Längerem der 70-Dollar-Schwelle.
Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 66 – ein Hinweis darauf, dass Silber im Vergleich zu Gold historisch günstig bewertet bleibt, obwohl es die Aufwärtsbewegung des gelben Metalls zuletzt sogar übertroffen hat.
Angebotsdefizit trifft auf starke Industrienachfrage
Fundamental bleibt der Silbermarkt angespannt. Die weltweite Minenproduktion bewegt sich zwischen 820 und 844 Millionen Unzen, während die industrielle Nachfrage 2025 bei 657,4 Millionen Unzen lag – nach 680,5 Millionen Unzen im Jahr zuvor. Das Ergebnis ist ein rechnerisches Defizit von 46,3 Millionen Unzen.
Zwar dürfte die Photovoltaik-Nachfrage 2026 um 19 Prozent auf 151 Millionen Unzen zurückgehen, doch das Recycling-Aufkommen, das 2025 bei 197,6 Millionen Unzen lag und 2026 auf über 200 Millionen Unzen steigen soll, kann die Angebotslücke bislang nicht schließen.
Diese Gemengelage aus geldpolitischem Rückenwind und strukturellem Defizit spiegelt sich auch in der technischen Verfassung des Marktes: Der Relative-Stärke-Index auf 14-Tage-Basis notiert bei 66,6 Punkten und signalisiert damit eine kräftige, aber noch nicht überhitzte Aufwärtsdynamik.
Analysten mit weit auseinanderliegenden Zielen
Bei den Kurszielen der großen Häuser herrscht wenig Einigkeit. Citi traut Silber bis auf 90 Dollar zu, BofA sieht auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten ebenfalls 90 Dollar als Ziel, während UBS bis Jahresende 80 Dollar veranschlagt. Deutlich zurückhaltender ist JP Morgan mit einem Ziel von 63 Dollar für das vierte Quartal 2026, und Commerzbank erwartet zum Jahresende lediglich 67 Dollar – ein Niveau, das bereits unterschritten wurde.
Die Bandbreite der Prognosen zeigt, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die Kombination aus lockerer werdender US-Fiskalpolitik, schwächelndem Dollar und angespannter physischer Versorgungslage gewichten. Kurzfristig dürfte der Blick der Anleger auf das Notenbanktreffen in Jackson Hole gerichtet sein, von dem weitere Signale zur künftigen Geldpolitik erwartet werden.
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