46,3 Millionen Unzen fehlen dem globalen Silbermarkt laut Silver Institute in diesem Jahr. Der Preis notiert am Mittwoch bei rund 58,50 US-Dollar und schwankt kräftig. Zwei Kräfte ziehen in unterschiedliche Richtungen: ein schwächerer Dollar und die Angst vor einer Eskalation im Nahen Osten.
Sechstes Defizit-Jahr in Folge
Das Silver Institute meldet für 2026 bereits das sechste Jahr mit einem globalen Angebotsdefizit. Die Nachfrage übersteigt das Angebot damit ununterbrochen seit Jahren. Privatanleger treiben diesen Trend kräftig an: Physische Silberinvestitionen legen 2026 bislang um 20 Prozent zu.
Auch die Industrie kauft weiter kräftig ein. Elektronik-Hersteller und die Photovoltaik-Branche verbrauchen trotz Effizienzgewinnen große Mengen Silber. Das stützt den Preis, sobald er kurzzeitig nachgibt.
Analysten von OCBC verweisen zudem auf einen technischen Faktor: Silber reagiert stärker auf Marktbewegungen als Gold. Diese höhere Volatilität sorgt für überproportionale Ausschläge in beide Richtungen.
Schwache US-Inflation drückt den Dollar
Die heute veröffentlichten US-Verbraucherpreise für Juni fielen deutlich schwächer aus als erwartet. Die Jahresrate sank auf 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Vormonat. Im Monatsvergleich gaben die Preise sogar um 0,4 Prozent nach.
Der Dollar-Index reagierte prompt und rutschte unter die Marke von 101. Ein schwächerer Dollar macht Silber für Käufer außerhalb der USA günstiger.
Nun blickt der Markt auf den Erzeugerpreisindex. Diese Daten gelten als wichtiger Hinweis für die künftige Zinspolitik der Federal Reserve. Laut FedWatch-Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September aktuell bei 50 bis 58 Prozent. Zuvor hatten Anleger diese Wahrscheinlichkeit deutlich höher eingeschätzt.
Fed-Chef Kevin Warsh bremst die Zinsfantasie zusätzlich. Er betonte zuletzt seine strikte Haltung gegen anhaltend hohe Inflation.
Nahost-Konflikt treibt Öl und Nervosität
Die militärische Lage in der Straße von Hormus verschärft sich. US-Blockaden und iranische Gegenangriffe haben die Wasserstraße faktisch geschlossen. Der Ölpreis kletterte daraufhin auf ein Ein-Monats-Hoch.
Steigende Energiekosten schüren neue Inflationssorgen. Das macht Zinsschritte der Fed wieder wahrscheinlicher, was Edelmetalle grundsätzlich belastet. Silber fungiert in dieser Gemengelage nur bedingt als sicherer Hafen. Der Goldpreis gab zuletzt auf rund 4.025 US-Dollar nach und zog Silber mit nach unten.
Charttechnik zeigt neutrale bis leicht bärische Signale
Der Silberpreis konsolidiert derzeit unterhalb einer wichtigen Abwärtstrendlinie. Der Widerstand liegt im Bereich von 59,11 bis 59,20 US-Dollar. Unterstützung findet das Metall bei 58,30 US-Dollar.
Fällt der Preis unter diese Marke, rückt das nächste Ziel bei 56,90 US-Dollar in den Fokus. Der Relative-Stärke-Index steht aktuell bei 45. Das deutet auf eine neutrale bis leicht bärische Stimmung hin.
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